Nach Verunreinigung durch Starkregen
Trinkwasser: Zirl rüstet technisch auf
- Bürgermeister Thomas Öfner und INAQ-Leiter Dr. Bernd Jenewein informierten über die aktuelle Situation der Zirler Trinkwasserversorgung und die geplanten technischen Maßnahmen zur besseren Überwachung des Wassersystems.
- Foto: Georg Larcher / MeinBezirk
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Nach dem Starkregenereignis vom 4. August kam es in Zirl zu mikrobiologischen Auffälligkeiten im Trinkwasser. Die Marktgemeinde informierte die Bevölkerung über eine Verordnung zum Abkochen des Trinkwassers und später über die vorübergehende Chlorierung des Netzes (MeinBezirk hat berichtet). Künftig sollen UV-Desinfektion und Trübungsmessungen für mehr Sicherheit sorgen. Die MG Zirl lädt zur Bürgerinformation am 20. August ein.
ZIRL. Das Starkregenereignis vom 4. August hat die Trinkwasserversorgung der Marktgemeinde Zirl vor eine besondere Herausforderung gestellt. Nach den heftigen Niederschlägen kam es im Bereich der Quellfassung Schlossbach zu einer deutlichen Trübung des Wassers und zu mikrobiologischen Auffälligkeiten. Die Bevölkerung wurde deshalb zum Abkochen des Trinkwassers aufgefordert. Inzwischen wird das Wasser vorsorglich mit Chlor desinfiziert.
Bei einem Pressegespräch am Montag, 17. August, erläuterten Bürgermeister Thomas Öfner und Dr. Bernd Jenewein, Leiter des INAQ Instituts für Analytik und Qualität GmbH, die Hintergründe und die geplanten Maßnahmen. Dabei wurde auch klargestellt: Das Ereignis Anfang August steht nach Einschätzung der Gemeinde und der Fachleute nicht im Zusammenhang mit den Problemen bei der Wassermenge im Juni.
Starkregen brachte Probleme an der Schlossbachquelle
Zirl bezieht sein Trinkwasser aus mehreren Quellfassungen. Im Bereich des Hochbehälters Schlossbach werden die Wässer verschiedener Quellen zusammengeführt. Nach dem Starkregen am 4. August zeigte sich dort zunächst eine außergewöhnlich starke Trübung. Das Wasser war laut Jenewein zeitweise deutlich undurchsichtig.
In den darauffolgenden Tagen wurden wiederholt Wasserproben genommen und die einzelnen Zuläufe untersucht. Dabei konnte die Auffälligkeit vor allem der Schlossbachquelle zugeordnet werden. Die Ziegelflaschen- und Pfefferlequellen zeigten sich bei den Untersuchungen hingegen unauffällig.
- Die Grafik zeigt den Aufbau der Zirler Trinkwasserversorgung: Mehrere Quellfassungen speisen die Hochbehälter und das angeschlossene Leitungsnetz. Im Mittelpunkt der aktuellen Maßnahmen stehen die Schlossbachquelle sowie künftig UV-Desinfektion und Trübungsmessungen zur frühzeitigen Erkennung von Veränderungen der Wasserqualität.
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Eine konkrete Eintragsstelle konnte bislang allerdings nicht zweifelsfrei identifiziert werden. Bei einem der Zuläufe wurden Boden- beziehungsweise Oberflächenbakterien festgestellt. Das ist laut Jenewein ein deutlicher Hinweis darauf, dass Wasser aus oberflächennahen Bereichen in die Fassung gelangt sein könnte. Ob tatsächlich nur dieser eine Zulauf für die Auffälligkeiten verantwortlich war oder ob beim Starkregen auch weitere Fassungen betroffen wurden, soll durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Die Fachleute vermuten einen Zusammenhang mit den besonderen Bedingungen im alpinen Einzugsgebiet. Nach längeren Trockenperioden können sich im Untergrund bestehende Spalten und Klüfte verändern. Treffen danach große Niederschlagsmengen auf das Gelände, kann Wasser wesentlich schneller in solche Bereiche eindringen und dabei Stoffe aus den obersten Bodenschichten mitführen. Bei den Zirler Schlossbachquellen handelt es sich um ein solches natürliches, unterirdisch gespeistes System.
Chlorierung als vorsorgliche Absicherung
Da zunächst nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden konnte, dass auch weitere Zuläufe betroffen sein könnten, entschied sich die Gemeinde für eine umfassende Absicherung. Das Trinkwasser wird derzeit mit einer geringen Menge Chlor desinfiziert.
Jenewein betont, dass die Dosierung laufend kontrolliert wird und sich im für Trinkwasser zulässigen Bereich bewegt. Das Ziel sei, nur die mindest-notwendige Menge einzusetzen. Das Wasser habe trotz der Chlorierung Trinkwasserqualität, könne allerdings vorübergehend nach Chlor riechen oder schmecken.
Die Chlorierung ist als Übergangslösung gedacht. Sobald die geplante technische Lösung installiert und ordnungsgemäß in Betrieb genommen werden kann, soll die Desinfektion wieder auf UV-Licht umgestellt werden. Nach dem Abschalten der Chlorierung könne es laut den Fachleuten noch etwa drei bis vier Tage dauern, bis das Chlor aus dem gesamten Leitungsnetz verschwunden ist.
- Bürgermeister Thomas Öfner erläutert anhand der Grafik den Aufbau der Zirler Wasserversorgung. Er betont, dass die Gemeinde über ein grundsätzlich ausreichend dimensioniertes Versorgungssystem und genügend Wasserdargebot verfügt, zugleich aber laufend in Überwachung, Sanierung und technische Absicherung investiert.
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UV-Anlage und Frühwarnsystem kommen
Die Marktgemeinde will aus dem Vorfall konkrete Konsequenzen ziehen. Für den Hochbehälter Schlossbach ist die Installation einer UV-Desinfektionsanlage vorgesehen. UV-Licht inaktiviert Bakterien und andere Keime, ohne das Wasser geschmacklich zu verändern.
Zusätzlich sollen an allen drei Hochbehältern Trübungsmessungen installiert werden. Diese Sensoren können Veränderungen der Wasserqualität deutlich früher erkennen, als dies mit freiem Auge möglich wäre. Nähert sich die Trübung einem kritischen Wert, kann dadurch frühzeitig reagiert und gegebenenfalls ein auffälliger Quellzulauf aus dem Versorgungssystem genommen werden.
Nach Angaben der Gemeinde wird die Planung derzeit fertiggestellt. Für Lieferung und Einbau der UV-Anlage wird mit einer Dauer von etwa acht Wochen gerechnet. Die Kosten für die UV-Anlage selbst werden mit rund 25.000 bis 30.000 Euro angegeben, für die Trübungsmessungen mit rund 10.000 Euro. Einschließlich Einbau und weiterer notwendiger Arbeiten rechnet die Gemeinde derzeit grob mit rund 70.000 bis 80.000 Euro. Ob dafür Förderungen in Anspruch genommen werden können, soll noch geprüft werden.
Wasserversorgung grundsätzlich ausreichend
Bürgermeister Öfner widerspricht gleichzeitig der Darstellung, Zirls Wasserversorgung stehe grundsätzlich vor dem Zusammenbruch. Nach einer fachplanerischen Bewertung sei das System grundsätzlich ausreichend dimensioniert und verfüge über ein ausreichendes Wasserdargebot für die mehr als 8.000 Einwohner der Marktgemeinde und die ansässigen Betriebe.
Handlungsbedarf gebe es dennoch. Dazu zählt insbesondere die Erneuerung älterer Leitungsabschnitte und Anlagenteile sowie die Verringerung von Wasserverlusten. Im Rahmen des bereits beauftragten Leitungsinformationssystems wird derzeit erhoben, welche Leitungen vorhanden sind, wie alt sie sind, in welchem Zustand sie sich befinden und wo Sanierungen notwendig sind.
Für dieses Leitungsinformationssystem investiert die Gemeinde nach eigenen Angaben rund 600.000 bis 650.000 Euro über die Jahre 2025 und 2026. Erste Leckortungen haben bereits stattgefunden. Die nächtlichen Wasserverluste konnten laut Öfner von ursprünglich rund 15 Litern pro Sekunde auf etwa neun bis zehn Liter pro Sekunde reduziert werden. Ziel seien drei bis vier Liter pro Sekunde.
Der Bürgermeister betont, dass daraus weitere Maßnahmen abgeleitet werden sollen. Das Leitungsinformationssystem soll im Herbst vorliegen und eine Grundlage für die Priorisierung von Sanierungen bilden.
Juni und August sind zwei unterschiedliche Ereignisse
Öfner legt Wert darauf, die beiden Wasserprobleme des heurigen Jahres voneinander zu trennen. Im Juni war der Hochbehälter Schlossbach aufgrund einer Kombination aus geringer Quellschüttung, Trockenheit und hohen Wasserverlusten zeitweise stark gefordert. Dieses Ereignis habe mit der mikrobiologischen Verunreinigung nach dem Starkregen Anfang August nichts zu tun.
Die Gemeinde will die Wasserversorgung dennoch insgesamt genauer beobachten. Gerade die Kombination aus längeren Trockenperioden und anschließend extremen Niederschlägen stelle natürliche Wasserversorgungen vor neue Herausforderungen, erklärt Jenewein.
Trinkwasserversorgung in Tirol außergewöhnlich gut
Tirol verfügt über besonders viele kleinräumige und natürliche Wasserversorgungen. Dass Trinkwasser ohne umfangreiche Aufbereitung direkt aus Quellen in das Leitungsnetz gelangt, sei im internationalen Vergleich keineswegs selbstverständlich, wie Dr. Bernd Jenewein betont. Gerade deshalb müsse bei sich verändernden klimatischen Bedingungen auch über zusätzliche technische Sicherungen nachgedacht werden.
Nach dem Vorfall soll früher reagiert werden können
Regulär wird das Zirler Trinkwasser zweimal jährlich von externer Stelle untersucht. Nach besonderen Ereignissen wie Starkregen werden zusätzliche Kontrollen seitens der Marktgemeinde durchgeführt. Künftig sollen die geplanten Trübungsmessungen eine wesentlich schnellere Information über Veränderungen im Quellwasser ermöglichen.
- Für Bgm. Thomas Öfner steht fest: Die Ereignisse haben Schwachstellen sichtbar gemacht, die nun technisch besser abgesichert werden sollen.
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Bgm. Öfner: "Wir haben gelernt"
Auch bei der Information der Bevölkerung will Bürgermeister Thomas Öfner aus dem Ereignis lernen. Der Ortschef räumt ein, dass bei der ersten Warnung unterschiedliche Möglichkeiten abgewogen wurden. Bei der späteren Information über das Abkochen des Wassers entschied sich die Gemeinde schließlich für eine umfassendere Alarmierung über das AT-Alert-System.
Für die Marktgemeinde steht fest: Die Ereignisse haben Schwachstellen sichtbar gemacht, die nun technisch besser abgesichert werden sollen. Die Wasserversorgung sei grundsätzlich leistungsfähig, müsse aber angesichts alter Leitungen, natürlicher Risiken und zunehmender Wetterextreme laufend weiterentwickelt werden.
Bürgerinformation am 20. August
Die Marktgemeinde Zirl lädt am Donnerstag, 20. August 2026, ab 19 Uhr zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ins B4 – Kultur- und Veranstaltungszentrum ein. Dabei werden Bürgermeister und Gemeindevertreter gemeinsam mit den Fachberatern Dr. Bernd Jenewein, Leiter des INAQ Instituts für Analytik und Qualität GmbH, und Dipl.-Ing. Thomas Exenberger, Fachplaner der Gemeinde, über die aktuelle Situation der Zirler Trinkwasserversorgung, die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen sowie die geplanten technischen Maßnahmen informieren. Beide Fachleute stehen den Bürgerinnen und Bürgern auch für Fragen zur Verfügung. Die Marktgemeinde lädt alle Interessierten dazu ein, die Gelegenheit zur umfassenden Information und zum direkten Austausch zu nutzen.
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