28.11.2016, 09:40 Uhr

Geschichte der Irrfahrt des Pistenbully nach Seefeld in Norddeutschland war Werbe-Gag

TVB-Geschäftsführer Elias Walser inszenierte das Märchen: "So etwas macht man nur einmal, es war das erste und das letzte Mal. Alles was jetzt kommt, dafür trage ich die Verantwortung." (Foto: Holzknecht)

Was als facebook-Scherz geplant war, verbreitete sich über seriöse Medien in Deutschland und Österreich als tatsächliches Geschehnis: Ein irregeleiteter Transport eines Pistenbully, der via Navigationssystem nach Seefeld in Norddeutschland geleitet wurde anstatt ins Tiroler Seefeld. Der Pistenbully war tatsächlich dort, die Geschichte dahinter aber ein Märchen - das kostet dem TVb Seefeld jetzt 30.000 Euro - mindestens!

SEEFELD (lage). Nach dem Motto "für unsere Kunden machen wir alles" transportierte ein Tiroler Unternehmen einen für Seefeld in Tirol bestimmten Pistenbully ins norddeutsche Seefeld in Schleswig-Holstein, mit dabei ein Filmteam und der Innsbrucker Kabarettist Alex Kröll. Ein Werbe-Film wurde produziert - und gleichzeit machte die facebook-Meldung von TVb-GF Elias Walser mit dem Foto vom Drehort die Runde: Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in den deutschen und österreichischen Tagesmedien die Geschichte von der Irrfahrt, vom fehlgeleiteten Transport ins "falsche" Seefeld.
"Die ganze Sache war anders gedacht, es lief aus dem Ruder", gab TVb-GF Elias Walser gegenüber BEZIRKSBLÄTTER zu.
Walser selbst hat als Person über facebook die Nachricht verbreitet, machte den Anschein, als wäre der Pistenbully ungeplant in Norddeutschland gelandet, postet ein Foto und schrieb dazu: "Ein Stammgast aus Norddeutschland hat mir gerade ein Bild von unserem neuen Pistengerät geschickt. Der Pistenbully schaut super aus, nur leider steht dieser jetzt im „falschen“ Seefeld :-( Wir organisieren gerade den Rücktransport."

Vom Schmunzel-Posting zum Medien-Hype

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, bis Sonntag-Abend, da berichtete RTL aktuell kurz vor 19 Uhr noch von der Irrfahrt. Da hatte die Olympiaregion Seefeld die Aufklärung schon via facebook gepostet: "Das große Märchen der kleinen Seefelder Pistenraupe. Wie es eine kleine Pistenraupe in die große, weite Medienwelt geschafft hat. Was als Social Media-Geschichte zum Schmunzeln geplant war, entwickelte sich zu einem unglaublichen Medienhit. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden die bis zum heutigen Tag der Geheimnislüftung durchgehalten und Stillschweigen bewahrt haben. Am Ende der Geschich‘t, bleibt ein Lächeln im Gesicht." Die deutsche Presseagentur und nicht nur die lächeln nicht, Klagen wurden angekündigt.

Verband und Gemeinde nicht eingweiht?

"Es war wirklich nur eine eigene Social-Media-Geschichte", erklärt Walser. Er musste dieses Märchen tagelang am Leben lassen, musste dafür auf Medien-Anfragen Lügen verbreiten. Medienvertreter sind verärgert, Walser versteht das: "Dass es solche Ausmaße annimmt, habe ich nie gedacht. Es war anders geplant, als reiner Social-Media-Gag. Plötzlich haben Medien bei uns Sturm geleutet, jeder wollte diese Geschichte bringen." Weder der Tourismusverband-Vorstand noch der Seefelder Bürgermeister waren in die Sache eingeweiht, erklärt Walser am Montag. Ist das wahr? TVb-Obmann Alois Seyrling sagt: "Ich habe es nicht gewusst."
Walser und sein Team hielten bis Sonntag, 27.11., dicht: "So etwas macht man nur einmal, es war das erste und das letzte Mal."

Mindestens 30.000 Euro Produktionskosten

Trotz viel Gratis-Werbung in Deutschland - ganz gratis kommt der TVb Seefeld nicht davon. Eine Rechnung gibt es ganz sicher: "Die Fahrtkosten nach Norddeutschland machen etwa 7.000 € aus, insgesamt kostet das Ganze etwa bis zu 30.000 €", rechnet Walser vor. Das ist wenig Geld für diese Werbung, die schlussendlich für Seefeld entstanden ist, ist man sich in Seefeld großteils einig.
Geblieben ist eine unbezahlbare Werbung für den Tiroler Wintersportort, so sehen viele Seefelder das Ende des Märchens. Was dieser Fake den Verantworlichen nun wirklich bringt, zeigen diese Tage. Am Montag wurden Klagen von mehreren Medien angekündigt.
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