27.11.2016, 14:34 Uhr

Wie es sich anfühlt eine Eisbrecherin zu sein

Bitte lächeln! Fast geglückt ;-) Am Ende der zweiten Tragepassage, kurz vor dem Ziel. (Foto: Tom Bause)

Allein unter hautengen Rennanzügen: Der "Kitzsteinhorn Schneekönig", mein erstes Skitourenrennen - eine Reportage von Theresa Kaserer

ZELL AM SEE-KAPRUN (tres). Jetzt tanzen wir eine Polonaise: Von der Skyline Bar des Alpincenters am Kitzsteinhorn hinaus ins Freie, über die Tische und Sitzbänke. Und sogar die eigentlich Après Ski-geeichten Skifahrer schauen uns stirnrunzelnd zu. Die Polonaise, bezeichnenderweise auch "Hopfentanz" genannt, endet wieder an der Bar.

Wir sind die Skibergsteiger. Und wir feiern, weil wir heute schon ein bisserl was geleistet haben. Wir haben am "Kitzsteinhorn Schneekönig"-Skitourenrennen teilgenommen. Zuerst haben wir uns untereinander gematcht und jetzt feiern wir zusammen. Die Stimmung ist gewaltig.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Die Polonaise ist noch in weiter Ferne als ich mir die Tourenski auf den Rucksack schnalle und in die erste Tragepassage einsteige. Na bravo, da habe ich mir etwas angefangen. Normalerweise liebe ich das Skitourengehen mit ein paar Freunden und genieße dabei die Stille, besonders im freie Gelände.

Und jetzt hechle ich einer sportlichen Meute von hauptsächlich Profiskibergsteigern hinterher, die in diesem Winter, der noch nicht einmal angefangen hat, schon mehrere tausend Höhenmeter auf ihren Skiern absolviert haben.
Wie viele es bei mir in dieser Saison waren? Keine Ahnung. Ich besitze zwar eine Sportuhr, aber die liegt meistens am Nachtkastl. Das ist mein erstes Skitourenrennen.

"Hopp, hopp, auf geht's! Gleich bist du oben!", schreit mir ein freundlicher Streckenposten zu. "Nein, ich geh die lange Strecke", antworte ich: "Ich hab schon noch was vor mir." Und wünsche ihm einen schönen Tag.

Streckenposten sind auch Menschen

Ich glaub, Streckenposten freuen sich, wenn man mit ihnen redet. Weil die meisten Skibergsteiger reden nämlich bestimmt nicht viel mit ihnen. Da geht es um jede Sekunde, die man schneller oben ist als der andere.

Bei mir ist das wurscht. Bei mir geht es um nichts. Nur um den Spaß, um das Erlebnis. Und darum, mal etwas Neues auszuprobieren. Ich gehe gemeinsam mit Christina Geyer, einer Freundin vom Magazin "Bergwelten", mit, weil ich finde, dass es gut ist, wenn man ab und zu ein Ziel hat, wo man sich mal richtig körperlich auspowern muss. Außerdem sind die Bezirksblätter beim "Kitzsteinhorn Schneekönig" Medienpartner und unser Motto lautet "Einfach näher dran". Und das muss man schließlich auch aktiv leben.

Gut. Die Tragepassage ist erledigt. Die Hälfte des Rennens habe ich hinter mir.

Hawaii-Girlanden gibt es auch im Pinzgau

Rückblick. Gestartet bin ich, nach letzten Anweisungen von HP Kreidl und Ole Zimmer vom Organisationsteam skitourenwinter.com, mit 248 gemeldeten Startern am Langwiedboden auf 1.976 Metern Höhe. Die habe ich gleich mal vorauslaufen lassen. Man erkennt "die" an den engen Rennanzügen. Und das sind die meisten hier. Also so ziemlich eher Profis.

Aber: "Aha, du gehörst also auch mehr zur Après Skitouren-Fraktion!", hat mich mein Nachbar Uli Gerl beim Start in der letzten Reihe angelacht. Er trägt eine Hawaii-Blumengirlande um den Hals: "Wir sehen uns im Alpincenter!"

Am Ende der ersten Tragepassage wäre das Ziel der„Schneekönige“. Bis dorthin hat man die 474 Höhenmeter bis zum Alpincenter überwunden. Und hier treffe ich den Streckenchef René Fischer: "Und? Hörst du auf oder geht's weiter?"
Ich überlege kurz. Aufhören klingt verlockend. Aber wenn schon, denn schon: "Nein, ich gehe ganz rauf!", sage ich, ziehe mir die Ski wieder an und ... verlaufe mich. Das ist typisch für mich.

Händchenhalten auf der Strecke

"Halt, zurück, hier geht's lang!", ein Streckenposten nimmt mich an der Hand und führt mich über die Piste, wo die Strecke weiter markiert ist.
Die lange Distanz, die Skitourenstrecke „Eisbrecher“, führt von hier aus weiter bis zur Bergstation des Maurerlifts. Also auf zu 425 weiteren Höhenmetern! Aber zuerst wird Heribert Entacher vom Organisationsteam umarmt. Man kennt sich. Und so viel Zeit muss sein.

Jetzt bemerke ich, dass ich ziemlich allein unterwegs bin. Die, die hinter mir waren, gehen nur die kurze Distanz. Und es wird steil. Und es wird steiler. Und die Luft am Gletscher wird dünner.

Aber da ist auch Bergführerin Maria Kirchner, die an der Strecke steht und schaut, ob es eh noch allen gut geht. Schon lang nicht mehr gesehen! Umarmen, ein paar Sätze reden, eh schon wissen ... so viel Zeit muss sein.

Merke: Kein Schnaps kurz vor dem Ziel!

Endlich die zweite Tragepassage! Nicht, weil das so lustig ist, sondern weil ich weiß, jetzt ist es gleich geschafft. Also wieder die Ski auf den Rucksack und Schritt für Schritt hinauf.
"Servus und hoppauf!", ruft mir Harry Lochner von skitourenwinter.com von oben zu. Oben angekommen heißt es "Bitte lächeln!", denn Fotograf Tom Bause knipst fleißig. Wie ich später sehe, ist mir das Lächeln nicht geglückt.

Ich habe Durst, die Lippen sind trocken. Mir wird ein Flachmann hingehalten. Eh klar trinke ich da einen Schluck. Oha, der brennt! Das ist ein guter. Ski wieder anziehen und die letzten paar Meter hinein ins Ziel.
Merke für das nächste Mal: Schnaps kurz vor dem Zieleinlauf ist keine gute Idee. Der brennt lang und man bekommt noch schwerer Luft. Das machen wir beim nächsten Mal nicht mehr, denke ich mir. Ok, wahrscheinlich trotzdem wieder. Aber he, ich habe "beim nächsten Mal" gedacht!

Mein Zieleinlauf erfolgt nach 1:30:31,80 Stunden, 32 Minuten nach der verdienten und strahlenden Siegerin Johanna Erhart. Sieger Philippo Beccari war schon nach 44:02,10 Minuten oben. Aber auch ich bin glücklich und zufrieden mit meiner Leistung. Und jetzt ab zur Polonaise ...

Alle Infos und Ergebnisse und mehr Fotos zum Kitzsteinhorn Schneekönig gibt es hier.
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