19.09.2014, 11:14 Uhr

Prozess um Silvesterrauferei in Tulln

Richter Slawomir Wiadererk vertagte den Prozesse: Viele Fragen blieben offen. (Foto: Probst)
BEZIRK TULLN. „Ich hab ausg´schaut wie ein Boxer nach der neunten Runde“, erklärte ein Unternehmer als Zeuge am Landesgericht St. Pölten. Für ihn begann 2014 mit einer Massenschlägerei vor zwei Lokalen in Tulln, bei der er eigentlich nur verhindern wollte, dass die Streithähne weiter auf der Motorhaube seines Fahrzeuges kämpften.
„Zwei Männer haben meinen Mann gehalten und ein dritter hat auf ihn eingeschlagen“, berichtete die Ehefrau des Opfers, die sich die Feier zu Silvester in einem der beiden Lokale auch anders vorgestellt hatte.

Gegenüberstellung brachte eindeutiges Ergebnis

Der beschuldigte Schläger, ein 26-jähriger Kroate, wurde bei der ersten Einvernahme des Ehepaares anhand von Fotos nicht identifiziert. Einige Wochen später kam es zu einer Gegenüberstellung und „… da war ich mir hundert Prozent sicher, dass der Angeklagte mir die Verletzungen zugefügt hat“, gab das Opfer mehrmals zu Protokoll. Befremdet war das Ehepaar aber vor allem von der Reaktion der anderen Gäste im Lokal, die sie heftig beschimpften, sie als ausländerfeindlich und Nazis bezeichnet haben sollen.
Vor Gericht fügte der Unternehmer hinzu, dass er nach der Auseinandersetzung von dem Kroaten noch mit der Faust bedroht und vor dessen mafiosen Leuten in Ex-Jugoslawien gewarnt worden sei. Staatsanwalt Karl Fischer überlegte daher, die Anklage gegen den Kroaten noch weiter auszudehnen.

Angeklagter wollte "nur schlichten"

Der Beschuldigte selbst bestritt vehement, jemanden geschlagen zu haben. Er sei aufgrund des Tumults vor dem Lokal, an dem mehr als 20 Personen beteiligt gewesen seien, hinaus und habe eigentlich nur schlichten wollen, bevor er selbst einen Schlag abbekommen habe. Wo er dabei seinen schwarzen Rucksack, der den Belastungszeugen besonders aufgefallen war, gelassen habe, wisse er nicht mehr. Viele offene Fragen ließen Richter Slawomir Wiaderek den Prozess vertagen.
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