Auch in Kärnten
Immer mehr Autismus-Diagnosen
- Birgit Bierbaumer, Leiterin von Inklusion Kärnten, mit Andreas Mühlberger in der Villacher Beratungsstelle.
- Foto: Birgit Gehrke
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Herausfordernd auch für Schulen. MeinBezirk sprach darüber in Villach mit Experten von Inklusion Kärnten.
VILLACH. Noch um die 2000er-Jahre gingen Experten davon aus, dass rund 0,7 Prozent der Bevölkerung vom Autismus-Spektrum (ASS) betroffen sind – etwa eine Person von 150. Heute geht man weltweit bereits von zwei bis drei Prozent aus, das entspricht etwa einer von 35 Personen. Auch in Kärnten zeigt sich dieser Trend. „Die Zahlen haben sich in den letzten Jahren verdoppelt bis verdreifacht – das ist nicht nichts“, sagt Birgit Bierbaumer, Leiterin von Inklusion Kärnten. Gründe dafür seien vielfältig: Zum einen werde Autismus heute besser erkannt, auch weil es mehr spezialisierte Stellen zur Diagnosestellung gebe. Zum anderen sei das Bewusstsein in der Gesellschaft deutlich gewachsen. „Früher lag der Fokus stark auf Buben. Heute weiß man, dass Mädchen und Frauen oft anders betroffen sind und ihre Symptome maskieren, weshalb sie lange Zeit unentdeckt bleiben."
Spätere Diagnosen
Neben Kindern und Jugendlichen kommen auch immer mehr Erwachsene zu einer späten Diagnose, oft nach Jahren mit Fehldiagnosen oder weil sie lange Strategien entwickelt haben, ihre Schwierigkeiten zu überspielen. „Doch irgendwann geht es nicht mehr, und dann ist es oft eine große Erleichterung, endlich die richtige Diagnose zu haben“, so Bierbaumer.
Inklusion im Schulalltag
Mit der Zunahme an Diagnosen stehen auch Schulen vor neuen Herausforderungen. „Schon rein statistisch sitzt heute in fast jeder Klasse ein Kind mit Autismus-Spektrum-Störung“, erklärt Andreas Mühlberger, er beratet auch am Standpunkt in Villach. Doch wie können diese Kinder bestmöglich unterstützt werden? Die Bildungsdirektion Kärnten setzt auf mehrere Maßnahmen: Kinder mit ASS-Diagnose erhalten Schulassistenzen – qualifizierte Fachkräfte, die je nach Schulstufe 15 bis 20 Wochenstunden Unterstützung leisten. Zudem gibt es ein „Mobiles Beratungsteam“ mit vier Experten, die Schulen beim Umgang mit betroffenen Kindern begleiten. „Einige Kinder brauchen eine ständige Begleitung, andere profitieren von einzelnen Coaching-Gesprächen nach dem Unterricht“, sagt Bierbaumer. Wichtig sei es, individuell auf die Bedürfnisse einzugehen. Dazu gehören etwa Ruhebereiche in den Pausen, visuelle Hilfen im Unterricht oder ein klar strukturierter Tagesablauf. Auch die Sensibilisierung von Lehrkörpern und Mitschülern spielt eine große Rolle. „Wenn eine Klasse lernt, Rücksicht zu nehmen – etwa bei Geräuschempfindlichkeit – profitieren nicht nur die autistischen Kinder, sondern alle“, so Mühlberger. Für Bierbaumer ist vor allem eines entscheidend: Verständnis. „Autismus ist eine andere Art zu denken, zu handeln und zu empfinden."
In Villach ist die Beratungsstelle der Inklusion Kärnten im ehemaligen Parkhotel zu finden.
Auch in Spittal gibt es eine Beratungsstelle:
Praxis Auenweg, Auenweg 28
Ansprechperson: Lic. Adina Petruti M., 0676/6769196
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