Eberndorf – Interview der Woche mit Johannes Tomic
Bioqualität ist seine Lebenseinstellung

Johannes Tomic (rechts) gemeinsam mit seinem Sohn David. | Foto: Foto: Biohof Tomic
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Produkte in Bioqualität gehören für viele bereits zum Alltag. Vor über 30 Jahren war das anders: Johannes Tomic aus Buchbrunn, Marktgemeinde Eberndorf, wagte den Schritt in die biologische Landwirtschaft, als Bioprodukte noch nicht auf der Tagesordnung standen. Im Interview erzählt der Biolandwirt über seine Anfänge, Hürden und Erfolge.
EBERNDORF.  Was mit vielen Unsicherheiten begann, baute Johannes Tomic zum Vorzeigebetrieb auf: mit eigener Mühle, Brotbackstube, artgerechter Schweinehaltung und einer Soja-Verarbeitungsanlage, die er mit 15 Bauern in Gemeinschaft errichtete – der erste Kärntner Betrieb, der Biosoja im Land selbst herstellt. Heute leitet er den Biohof gemeinsam mit seinem Sohn David.

MeinBezirk: Herr Tomic, Sie haben bereits 1993 den Grundstein für die biologische Landwirtschaft gelegt. Was war damals Ihr persönlicher Auslöser?

Johannes Tomic: Ich habe die landwirtschaftliche Matura, den Agraringenieur, in der Steiermark gemacht und war im Begriff den Hof meiner Eltern zu übernehmen. Damals machte ich mir viele Gedanken: Wohin geht die Zukunft? Die Perspektiven für Kleinbauern in Österreich waren alles andere als rosig – wirtschaftlich als auch ökologisch. Die sinkenden Preise am Weltmarkt machten vielen Sorgen. Zu dieser Zeit begannen Diskussionen über den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft, denn das Grundwasser wies vermehrt Belastung auf. Immer mehr Menschen litten an Allergien gegenüber Lebensmitteln, wie zum Beispiel Weizen. Das erste Umdenken in der Landwirtschaft fand schon damals statt.

Was waren damals die größten Hürden und was hat Sie am meisten stolz gemacht?

Johannes Tomic: Von einigen Seiten wurde man doch belächelt. Landwirtschaft ohne Dünger war kaum vorstellbar. Als konventioneller Betrieb bauten wir viel Körnermais an. Das konnten wir als Biobetrieb vergessen, da wir den Dünger nicht mehr einsetzten. Wir stellten vermehrt auf Getreide um. Zuvor verkauften wir unsere Ernte an das örtliche Lagerhaus. Als wir auf Bio umstellten, fiel auch das weg. So begann die Vermarktung ab Hof. Wir begannen im ganz kleinen Stil unser Getreide selbst zu verarbeiten. Eine weitere Umstellung war unsere Schweinehaltung. Früher verkauften wir an Mastbetriebe, auch das endete mit der Umstellung. Ich habe mich viel mit der Schweinehaltung beschäftigt, Bücher gelesen und letztendlich den Stall umgebaut. Die Schweine hatten viel mehr Platz und konnten ihre Instinkte ausleben. Man bemerkte richtig, dass die Tiere eine Freude haben und das machte mich auch froh. Anfangs musste ich noch bei anderen Bauern arbeiten, um genug Geld zu verdienen. Irgendwann zahlte sich die harte Arbeit aus: Etwa zwei, drei Jahre nach der Umstellung auf Bioqualität kamen immer mehr Menschen an unseren Hof, um Brot zu kaufen. Ich wusste nicht, woher der plötzliche Andrang kam. Mir wurde später erzählt, dass ein praktizierender Arzt in Sittersdorf unser Brot empfahl, da es sich gut für Weizenallergiker eignen würde. Das war wie Balsam auf der Seele.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten?

Johannes Tomic: Am meisten gefällt mir die Arbeit auf den Äckern. Das ist meine Leidenschaft.

Das Klima setzt den Landwirten zu. Es gibt viele Hitze- und Trockenperioden. Wie gehen Sie damit um?

Johannes Tomic: Den Boden resilienter machen und die Fruchtfolge anpassen. Wir setzten vermehrt auf Wintergetreide. Ich versuche, in der Zeit der größten Trockengefahr weniger Pflanzen am Feld zu haben und das Risiko zu streuen.

Welchen Rat würden Sie einem jungen Landwirt geben, der voller Zweifel vor der Zukunft steht?

Johannes Tomic: Ratschläge sind schwierig. Mir persönlich hat der biologische Landbau eine starke Perspektive gegeben und ich bin glücklich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Es freut mich, wenn junge Landwirte ihren eigenen Weg gehen und das umsetzen, was ihnen gefällt. Finde deinen Weg. Ich glaube, damit hat die Landwirtschaft eine große Zukunft – auch in den nicht leichten Zeiten.

Johannes Tomic (rechts) gemeinsam mit seinem Sohn David. | Foto: Foto: Biohof Tomic
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