31.10.2016, 14:47 Uhr

Von der Idee zum Bühnenbild

Oberperfuss: Peter Anich Haus | Wir freuen uns über das Interview mit Harald Lechner, der wieder für das Bühnenbild der Volksbühne Oberperfuss verantwortlich zeichnet. Heuer spielen wir ja die Uraufführung von “Peter Anich“ , geschrieben von Johanna Obojes-Rubatscher, ein Theaterstück über den Tiroler Geodäten und Kartografen. Seine Werke, besonders der 1774 veröffentlichte Atlas Tyrolensis, zählt zu den genauesten Landkarten ihrer Zeit. Peter Anich, der wegen seiner bäuerlichen Herkunft häufig als “Bauernkartograf“ bezeichnet wird, wurde darüber hinaus auch als Astronom sowie Konstrukteur von Sonnenuhren und Globen bekannt.

Ist “Peter Anich“ ein Stück, das dich persönlich anspricht?

Harald: Natürlich! Geschichte interessiert mich ja generell! Über Peter Anich wusste ich bislang allerdings nur sehr wenig bis gar nichts, daher war es für mich auch ein Bedürfnis, mehr über ihn zu erfahren.

Womit beginnst du, wenn du ein neues Bühnenbild entwirfst?

Harald: Ich lese zuerst natürlich das Skriptum und unterhalte mich mit dem jeweiligen Regisseur, um das Gespielte zeitlich und örtlich einordnen zu können. Anschließend lese ich das Stück nochmals und notiere mir die wichtigsten Eckdaten. Dabei schießen mir in der Regel schon die ersten Ideen durch den Kopf ... Um mich aber wirklich optimal mit dem Stück auseinander zu setzen, komme ich nicht darum herum, viel nachzulesen und im Internet zu recherchieren, um einen Einblick in die jeweiligen verschiedenen zeitl. Epochen, Bautechniken, Wohnstile und Gepflogenheiten zu bekommen.

Wie lange dauert es, bis ein Bühnenbild fertig ist?

Harald: Etwa ein halbes Jahr vor den Aufführungen beginne ich, Skizzen zu machen, die sich allerdings immer wieder noch verändern können, bis ich zufrieden bin. Dann entwerfe ich ein maßstabgetreues Modell, um die Wirkung von Raum, Farben und Texturen zu testen. Dieses Modell präsentiere ich dann in einer Ausschusssitzung den Kollegen im Vorstand und dem Regisseur. Ca. zwei Monate vor der ersten Aufführung beginnt der eigentliche Bühnenbau, der sich allerdings oft noch über Wochen zieht.

Was muss ein gutes Bühnenbild haben?

Harald: Ich finde, ein gutes Bühnenbild sollte den Schauspielern eine ordentliche Plattform zum Spielen bieten, das Theaterstück in einen Rahmen setzen und den Zuschauer für ein zwei Stunden in eine andere Welt entführen. Im Optimalfall geht der Vorhang auf und der Zuschauer ist sofort gefesselt von der neuen Welt auf der Bühne und vergisst seinen Alltag vor der Tür.

Woher kommen die Ideen für deine Bühnenbilder?

Harald: Eigentlich von überallher! Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und habe ein Ideenbüchlein, wo ich meine Inspirationen notiere. Ein Museumsbesuch kann dabei genauso anregend sein, wie ein Spaziergang durch den Wald oder ein Buchumschlag...

Natürlich wollen wir nicht allzu viel vom Bühnenbild von “Peter Anich“ vorwegnehmen, aber kannst du uns verraten, worauf wir uns in etwa freuen können?

Harald: Heuer habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, klassische Räume auf die Bühne zu bringen. Es war mir sehr wichtig, dem Stück Aktualität durch modernere Aspekte zu verleihen. Daher gibt es keine Bauernstube, sondern eine Bergkette mit verschneiten Gipfeln über einem neun Meter langen orangefarbigen/rostigen Käfig, der die Gefangenheit der Figuren in ihrer einfachen und ärmlichen Lebenslage zu dieser Zeit unterstreicht.

Wie fühlt man sich, wenn ein Stück, bei dem du das Bühnenbild entworfen hast, das erste Mal aufgeführt wird?

Harald: Ich bin dabei genauso aufgeregt, wie die Schauspieler. Lampenfieber habe ich natürlich auch, weil die erste Reaktion der Zuschauer auf das Bühnenbild für mich sehr sehr spannend ist.

Deine Werke haben ein Ablaufdatum, landen im Fundus oder werden zerstört. Schlimm?

Harald: Überhaupt nicht! Ich freue mich beim Abriss jedes Mal schon wieder auf das nächste Stück und die damit verbundene neue Herausforderung!

Wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, hast du Träume, die du noch gerne verwirklichen würdest oder wofür würdest du gerne einmal ein Bühnenbild kreieren?

Harald: Für mich wäre es natürlich schon mal eine Herausforderung, bei einem Großprojekt mitzuwirken, wie zum Beispiel einem Bühnenbild im Kellertheater oder im Tiroler Landestheater...

Danke für das Interview

Das Interview führte Sabine Heis, Obfrau Volksbühne Oberperfuss.
Alle Infos über Termine, Stück und Schauspieler unter www.volksbuehne-oberperfuss.at
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