Die Walpurgisnacht der Burschenschaft Hysteria: Das Fest der "Scheide aus Stahl"
- Die Burschen stimmten die Hymne der Hysteria an und verbrannten später ihre Wünsche an das Matriarchat in einer glühenden Scheide aus Stahl.
- Foto: Burschenschaft Hysteria
- hochgeladen von Elisabeth Schwenter
Die Hysteria lud zur Walpurgisnacht-Feier. Die bz durfte die Burschen exklusiv bei ihren Gesängen und Ritualen begleiten.
WIEN. Der Glaube an böse Hexen ist wohl so alt wie das Patriarchat selbst. Und die Walpurgisnacht, die letzte Nacht vor dem 1. Mai, gehört, so sagt man, den Hexen - und der Burschenschaft Hysteria. Vor einigen Tagen fand man auf der Facebook-Seite der Hysteria eine Ankündigung: "Matriarchat, entfache!" schrieb die, laut eigenen Angaben, älteste Burschenschaft Österreichs und lud zum Fest am 30. April. Das Reglement war eindeutig: Anmeldungen an die Hysteria, Männer nur in Begleitung von Frauen.
Neue Donau - Grillplatz Nummer 8
"Wir wollen ein gemütliches und respektvolles Miteinander", hieß es aus der sogenannten "Sektion Propaganda" der Hysteria am Nachmittag der Walpurgisnacht am Grillplatz an der neuen Donau. Man habe daher den Ort erst in der Nacht bekanntgegeben, um zu vermeiden, dass Männer kommen, die stören. Zwei ausgewählte Männer durften anwesend sein: "Die Burschenschaft Hysteria sucht für ihr traditionelles Walpurgisnachtfest tüchtige, warmherzige Männer, die ihre naturgegebenen Talente zur Kinder- und Buffetbetreuung als Praktikant im Dienste des Matriarchats stellen wollen", ließen die Burschen der Hysteria nämlich einige Tage vor der Feier ebenfalls über Facebook wissen.
Zwei "Kellner und Onkel", also Männer, die auf die Kinder aufpassen sollten, seien ausgewählt worden, so die Hysteria. "Ich bin sehr froh, dabei sein zu dürfen", erzählt einer der beiden Kandidaten. Er sei ob der Zusage der Hysteria sogar etwas überrascht gewesen: "Meine Bewerbung war kurz. Ich habe geschrieben, dass ich Erfahrung in der Kinderbetreuung und im Service habe und ein Foto von mir mitgeschickt. Das hat zum Glück funktioniert. Ich wurde dann in der Nacht von Sonntag auf Montag informiert, dass ich dabei sein darf." Männer durften als Gäste der Veranstaltung, so schrieb es die Hysteria vor, nur in Begleitung einer Frau an dem Fest teilnehmen.
Ein Altar mit Totemtieren aus Ton, ein Grillplatz, Decken in den Farben Rot und Schwarz, jede Menge Bier und Wein und fröhliche Burschen empfingen im Laufe des Nachmittages die Gäste. Rund 80 Personen sollten es werden.
Die Scheide aus Stahl
Das Patriarchat stehe seit dem Herbst 2016 in den letzten Zügen und der heutige Tag ganz im Zeichen der Entfachung, so die Wichsmeisterin der Hysteria. Der Ansprache folgte ein großer Augenblick: Die Scheide aus Stahl wurde auf den glühenden Rost gelegt und damit zum ersten Mal feierlich eingeweiht. Rund 50 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit ist das Kunstwerk aus Eigenproduktion der Hysteria. Das Ritual zur Walpurgisnacht wurde bei Sonnenuntergang gefeiert: Die Burschen stimmten mit brennenden Fackeln die Hymne der Hysteria an und verbrannten ihre Wünsche an das Matriarchat in der glühenden Scheide aus Stahl. Alle weiblichen Gäste waren eigeladen, ihre Wünsche ebenfalls zu verbrennen.
Verwarnung und Rauswurf
Das Einzige, das die Burschen bei der Hysteria-Walpurgisnachtfeier ein wenig störte, waren zwei Männer, die die Ordnerinnen Hysteria jedoch schnell in ihre, wie sie es nennen, "naturgegebenen Grenzen" zurückwiesen. Ein Gast etwa wurde darauf hingewiesen, dass er zu viel redete - man wolle keine sogenannten "Mansplainer" - also Männer die glauben, alles erklären zu müssen - bei der Feier, so die Hysteria. Ein anderer wurde eindringlich aufgefordert, die Feier zu verlassen: Sein Verhalten sei unangenehm und unpassend gewesen, hieß es. "Generell sollten Frauen in Männergesellschaft die Größe besitzen, auf Themen einzugehen, die Herren interessiert. Mode, Kosmetik, Handarbeit oder Backen. Komplizierte Themen wie Politik oder Wirtschaft sollten zum Wohl der Männer vermieden werden. Zum Schutz des sensiblen männlichen Gemüts ist es bisweilen nötig, Unterhaltungen auch abzubrechen", so die Hysteria zur Rolle des Mannes.
Über die Hysteria
Gegründet wurde die Burschenschaft, laut eigenen Aussagen, im Jahr 1810. Die Burschenschaft fordert das Matriarchat und den „Schutz der Männer“, will das Männerwahlrecht einschränken und tritt für eine Frauen- und Transgenderquote von 80 Prozent in öffentlichen Ämtern ein. Außerdem fordern Mitglieder den aktiven Vaterlandsverrat. Zuletzt erhielt die Hysteria den mit 100.000 Euro dotierten "shift"-Förderpreis der Stadt Wien. Die genaue Anzahl der Mitglieder der Hysteria erfährt man nicht, auch das Aufnahmeritual bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Zur Zeit jedenfalls würden keine neuen Mitglieder aufgenommen, erfährt man aus der Abteilung Propaganda. Anfragen gebe es jedenfalls genug.
Am 21. Jänner demonstrierte die Hysteria übrigens in der Wiener Innenstadt mit über 700 Teilnehmern.
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