Neue Studie: So tickt Österreichs Jugend

Für einen "Jugend-Trend-Monitor" wurden 3.115 Jugendliche im Alter von 17 bis 29 Jahren zu fünf großen Themen befragt. Nun wurden die Ergebnisse, die im Sommer eigeholt wurden, veröffentlicht.
  • Für einen "Jugend-Trend-Monitor" wurden 3.115 Jugendliche im Alter von 17 bis 29 Jahren zu fünf großen Themen befragt. Nun wurden die Ergebnisse, die im Sommer eigeholt wurden, veröffentlicht.
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  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

WIEN. Was bewegt Österreichs Jugendliche? Wie stehen Sie zu EU, Integration und Elektroautos? Wen wählen sie bei der Nationalratswahl am 15. Oktober und wo verbringen sie ihren Urlaub? Das digitale Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Marketagent.com aus Baden hat für einen "Jugend-Trend-Monitor" 3.115 Jugendliche zwischen 17 und 29 Jahren zu alltäglichen und politischen Themen befragt - mit einem überraschendem Ergebnis. Die Jugendlichen sind konservativer als gedacht, verbringen ihren Urlaub am liebsten in Österreich, fahren mit einem herkömmlichen Taxi statt den Dienst von "Uber" in Anspruch zu nehmen und wählen Sebastian Kurz und die FPÖ.

Diese Ergebnisse präsentierte das Institut am Dienstag, die Interviews wurden online allerdings bereits im Zeitraum von 7. Juni bis 10. Juli durchgeführt. 51 Fragen zu den fünf Themenbereichen Europäische Union, Integration, Auto & Mobilität, Bargeldlose Gesellschaft und Mobile Payment sowie Tourismus und Reisen gestellt. Die Befragten waren zu 50,8 Prozent männlich, zu 49,2 Prozent weiblich. Der  Bildungsstandard wurde gemischt gehalten. So hatten 35,8 Prozent zum Zeitpunkt des Interviews die Allgemeine Pflichtschule absolviert, 31,2 Prozent eine Lehre oder Fachschule beendet und 33 Prozent die Matura abgelegt oder können einen Universitätsabschluss vorweisen. 

Hier die Ergebnisse im Detail:

• Europäische Union
Der Union stehen die jungen Österreicher sehr positiv gegenüber: Jeder Zehnte fühlt sich als Europäer; am meisten in Tirol (59,5 Prozent), das Schlusslicht bildet Wien: Hier bezeichnen sich nur 24,3 Prozent der Befragten als Europäer. Auch der Euro findet Anklang: Sechs von zehn Personen stehen dem Euro positiv gegenüber. Interessant: Männer sind mehr überzeugt von der Währung als Frauen und die Begeisterung nimmt mit steigendem Alter deutlich ab. Bewerteten 83,6 Prozent der 14 bis 19-Jährigen den Euro mit sehr und eher positiv, zeigten sich nur noch 42,2 Prozent der 25 bis 29-Jährigen vom Euro überzeugt.

Bei den Vorteilen, die die EU ihren Mitgliedern bietet, liegt die Reisefreiheit für jeden EU-Bürger uneinholbar vorne (64,3 Prozent). Auch die freie Wahl des Wohn-, Studien- oder Arbeitsorts innerhalb der EU ist für 46,1 Prozent der Befragten ein wichtiger Pluspunkt. Als Nachteil der Mitgliedschaft werden Konkurrenzdruck auf kleine Unternehmen und Bauern als auch die Nichtberücksichtigung der Individualität der einzelnen Länder genannt.

Auch bei den Erwartungen an die EU sind sich Österreichs Jugendliche einig: Bekämpfung von Terrorismus und klare Lösungen in Sachen Einwanderungspolitik führen die Erwartungsliste an die Union an. Dass diese auch in zwanzig Jahren noch in der aktuellen Form existiert, steht für 70 Prozent der Interviewten fest.

Ebenfalls fest steht für die Jugend, dass die Türkei nicht der EU beitreten soll: Acht von zehn Personen sprachen sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus, drei von vier sind für einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen. Auch für den Brexit hat die Jugend Verständnis, hier sprechen sich mehr als jeder fünfte Jugendliche für den Austritt Großbritanniens aus der EU aus. 

In diesem Block wurde auch die Frage gestellt, welche Partei die Befragten wählen würden, wäre heute Nationalratswahl. Hier haben ganz klar die Liste Sebastian Kurz/ÖVP (24 Prozent) und die FPÖ (23,9 Prozent) die Nase vorn, die SPÖ würden nur 13,1 Prozent wählen. Das Schlusslicht bildet das Team Stronach (0,5 Prozent) - zum Zeitpunkt der Umfragen noch als Kandidat für die Wahl behandelt und de NEOS mit 6,1 Prozent.

• Integration:
Ein schlechtes Zeugnis stellten die Jugendlichen der Integration aus: Nur 14 Prozent bewerten die Integration als positiv, am ehesten traut man Sebastian Kurz (20,4 Prozent) die besten Konzepte für eine erfolgreiche Integration zu. Die Grünen hingegen können nur 13,8 Prozent der Befragten mit ihren Maßnahmen überzeugen. Die österreichische Bevölkerung kann laut der Jugend am besten dazu beitragen, Migranten zu integrieren. Auf Tipps von bekannten Persönlichkeiten kann hingegen verzichtet werden: Nur 6,2 Prozent halten den Beitrag von Promis für eine Integration für wichtig.

Bei den Werten, die Migranten nach Österreich mitbringen müssen, geben 66,8 Prozent Respekt an. Weit abgeschlagen mit 37,7 Prozent verlangt die Jugend Sinn für Gleichberechtigung und 37,1 Prozent legen Wert auf mitgebrachte Toleranz.

• Auto & Mobilität:
Einen Führschein zu haben ist für die 75 Prozent der Befragten sehr wichtig, ein eigenes Auto für 41,7 Prozent. Natürlich sticht der Unterschied zwischen Stadt und Land enorm ins Auge: In Wien ist der PKW-Führerschein nur 59,4 Prozent wichtig,ein eigenes Auto zu besitzen überhaupt nur 32 Prozent. Obwohl zwei von drei Jugendlichen Elektroautos positiv gegenüber stehen, wird bevorzugt zu Diesel als Kraftstoff gegriffen (40,4 Prozent). Bei den Elektroauto-Befürworter fällt eine starke geschlechtliche Uneinigung auf: 71,6 Prozent der männlichen Befragten findet ein E-Auto top, während sich nur 63,1 Prozent der weiblichen Jugendlichen für diese Autoart begeistern können.

Einem Carsharing stehen mehr als die Hälfte positiv gegenüber. Auch hier gibt es einen massiven Unterschied zwischen Frauen und Männern: 55,4 Prozent der Frauen stehen dieser Art der Fortbewegung positiv gegenüber, Männer hingegen nur 48 Prozent. Die Begeisterung nimmt mit fortschreitendem Alter ab: Bewerteten 58,9 Prozent der 14 bis 19-Jährigen ein Carsharing für sehr/eher positiv, können sich nur mehr 44,6 Prozent der 25 bis 29-Jährigen dafür begeistern. Auch in Sachen Taxi werden deutliche Antworten gegeben. Zwar finden mehr als die Hälfte das Angebot von "Uber" attraktiv, jedoch wird das herkömmliche Taxi bevorzugt - überhaupt in Wien. Hier steigen 52,3 Prozent der Befragten in ein "normales" Taxi ein.

• Bargeldlose Gesellschaft und Mobile Payment
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen zahlt bar und nur 28,7 Prozent mit Bankomatkarte. Dafür, dass bar gezahlt wird, sind die Jugendlichen mit einem schmalen Geldbörserl unterwegs: Im Durchschnitt hat jeder der Befragten 35 Euro Bargeld bei sich. Die NFC-Technologie wird nur von 38,9 Prozent genutzt, Mobile Payment findet mehr als jeder Vierte gut. Ebenfalls jeder Vierte kann sich Österreich als bargeldlose Gesellschaft vorstellen, begrüßen würden das 20 Prozent mit dem Vorteil, sowohl kein Falschgeld als auch falsches Wechselgeld erhalten zu können. Als Nachteil geben 67,6 Prozent an, bei technischen Defekten keinen Zugriff auf das eigene Geld zu haben. Auch an ältere Personen wird gedacht: 65,4 Prozent gaben als Nachteil Probleme mit den neuen Technologien für ältere Menschen an.

• Tourismus und Reisen
Österreichs Jugendliche machen nur ein- (31,3 Prozent) bis zweimal (29,9 Prozent) im Jahr Urlaub und dann am Liebsten in Österreich, gefolgt von Italien und Kroatien. Die liebste Reisebegleitung ist für Frauen der Partner (61,8 Prozent), für Männer hingegen ein Freund (61,2 Prozent). Während sich 46 Prozent vorstellen können, allein um die Welt zu reisen, führt bei einem Traumurlaub, bei dem Geld keine Rolle spielt, eine Overwater-Villa auf den Malediven oder in der Karibik die Präferenzliste an. Als Top 3-Ängste wurden Terror, Diebstahl und Krankheit genannt. 20,7 Prozent gaben die Angst vor einem Flugzeugabsturz an. Das Alter der Befragten wurde in dieser Frage erstmals offensichtlich: Acht Prozent der Jugendlichen gaben Heimweh als Befürchtung bei einer Reise an, 17,7 Prozent haben Angst, "verloren zu gehen".  

Interessant die Angaben getrennt nach Geschlechtern: Frauen sind im Urlaub deutlich ängstlicher. Lustig: Bei 13 Fragen zum Thema "Befürchtungen bei Urlaubsreisen" waren nur bei "Angst, dass im Ausland das Geld ausgeht" die Männer ängstlicher als die Frauen. 

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