Die Argumente der Impfgegner - warum sie wissenschaftlich nicht halten

Ojan Assadian, Ärztlicher Leiter des Landesklinikums WN und Spezialist für Infektionserkrankungen.
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  • Foto: LKWN
  • hochgeladen von Doris Simhofer

Die Zahl der Covid-Infizierten ist derzeit am Stand von Mai. Es hat sich also nach dem 3. Lockdown keine Entspannung gezeigt. Anders wäre die Situation, wenn die Bevölkerung entsprechend durchgeimpft wäre.

WIENER NEUSTADT. "Leider ist es trotz besseren Wissens und klaren Empfehlungen von  Experten dazu gekommen, dass wir mit einer nicht ausreichend durchimunisierten Bevölkerung aus dem Urlaub in den Herbst gehen. Bei derzeit weniger als 60% vollständig geimpfter Menschen wird eine 4. Welle fast im Ausmaß der 3. Welle leider unausweichlich werden", sagt Ojan Assadian, Ärztlicher Direktor im Landesklinikum Wiener Neustadt . Die Zahlen steigen seit Ende August nun wieder deutlich und spürbar an. Assadian: "Ich gehe aufgrund der aktuellen Infektionsepidemiologie und das faktisch vollkommene Präsens der Delta-Variante davon aus, dass die 4. Welle etwas unter den Zahlen der 3. Welle liegen wird, uns in den Gesundheitseinrichtungen aber über Wochen bis Monate wieder sehr stark bis stark unter Druck setzen wird."

Nicht-geimpfte Intensivpatienten

Anfang September gab es in den Krankenhäusern in Niederösterreich 83 Covid-19-Patienten, davon 29 schwerst krank an den Intensivstationen. "Zusätzlich kommen noch 65 Patienten hinzu, bei denen der Covid-19 Status derzeit mittels PCR geklärt wird. Beinahe 100% dieser Patienten sind nicht geimpft. Bei den wenigen Fällen die geimpft sind, beispielsweise Dialysepatienten, handelt es sich um Patientengruppen, von denen wir aufgrund zahlreicher Studien wissen, dass der Erkrankungsschutz von 95-98% von nicht-Risikogruppen nur bei 65% liegt", so Assadian.

Argumente der Impfgegner

Doch Impfgegner haben viele Argumente. Eines davon ist "Ich warte noch. Auf Totimpfstoffe, wie etwa auf ein österreichisches Vakzin." Assadian: "Zwar gibt es nun eine Reihe von Totimpfstoffen, kein einziger Hersteller solcher Impfstoffe hat aber bisher Unterlagen an eine Zulassungsbehörde abgegeben. Auch wenn kein Grund vorliegt zu denken, dass z.B. Totimpfstoffe besser oder anders wären als z.B. mRNA Impfstoffe muss schon klar betont werden, dass andere Impfstoffe oder ein „österreichischer Impfstoff“ kaum vor dem Ende der 4. Welle verfügbar sein wird. Spannend ist übrigens, dass gerade am mRNA Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer) niederösterreichische Biotechunternehmen beteiligt sind. Wenn man also auf einen „österreichischen“ Impfstoff wartet, kann man nur sagen, dieser liegt bereits zugelassen mit sehr guter weltweiter Erfahrung vor."

Immunsystem als Hoffnungsanker

Viele Ungeimpfte sind der Ansicht, dass das Immunsystem gesunder Menschen mit dem Virus klarkommt, und im schlimmsten Fall nur zu einer Grippe führt. Assadian: "Leider ist diese Annahme falsch. Wir wissen nun sehr genau,  dass von allen ungeimpften Personen, die SARS-CoV-2 PCR positiv werden, etwa  85% ohne Symptome bleiben, rund 14% an Covid-19-Erkranken, und 0,8-1% schwerst intensivpflichtig werden. Dieses Verhältnis finden wir weltweit. Eine Ausnahme sind Kinder, die wesentlich häufiger ohne Symptome bleiben. Aber auch hier kennen wir, wenn auch nur wenige, Fälle von Covid-19 bei Kindern. Der wesentliche Punkt hier ist, dass derzeit niemand, der nicht geimpft ist, vorhersehen kann, in welche der drei Gruppen er fallen wird."

Geimpfte schützen alle

Dass die Impfung ohnedies alle  Geimpften schützt und deshalb keine Panik angebracht ist, entkräftet Assadian so: "Geimpfte sind signifikant (zu 95-98%) vor einer Covid-19 Erkrankung geschützt, schwerste Erkrankungen sind eine Rarität. Neben dem eigenen Schutz hat die Impfung aber den erfreulichen Nebeneffekt, dass, wenn man aus welchen Gründen auch immer als geimpfter SARS-CoV-2 PCR positiv wird, die Dauer der Virusabgabe und die Menge des Virus extrem verkürzt und geringer sind. Gerade angesichts des noch immer viel zu hohen Anteils nicht geimpfter Mitbürger schützten die Geimpften nicht nur sich, sondern tragen auch zu einer erhöhten Sicherheit für Ihre Mitmenschen bei."

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