Und? Was machst du beruflich?
Warum diese harmlose Frage dein Sommerfest versauen kann
- hochgeladen von Alexandra Glander
Gerade im Sommer gibt es sie immer wieder: Hochzeiten, Familienfeiern, lockere Business-Treffen im Freien – Feste, die oft nur in der warmen Jahreszeit gefeiert werden. Und mit ihnen kommen fast immer Fragen wie diese auf den Tisch: „Was machst du gerade beruflich?", Wie läuft's bei dir im Business?“, „Machst du aktuell wieder eine Ausbildung?", „Wo stehst du denn schon auf der Karriereleiter?"
Typische Fragen, die man von Smalltalks so kennt, die aber auch klar zeigen:
Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der es viele Systemvorgaben gibt und Erfolg sich an Ausbildungstiteln, beruflichen Positionen und Auszeichnungen misst. Was Frau beruflich macht und welchen Erfolg sie damit hat, scheint wichtiger zu sein als die Frage, wer sie eigentlich ist.
Besonders selbstständige Frauen und weibliche Führungskräfte sind für solche Fragen gewappnet und haben gelernt, sich meisterhaft zu präsentieren – den typischen Elevator- und Erfolgspitch schütteln sie mit links aus dem Sommerkleid.
Wenn der Pitch zur Stolperfalle wird
Doch was passiert, wenn das bisherige Berufs- und Karrierebild ins Wanken geraten ist? Was geschieht, wenn das, was einen jahrelang ausgemacht hat, plötzlich nicht mehr zählt, keinen Wert mehr am Markt hat oder einfach nicht mehr passt? Was pitcht Frau dann?
Für eine Macherin, die sich jahrelang an die Normen der leistungsorientierten Gesellschaft angepasst hat und die gerade an einem Wendepunkt steht, kann so eine harmlose Frage wie „Was machst du beruflich?“ ein inneres Erdbeben auslösen und sich im tiefsten Inneren anfühlen wie ein existenzieller Absturz.
Plötzlich taucht die quälende Frage auf:
Wer bin ich abseits meiner Karriere, wenn ich das gerade nicht (mehr) machen kann oder das, was ich bisher gemacht habe, so nicht mehr machen möchte?
Wer ist Frau ohne Anerkennung?
Ohne die bisher erhaltene Anerkennung und das gute Gefühl, den gesellschaftlichen Vorgaben zu entsprechen, stehen insbesondere starke, top ausgebildete und erfahrene Frauen vor einer inneren Leere.
Das ständige Erfüllen von Anforderungen und Erwartungen – seien es die vom Markt, vom Team oder von der eigenen Familie – hat bei vielen über die Jahre dazu geführt, dass die eigene Identität unter Funktionen, Rollen, Normen, Idealen und Statussymbolen begraben wurde.
Und sehr oft können sie an diesem Punkt angelangt ihren Selbstwert auch nicht mehr vom Leistungs- und Nutzwert unterscheiden.
Zeit, den inneren Kompass neu auszurichten
Berufliche Veränderungen sind die Aufforderung des Lebens, die Richtung zu korrigieren, auch wenn es vielleicht anfangs bedeutet, nach den Maßstäben anderer nicht mehr erfolgreich zu sein und nicht mehr all das vorweisen zu können, was die Gesellschaft von einer Macherin erwartet.
Heuer bieten sich die langen, lauen Sommerabende für einen ehrlichen Blick nach innen an: Erlaube dir, herauszufinden, was dich abseits von Titeln, Auszeichnungen und Leistungserwartungen wirklich ausmacht und wie du Erfolg für dich definierst.
Wahre Souveränität liegt nämlich nicht in dem, in welche Rolle du schlüpfst oder ob du gesellschaftliche Vorgaben perfekt bedienen kannst.
Vielmehr liegt sie in dem, wer du ohne diese Masken überhaupt bist.
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Weil Worte manchmal nicht ausreichen, um das zu beschreiben, was in unserem Inneren vorgeht, habe ich die Comicfigur Der Jammerlappen entwickelt, die das Thema dieses Artikels auf ihre ganz eigene Weise auf den Punkt bringt. Diese Figur ist meine wortlose Brücke zwischen Gefühl und Verstand. Humorvoll-provokant und mit einem Augenzwinkern macht das orange Kerlchen, wie ich ihn liebevoll nenne, unbewusste Muster greifbarer und gibt verfahrenen Dynamiken ein Gesicht: www.alexandraglander.at/derjammerlappen.
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