08.11.2016, 16:24 Uhr

Rechenübungen im Gerichtssaal - Lehrer wegen Amtsmissbrauch angeklagt

Am Neustädter Landesgericht wurde heute fleißig gerechnet.

Mathematik-Lehrer manipulierte Maturaarbeiten - Anklage wegen Amtsmissbrauch

Lehrer

WIENER NEUSTADT, NEUNKIRCHEN BEZIRK. Viel gerechnet wurde heute, als ein 58jähriger Lehrer des BORG der Theresianischen Militärakademie wegen Amtmissbrauch vor Gericht stand. Dem - suspendierten - Mann wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Korrekturen an einigen Matura-Arbeiten gemacht zu haben und eine Schülerin sogar zu Verbesserungen am Tag danach aufgefordert zu haben. Möglich war all dies, weil alle Schüler und der Lehrer mit den gleichen Stiften geschrieben haben sollen.


Teilweise geständig

Die Idee dazu soll vom Pädagogen gekommen sein, die Stifte soll eine Schülerin für alle gekauft haben, so die Aussagen der Ex-Schüler vor der Richterin. Die Schülerin bestritt den Einkauf vor Gericht vehement und auch der Lehrer bekannte sich nur "teilweise schuldig". Verteidiger Dr. Andreas Rudolph: "Mein Mandant war zu dieser Zeit psychisch überfordert. Er gibt die Manipulation in drei, vier Fällen zu. Die weiteren neun vorgeworfenen Fälle sind unrichtig und nur mit mathematischem Fachwissen zu klären." Der Angeklagte verwies darauf, dass im Schuljahr 2014/15 bekannt wurde, dass die Schule geschlossen wird. Man habe viel Unterrichtszeit mit dem Versuch, sie zu retten, vergeudet. Der Direktor der Schule erklärte, dass man der Klasse, nach Elternbeschwerden, zusätzlichen Förderunterricht angedeihen ließ, um sie fit für die erste Zentralmatura zu machen.
Bei der Aussage der zuständigen Landesschulinspektorin, selbst Pädagogin für Mathematik, kam es dann zu Meinungsverschiedenheiten, denn der Angeklagte erklärte, dass man die Rechenbeispiele der Matura auf verschiedene Weise lösen könne und so manche Punktevergabe strittig ist. Vor Gericht entspann sich dann ein interessanter Diskurs über höhere Mathematik.
Das Urteil, acht Monate bedingt und eine Geldstrafe in Höhe von 7.200 Euro, ist nicht rechtskräftig, da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte keine Erklärung abgaben.
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