Klares „Nein“ zu Kindergarten im Einkaufszentrum
Entwicklung rund um das „Hahn-Areal“ in Zwettl
- Das „Hahn-Areal“. Der Name stammt von der ehemaligen Gärtnerei Hahn, die vor vielen Jahren dort stand.
- Foto: Stadtgemeinde Zwettl/Archiv
- hochgeladen von Bernhard Schabauer
Ein ursprünglich geplanter Kindergarten von Grundeigentümer Reinhold Frasl ist für die Gemeinde vom Tisch. Vielmehr wird der bestehende Kindergartenstandort Nordweg von der Gemeinde im Rahmen der Kindergartenoffensive um- und ausgebaut.
ZWETTL. Das seit Jahren ungenutzte Hahn-Areal beschäftigt viele Zwettler. Nach mehreren Gesprächen mit Grundeigentümer Reinhold Frasl hat die Stadtgemeinde nun ihre weitere Vorgangsweise festgelegt. Ziel dieser Treffen war es, die aktuelle Situation neu zu bewerten und mögliche Perspektiven für das seit Jahren ungenutzte innerstädtische Grundstück auszuloten.
Fakten sprechen dagegen
In den Gesprächen wurde gemeinsam geprüft, unter welchen Voraussetzungen eine sinnvolle Nutzung des Areals möglich ist. Nach eingehender Prüfung und in der aktuellen Debatte um die Zukunft der Kinderbetreuung hat sich die Stadtgemeinde Zwettl klar positioniert: Ein Kindergarten direkt im geplanten Einkaufszentrum, wie in einer ersten Version vorgesehen, wird abgelehnt. Das Wohl der Kinder sowie harte zeitliche und finanzielle Fakten sprechen klar gegen diese Variante. Die Stadtgemeinde wird davon unabhängig am bestehenden Kindergartenstandort Nordweg die erforderlichen baulichen Maßnahmen setzen und die notwendigen Investitionen tätigen, um den Standort zukunftsfit weiterzuentwickeln.
- Kein Kindergarten auf dem Hahn-Areal: Der Kindergartenstandort Nordweg wird von der Gemeinde im Rahmen der Kindergartenoffensive um- und ausgebaut.
- Foto: Stadtgemeinde Zwettl
- hochgeladen von Eva Leutgeb
Gefahr für Landesförderung
Ein wesentlicher Knackpunkt ist der zeitliche Ablauf. „Die Realisierung eines Großprojekts wie auf dem Hahn-Areal braucht Zeit. Der Zeithorizont für den Bau dort deckt sich schlichtweg nicht mit den Fristen, die für den Erhalt der dringend benötigten Landesförderung für den Kindergartenbau einzuhalten sind“, erklären Bürgermeister Franz Mold und Vizebürgermeister Alexander Leutgeb. Ein Zuwarten auf das Gesamtprojekt würde bedeuten, finanzielle Unterstützungen des Landes aufs Spiel zu setzen – ein Risiko, das die Stadtgemeinde Zwettl im Sinne der Zwettler Steuerzahler nicht eingehen wird.
- Das Hahn-Areal in Zwettl steht seit Jahren im Fokus städtebaulicher Überlegungen und Diskussionen.
- Foto: Stadtgemeinde Zwettl/Archiv
- hochgeladen von Bernhard Schabauer
Keine optimale Lösung
Neben den finanziellen Aspekten steht vor allem die Qualität der Kinderbetreuung im Vordergrund. Die Pläne am Hahn-Areal würden bedeuten, dass der Kindergarten in eine kommerzielle Konsumzone integriert wäre und die Kleinsten auf der Freifläche eines begrünten Flachdaches des Einkaufszentrums spielen müssten. Für die Gemeindekoalition ist dies keine optimale Lösung: „Unsere Kinder sind uns viel zu wichtig. Ein Kindergarten im direkten Umfeld von Konsumflächen und ein Spielplatz auf der Dachterrasse eines Einkaufszentrums widersprechen unseren Vorstellungen von moderner Kinderbetreuung“, sagt Bürgermeister Franz Mold.
Transparenz und Interessen
Die Stadtgemeinde weist zudem darauf hin, dass mögliche Projektinhalte, Planungsdetails oder konkrete Nutzungsüberlegungen ausschließlich durch den Grundeigentümer kommuniziert werden können. „Die Gemeinde ist nicht Projektwerber. Welche konkrete Entwicklung am Areal geplant wird, kann daher nur Reinhold Frasl als Eigentümer sagen. Unsere Aufgabe ist es, Verfahren transparent zu begleiten und die Interessen der Stadt bestmöglich zu wahren“, so Bürgermeister Franz Mold.
- „Unsere Kinder sind uns viel zu wichtig. Ein Kindergarten im direkten Umfeld von Konsumflächen und ein Spielplatz auf der Dachterrasse eines Einkaufszentrums widersprechen unseren Vorstellungen von moderner Kinderbetreuung“, sagt Bürgermeister Franz Mold (ÖVP).
- Foto: Stadtgemeinde Zwettl
- hochgeladen von Eva Leutgeb
Ziel bleibt Weiterentwicklung
Trotz der klaren Entscheidung bleibt die Hand der Stadtgemeinde gegenüber Reinhold Frasl ausdrücklich ausgestreckt. Die Gemeinde ist weiterhin daran interessiert, dass das Hahn-Areal eine Entwicklung erfährt und einer sinnvollen Nutzung zugeführt wird.
Die Stadtgemeinde unterstützt grundsätzlich jede realistische Projektidee, die zur Belebung der Innenstadt beiträgt, städtebaulich verträglich ist und ohne kommunale Mitfinanzierung umgesetzt werden kann. Die Stadt wird daher auch künftig Gesprächspartner bleiben und notwendige behördliche Verfahren sachlich führen.
- Eine grobe Darstellung aus der Vogelperspektive des zirka 10.000 Quadratmeter großen Areals.
- Foto: Google Maps
- hochgeladen von Bernhard Schabauer
Brückenprojekt neu bewertet
Ein wesentlicher Punkt zukünftiger Überlegungen betrifft die geplante Brücke über den Kamp in Richtung Gartenstraße. Nach aktuellem Stand kann hierzu keine endgültige Aussage getroffen werden. Ob eine Brücke erforderlich ist, hängt maßgeblich davon ab, welches konkrete Projekt seitens des Eigentümers künftig eingereicht wird. Sollte ein deutlich kleiner dimensioniertes Vorhaben entstehen, könnte die Notwendigkeit einer Brückenlösung eventuell sogar ganz entfallen.
Unabhängig davon wird die Verkehrssituation jedenfalls neu zu beurteilen sein. Erst auf Basis eines konkreten Projekts können Fragen der Erschließung, Verkehrsführung sowie möglicher infrastruktureller Maßnahmen fachlich bewertet werden.
Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Zwettl:
Aktuelle Nachrichten aus Niederösterreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.