18.10.2016, 08:18 Uhr

Aus der Obersteirischen Feinguss wird Ventana

Ein neuer Klein-Konzern für Kapfenberg: Geschäftsführer Markus Kayer (r.) im Kreis der neuen Eigentümer, Mitgesellschafter und Gemeinde-Vertreter.

Die Obersteirische Feinguss hat die Insolvenz abgewendet und landet in den Armen der Ventana-Gruppe.

"Die wirtschaftliche Schieflage konnten wir innerhalb von vier Monaten abwenden, mit dem neuen Eigentümer ergeben sich für uns neue Absatzmärkte und effiziente Produktionsabläufe", schließt Geschäftsführer Markus Kayer das Kapitel O.ST.Feinguss ab und öffnet zugleich die Pforte in die Ventana-Gruppe.
Der Kapfenberger Bürgermeister Manfred Wegscheider setzt nach: "Manches Mal bewirkt eine Insolvenz auch etwas Gutes, so wie im Fall der Obersteirischen Feinguss. Wir haben zum Glück kein Unternehmen verloren, sondern mit der Ventana einen Klein-Konzern dazugewonnen."
Markus Kayer skizziert noch einmal die wirtschaftliche Situation der Feinguss: "Während der Insolvenz ist uns kein Kunde abhanden gekommen, kein Mitarbeiter hat sich von uns getrennt. Wir sind die einzige Feingießerei in Österreich.
7,5 Millionen Euro werden bei einem Exportanteil von 90 Prozent jährlich umgesetzt. Der Luftfahrtanteil liegt bei 50 Prozent. 65 Mitarbeiter sind in Kapfenberg beschäftigt. Wir produzieren Gussteile für fast alle Formel-1-Motorenhersteller und für exklusive Automarken wie Bugatti, Audi und Porsche."

Wert auf Unternehmenskultur

Ernst Lemberger, der neue Eigentümer, will an der Produktionsnische nichts verändern. "Erst durch die Medien bin ich über die Berichterstattung der Feinguss-Insolvenz auf dieses Unternehmen aufmerksam geworden. Die Feinguss passt ideal in die Ventana-Gruppe. Sie produziert ein Nischenprodukt, das wir bisher nicht anbieten konnten und sie bedient Märkte, wo wir bisher nicht Fuß fassen konnten."
Im Gegenzug bekommt Ventana-Kapfenberg jetzt Zugriff auf den französischen Markt, wo die großen Flugzeugbauer und die französischen Autofirmen sitzen.
"Um den Umsatz steigern zu können, müssen wir in den Standort Kapfenberg investieren. Zuallererst investieren wir in die Mitarbeiter, wir erhöhen den Ausbildungsgrad, wir werden die Lehrlingsausbildung forcieren. Dann erst investieren wir in Maschinen. Und wir sind uns unserer hohen Umweltstandards bewusst. Die Gießerei ist längst kein schmutziges Geschäft mehr." So erklärt der neue Eigentümer die Unternehmenskultur der Ventana-Gruppe. Ernst Lemberger: "Wir denken langfristig."

Aus einem Guss

Damit das Thema "wirtschaftliche Schieflage" endgültig vom Tisch ist, müssen zuerst die Hausaufgaben gemacht werden; laut Ernst Lemberger sind das: Schaffen eines stabilen Geschäftsumfeldes und Optimierung des Produktionsprozesses, damit kostengünstig produziert werden kann.
In der Gewissheit, dass alles Gut wird, überreichte Markus Kayer eine Statue der Heiligen Barbara, die ja auch Schutzpatronin der Steinmetze und Gießer ist, an Bgm. Manfred Wegscheider – natürlich aus einem Guss.

Das Organigramm des Montana-Konzerns:
Ernst Lemberger und seine Frau Irmgard Lettner sind Inhaber der Montana Holding mit Sitz in Wien und halten über die HDF Beteiligungs GmbH mit Sitz in Chemnitz 53 Prozent der Anteile an der Ventana-Gruppe. Mit 24 Prozent ist Ernst Lemberger auch am Frauenthal Konzern beteiligt.

Die Ventana-Gruppe besteht aus der Ventana Kapfenberg GmbH (die ehemalige O.ST.Feinguss), Ventana Hackas in Schweden und S.A.S. Ventana Aerospace in Frankreich. Die französische Tochterfirma wiederum verästelt sich in weitere sechs Tochterunternehmen – mit den Produktionsfeldern (klein- und großformatiger Präzisionsguss, Fertigung von Prototypen, Präzisionsschweißen, Montage und Reparatur von Turbinen und mechanischen Baugruppen sowie Fertigung von mittelgroßen und großformatigen Komponenten.

Umsätze: Die Ventana-Gruppe erwirtschaftet derzeit einen Umsatz von 55 Millionen Euro. Rund 550 Mitarbeiter sind in sieben Werken in drei Ländern beschäftigt. 90 Prozent des Umsatzes kommt aus der Luftfahrt.
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