04.10.2016, 18:00 Uhr

Kernöl und Klangfarben

Aufgespielt: Am 7. Oktober wird die Steirerin Julia Kriechbaum beim Kammerkonzert in Graz das Flötenquartett von Saverio Mercadante in a-Moll spielen. (Foto: Andrea Dujak)

Bratschistin Julia Kriechbaum spielt diesen Freitag in Graz und erzählt, was sie am Publikum hier schätzt.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern sind Musikschullehrer. Meine Mutter unterrichtet Geige, mein Vater Geige und Bratsche. So bin ich mit Musik aufgewachsen und habe, soweit ich zurückdenken kann, ein bisschen am Klavier geklimpert.

Wäre Geige spielen auch eine Option für Sie gewesen?
Ich habe tatsächlich zuerst bei meinem Vater Geige gelernt. Als ich ins Jugendalter gekommen bin, habe ich das Interesse daran etwas verloren. Ich habe dann in Wien mit dem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften begonnen, am Akademischen Symphonie Orchester der WU Wien wurden Bratschen gebraucht. So bin ich zufällig dazugekommen und habe gemerkt, dass Bratsche genau meine Klangfarbe ist. Danach habe ich auf ein Musikstudium umgeschwenkt.

Wie viel Zeit verbringen Sie im Schnitt damit, auf Ihrer Bratsche zu üben?
Das sind täglich schon so um die vier Stunden, von Montag bis Sonntag. Zu Stoßzeiten, wenn ein Probespiel ansteht oder so, sind es durchaus mehr – so lange, bis die Finger wehtun. Aber man wird das mit der Zeit gewohnt und was hilft, ist viel Ausgleichssport zu machen. Das hilft fürs Spielen und auch dazu, den Kopf frei zu bekommen.

Diesen Freitag spielen Sie um 19.30 Uhr im Stephaniensaal ein Kammerkonzert als Teil des Ensembles der Angelika-Prokop-Sommerakademie. Freuen Sie sich als gebürtige Steirerin darauf, in Graz zu spielen?
Auf jeden Fall. Mir gefällt das Publikum in Graz sehr. Die Grazer sind sehr herzlich und freuen sich, wenn man hier spielt. Ich habe bereits drei Mal an der Angelika-Prokop-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker teilgenommen. Wir wurden in Salzburg auch von den Philharmonikern selbst unterrichtet. Das ist eine große Ehre. Dieses Jahr gab es erstmals ein Opernprojekt im Rahmen der Akademie, das "Così fan tutte". Und am Freitag spielen wir eben das Kammerkonzert. In Graz ist es etwas Besonderes, weil meine Eltern im Publikum sitzen.

Sind Sie nervös, wenn Ihre Eltern im Saal sitzen?
Gar nicht. Meine Eltern kommen gerne zu meinen Konzerten. Es ist schön, wenn die Familie kommt. Es ist sogar eher so, dass ich, wenn ich nervös bin vor dem Auftritt, mir noch schnell eine stärkende Umarmung abholen kann.

Und diese Umarmung können Sie sich nun öfter holen, da Sie vermehrt in der Steiermark spielen.
Genau, meine musikalische Verbindung in die Steiermark hat sich in den letzten Monaten verstärkt durch mehrere Konzertmöglichkeiten. Das freut mich, weil ich hier auch oft alte Freunde treffe. Außerdem esse ich gerne einen Salat mit Kernöl vor oder nach dem Konzert.

Wenn Sie auf der Bühne stehen, was geht Ihnen da durch den Kopf?
Ich möchte natürlich etwas vermitteln und will, dass das Publikum eine schöne Zeit hat. Man merkt schon, wenn das Publikum Spaß an der Vorstellung hat und die Funken überspringen und die Zuhörer so mitleben, wie bei unserer Vorstellung mit "Così fan tutte" in Graz. Doch ich denke nicht in erster Linie an die Menschen vor mir, sondern im Idealfall bin ich einfach vollkommen beim Stück und versuche, dem Ganzen meine persönliche Note zu verleihen. Wenn ich während des Konzertes Hunger habe, kriege ich das zum Beispiel nicht mit.

Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?
Eine fixe Stelle als Orchestermusikerin zu bekommen – das ist, wie für viele meiner Kollegen, definitiv noch das Ziel.
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