01.04.2016, 08:47 Uhr

Kampfansage - Pfusch am Bau!

Spartenobmann Georg Steixner, Landesinnungsmeister Anton Rieder, Moderator und Wirtschaftsexperte Ronald Barazon, Andreas Oberlechner (Rechts- und Konsumentenpolitische Abteilung der AK Tirol) und Günther Nussbaum (ATV Serie „Pfusch am Bau“), v.l. (Foto: ofp)

Zum neunten Mal versammelten sich Experten der Bauszene am 30. März im Congress Innsbruck. Thema beim Tiroler Bautag war „Pfusch am Bau“ - Wie lassen sich Mängel am Bau vermeiden.

Tiroler Bautag - Pfusch am Bau

TIROL. Heuer fand der Tiroler Bautag bereits zum neunten Mal statt. Es werden immer aktuelle Themen der Tiroler Baubranche aufgegriffen und diskutiert. Das diesjährige Thema war "Pfusch am Bau". Die Moderation übernahm der Wirtschaftsexperte Ronald Barazon. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, auf Probleme aufmerksam zu machen. Heute geht es nicht nur um die Frage, welche Mängel am Bau bestehen, sondern auch darum, welche Verbesserungsansätze existieren“, so der Landesinnungsmeister Anton Rieder.

Zufriedenstellendes Jahr 2015 für die Baubranche

Die Baubranche blickt auf ein zufriedenstellendes Jahr 2015 zurück. Eine wichtige Maßnahme war das Impulspaket. Dieses wurde zusammen mit der Landesinnung und der Politik ins Leben gerufen. Dadurch gingen die Arbeitslosenzahlen zurück. Rahmenrechltiche Bedingungen wurden verbessert und das Image weiter aufgebaut.

Ergebnisse der Baumängel-Studie

Im Rahmen es Tiroler Bautags wurde eine Baumängel-Studie präsentiert. Die Ergebnisse zeigen, dass es hier immer noch schwere Mängel gibt: In so gut wie jedem Neubauprojekt im Wohnbereich wird zumindest in einem handwerklichem Bereich ein Mangel gefunden. Hier braucht es Maßnahmen, um eine langfristige Verbesserung zu erreichen.

Andreas Kreutzer (Geschäftsführer von Kreutzer Fischer & Partner Consulting GmbH) nennt drei Maßnahmen. Einerseits die Personalqualifikation. Oft fehlt es hier an qualifiziertem Personal. Hier ist eine gute Nachwuchsarbeit wichtig. Ein weiterer Punkt ist das Zeitmanagement. Die Vorgabezeiten sinken, auf Baustellen muss die Arbeit immer schneller erledigt werden. Als letzte Maßnahmen nennt Kreutzer die Steigerung der Vertrags- und Planungsqualität. Es gibt immer wieder sich widersprechende Normen, aber auch Planungsfehler von Architekten. Gleichzeitig werden viele Bereiche an Baustellen an Subunternehmer vergeben. Obwohl die technischen Anforderungen immer mehr steigen, sinken die Qualifikationen, so Kreutzer.

Zu viele Subunternehmer erhöhen das Mängelrisiko

Immer wieder gibt es Normen am Bau, die niemand umsetzt. Allerdings seien auch nicht immer alle Normen notwendig, so Günther Nussbaum aus der ATV-Serie „Pfusch am Bau“. „Auch wenn etwas nicht normgerecht ist, kann es gut funktionieren. Es ist die Aufgabe des Sachverständigen, mehr Verantwortung zu übernehmen“, so Nussbaum. Er empfiehlt, sich für einen Generalunternehmer zu entscheiden, und so weit wie möglich auf Subunternehmer zu verzichten. Mängel entstehen meist an der Schnittstelle verschiedener Subunternehmer aufgrund mangelnder Zusammenarbeit und Koordination. Häufig seien auch keine Baumeister vor Ort.

Triales Ausbildungssystem steigert die Qualifikation

In Österreich wird im Baugewerbe auf ein triales Ausbildungssystem gesetzt. „Unser triales Ausbildungssystem ist im Vergleich zu anderen Ländern ein Vorzeigemodell. Die Anforderungen an Handwerker steigen aber kontinuierlich an. Dementsprechend müssen auch die Ausbildungsmöglichkeiten weiter wachsen“, so Georg Steixner, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Tirol. Mit einer hochqualifizierten Ausbildung lassen sich Mängel am Bau vermeiden.

Gute Qualität kostet

Oft liegt die Ursache der Mängel und Schäden in Fehlern, die der Auftraggeber gemacht hat. Hier wird häufig bei der Beratung, Planung, Koordination und örtlichen Bauaufsicht gespart. „Preisdumping und Billigstbieterverfahren haben bei den Planern zu einer negativen Preis-Leistungs-Spirale geführt, sodass Baumängel immer seltener durch falsche Planung, aber immer öfter durch zu wenig Planung verursacht werden“, so Architekt Johannes Schmidt.
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