23.05.2016, 10:39 Uhr

Die Verluste in Kroatien und Rumänien waren nicht abdeckbar

Steirische Frühwald Holding beantragte heute Vormittag Sanierungsverfahren.

Die Frühwald Holding GmbH mit Sitz in Tillmitsch südlich von Graz brachte am heutigen Vormittag beim Landesgericht für ZRS Graz den Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung und Abschluss eines Sanierungsplanes ein. Neun Mitarbeiter sind davon betroffen.
Die Antragstellerin ist eine beim Landesgericht für ZRS Graz protokollierte Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Das Unternehmen beschäftigt sich ohne operative Tätigkeit mit der Verwaltung seiner Beteiligungen und mit der Erbringung zentraler Dienstleistungen an die eigenen Beteiligungsgesellschaften. Darunter fallen Rechnungswesen, Geschäftsführung, Marketing oder Unternehmensstrategie. Die operativ tätigen Gesellschaften in der Frühwald-Gruppe befassen sich mit der Produktion, dem Handel und dem Vertrieb von Betonerzeugnissen.
Während der wirtschaftlich boomenden Jahre bis 2008 wurden in Ungarn, Kroatien und Rumänien durch Unternehmenskäufe bzw. Betriebsansiedelungen umfangreiche Investitionen getätigt, im Konkreten ist die 1972 gegründete Frühwald Holding GmbH an neun Gesellschaften in Österreich, Deutschland, Ungarn, Kroatien und Rumänien beteiligt.
In den vergangenen Jahren stellte sich ein extremer Preiskampf auf dem europäischen Betonwarenmarkt ein. Auslöser war die Weltwirtschaftskrise ab 2008. Deshalb wurden insbesondere in den kroatischen und rumänischen Gesellschaften Verluste verzeichnet, die zuletzt auch durch die durchwegs positiven Ergebnisse der ungarischen und deutschen Tochtergesellschaften nicht aufgefangen werden konnten.
Die Gründe, warum das Unternehmen nun den Antrag auf ein Sanierungsverfahren stellen musste, erläutert Dr. Clemens Jaufer von der Kanzlei ScherbaumSeebacher Rechtsanwälte, welche die Antragstellerin vertritt: „Die Frühwald Holding GmbH hat in den vergangenen Jahren sämtliche notwendigen Sanierungsschritte mit ihren Gläubiger-Banken abgestimmt. Die weitere außergerichtliche Restrukturierung hätte einen kurzfristigen Verkauf einzelner Vermögenswerte in der Frühwald-Gruppe erfordert, was in der vorgegebenen Zeit nicht umsetzbar war. Deshalb wurde die Insolvenzantragstellung erforderlich.“
Die Überschuldung beträgt 6,3 Millionen Euro, die Frühwald Holding GmbH beschäftigt derzeit neun Dienstnehmer.
Geschäftsführer Erich Jöbstl: „Wir sind überzeugt davon, dass die bereits erfolgten umfassenden Maßnahmen zeitverzögert wirken werden. Gemeinsam mit der Fortsetzung von Restrukturierungen in den Beteiligungsgesellschaften während der nächsten Jahre ist das die Basis für einen erfolgreichen Neustart der Frühwald Holding.“
Als Folge der Holding-Insolvenz ist in den nächsten Tagen ein Insolvenzantrag für die Frühwald GmbH & Co KG in Vorbereitung. Diese besteht im Wesentlichen aus Liegenschaften, die zu weiten Teilen vermietet bzw. verpachtet sind. Mitarbeiter, die davon betroffen wären, gibt es nicht.
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