03.08.2016, 09:30 Uhr

Am eigenen Leib: Viel Müll, Schmutz und Panne

Während einem Pannen-Einsatz bei Stams (Wohnwagen im Hintergrund) säubere ich die Böschung.

Wenn der Urlauberverkehr unser Land verstopft, hat der ASFINAG-Streckendienst wieder Hochbetrieb.

REGION. Was hinterlässt uns der Transit der Erholungssuchenden entlang der Autobahn? Ich wollte es genau wissen - am eigenen Leib!
Am Dienstag, 26. Juli um 7:00 Uhr früh melde ich mich bei der Autobahnmeisterei in Imst, zuständig für die Strecke der A12 vom Bereich Zams bis Zirl (eine Richtung ca. 70 km). Gerhard vom ASFINAG-Streckendienst nimmt mich ab Imst mit, seine Schicht begann um 5:00 Uhr und endet um 13:30 Uhr.

Seit 5:00 Uhr früh unterwegs
Im Magazin werde ich eingekleidet – los geht's. Unterwegs erzählt mir Gerhard, dass er heute bereits einige der sechs WC-Anlagen auf den Rastplätzen entlang seiner Strecke gereinigt hat, für mich steht noch eine schmutzige bereit, lacht er.
Wir fahren auf der Autobahn konstante 100 km/h: "Damit ich keinen LKW behindere und noch rechtzeitig anhalten kann, wenn ich etwas Ungewöhnliches auf der Strecke sehe", erklärt Gerhard. Fast täglich müssen überfahrene Igel, Katzen, Hasen, Füchse etc. aufgelesen und der Tierverwertung in Imst oder Telfs übergeben werden.
"Heute habe ich drei Enten aufklauben müssen", erklärt Gerhard. Tote Rehe und Hirsche werden dem Jäger gemeldet, der holt das Wild ab, wenn es nicht schon bei einem Unfall-einsatz in der Nacht entfernt wurde. "Von 22:00 bis 5:00 Uhr habe ich noch Bereitschaft. Werde ich von der Tunnelwarte oder der Polizei alarmiert, wegen einem Unfall oder einem anderen Vorfall, fahre ich von daheim weg. Oft muss es dann schnell gehen – dann fahre ich mit Blaulicht und ev. auch mit Folgetonhorn", erzählt Gerhard. Sein Fahrzeug ist in der ASFINAG Imst das einzige mit dieser Einrichtung, nur der Chef hat noch ein Blaulicht für das Autodach, erzählt Gerhard.
Viel öfter kommt das gelbe Licht zum Einsatz, wie ich live miterlebe: Plötzlich sehen wir ein Wohnwagengespann auf Höhe Stams am Pannenstreifen stehen, dahinter steht ein LKW der ASFINAG mit eigeschaltetem Gelblicht am Dach. "Da hat einer eine Panne", erklärt Gerhard, wird langsamer und steuert auf den Pannenstreifen.

Absicherungs-Dienst
Wir stellen unser Fahrzeug hinter dem ASFINAG-Laster auf. Gerhard drückt einen Knopf am Armaturenbrett: Eine Anzeigentafel auf dem Autodach wird aufgeklappt – dann die Taste: "Achtung Panne". Die Autofahrer sind gewarnt. Die Bremsen des Wohnwagens sind heiß, stellen auch wir fest - aber es ist kein Defekt. Wir übernehmen die Absicherung der Pannenstreifens, der Ersthelfer mit dem ASFINAG-LKW kann weiterfahren. Der Holländer kommt vom Fernpass und will mit seiner Familie, mit Gattin und zwei junge Töchter, nach Garda. Er kann aber bald weiter fahren und die Bremsen vom Fahrtwind kühlen lassen.
Ich hole währenddessen den Müllsack und die Müllzange aus dem Fahrzeug und sammle etwas Müll auf der Böschung ein, mit dem leichtgängigen Werkzeug macht es sogar Spaß.

Jeden Tag volle Mülleimer
Dann steuern wir den A12-Rastplatz Telfs-Süd an: "Die Kübel sind hier jeden Tag bis über den Rand gefüllt", erzählt Gerhard. Die WC-Anlage wird kontrolliert, geputzt hat er schon. Wieder kommt die Müllzange in und außerhalb der WC-Anlage zum Einsatz. Die Kontrolle wird auf einer Liste protokolliert. Danach machen wir eine Kontrollfahrt durch den Rosenberger-Parkplatz, schauen uns alle Auf- und Abfahrten an, alles bestens! "Heute ist es sehr ruhig", bemerkt Gerhard.
Die nächste Aufregung kommt erst bei der Rückfahrt am Rastplatz Inzing: Jemand hat sein "großes Geschäft" hinter einem Getränkeautomaten verrichtet, die Wand ist verschmiert. Gerhard meldet das den Kollegen des Autobahnmeisterei-Stützpunktes Zirl, die müssen mit einem LKW mit Wasseraufbau anrücken und die Hinterlassenschaft wegwaschen.

Fast täglich: Sperrmüll
Apropos: Welche WC sind meistens sauberer, jene der Damen oder der Herren? "Bei den Herren, aber auch bei den Damen gibt es immer wieder arge Verschmutzungen", weiß Gerhard aus seiner 12-jährigen Erfahrung bei der ASFINAG. Die WC-Reinigung macht Gerhard aber nicht den ganzen Sommer, erklärt er: "Das wäre zu viel, die Abwechslung ist mir schon wichtig, ich werde auch für andere Bereiche eingesetzt."
Für Abwechslung ist aber auch so gesorgt: Beim Rastplatz Telfs-Nord hat jemand eine Autobank entsorgt, die landet im großen Müllcontainer. "Sperrmüll finden wir immer wieder auf den Parkplätzen", erzählt Gerhard. Jetzt kommt "mein" Einsatz im verschmutzten WC: Ich sprühe die Anlage mit einem Desinfektionsmittel ein, schrubbe den Boden und spüle mit Wasser ab. Zufrieden fahren wir zum verdienten Frühstücks-Stopp in Telfs. In Imst endet mein Einsatz, Gerhard hat noch die Strecke bis Landeck und retour und eine Bereitschaft vor sich.
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