20.09.2016, 21:19 Uhr

Impressionen vom Lipizzaner-Almabtrieb: Auf den Spuren der ältesten Kulturpferderasse Europas

Die Lipizzaner-Junghengste auf ihrem Weg von der 1.500 m hoch gelegenen Stubalm zum Gasthof Wiendl (oberhalb von Maria Lankowitz)
Köflach: Lipizzanergestüt Piber |

Auf den Spuren der ältesten Kulturpferderasse Europas

Bei herrlichem Kaiserwetter vollzog sich der diesjährige Lipizzaner-Almabtrieb von der Stubalm über Maria Lankowitz und Köflach nach Piber. Zahlreiche Gäste, darunter auch viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft, begleiteten die edlen Lipizzaner-Junghengste von ihrem Sommerquartier zurück ins Lipizzanergestüt Piber.

Abmarsch von der Stubalm

Gegen 10 Uhr waren die 36 Lipizzaner-Junghengste mit ihren Betreuern von der Stubalm, wo sie drei Jahre lang ihren Sommer verbringen dürfen, losmarschiert. Aus organisatorischen Gründen waren 15 der insgesamt 51 Junghengste bereits am Tag zuvor ins Tal gebracht worden.

Man sollte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass die Stubalm ca. 20 km vom Bundesgestüt Piber entfernt liegt! Beim Lipizzaner-Almabtrieb sind also alljährlich einige Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Für die Betreuer, welche jeweils zwei Junghengste an der Hand führen, erfordert dies eine äußerst gute Kondition. Das Tempo wird stets von den Pferden bestimmt, welche mit ihren Betreuern vorangehen und den Zug anführen. Die temperamentvollen Jungtiere haben dabei ein recht flottes Tempo drauf, obwohl sie bei ihrer Ankunft beim Gasthof Wiendl, der ersten Zwischenstation, bereits 15 – 20 km zurückgelegt haben.

Auch die Geschäftsleitung der Spanischen Hofreitschule, Frau Generaldirektorin Elisabeth Gürtler und Herr Mag. Erwin Klissenbauer, Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule (beide fesch und zünftig in Dirndl und Lederhose), ließen es sich nicht nehmen, die Pferde auf ihrem Weg ins Tal zu begleiten. Herr Mag. Klissenbauer ist sogar mit den Pferden direkt von der Alm losmarschiert – eine beachtliche Leistung!

Station 1: Gasthof Wiendl

Gegen 12 Uhr kamen die Junghengste beim Gasthof Wiendl (ca. 2 km oberhalb von Maria Lankowitz) an, wo sie bereits von zahlreichen Gästen erwartet wurden. Auf der Wiese beim Gasthof wurden die Pferde von einheimischen Mädchen im feschen Dirndl mit bunten Blumensträußen geschmückt. Allein schon diese Szene ist eine Augenweide, die man einmal gesehen haben muss!

Nach einer kurzen Rast ging’s weiter hinunter nach Maria Lankowitz, einem bekannten Wallfahrtsort, etwa 2 km oberhalb von Köflach gelegen. Das Zentrum von Maria Lankowitz bildet die schöne alte Kirche mit ihrem Vorplatz, wo die Lipizzaner-Junghengste alljährlich auf ihrem Almabtrieb festlich empfangen werden.

Beim Gasthof Wiendl bekam der Zug der Pferde und Menschen prominenten Zuwachs: Dkfm. Elisabeth Gürtler, die Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule (im feschen Dirndl), ließ es sich nicht nehmen, die restliche, rund 6 km lange Strecke vom Gasthof Wiendl über Maria Lankowitz und Köflach bis nach Piber mit den Pferden mitzumarschieren.

Station 2: Maria Lankowitz

Auf dem Kirchplatz von Maria Lankowitz harrte bereits eine große Menschenmenge erwartungsvoll der Junghengste. Vor der Kirche in Maria Lankowitz gab es zunächst eine feierliche Pferdesegnung, welche vom Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl höchstpersönlich vorgenommen wurde. Es war eine anrührende Szene, wie die jungen Pferde da in einer Reihe standen und ihren Segen empfingen! In das anschließende Gebet wurden, nach katholischem Brauch, alle Geschöpfe Gottes und insbesondere natürlich die Lipizzaner mit einbezogen. Umrahmt wurde diese Zeremonie von festlicher Blasmusik und volkstümlichen Darbietungen.

Dann ging’s noch einmal recht zünftig zu: Beim anschließenden Schuhplatteln (und dem obligatorischen Baumstammsägen) griff Bischof Krautwaschl sogar selbst zur Säge!

Der Festakt mit der Pferdesegnung in Maria Lankowitz ist ein eindrucksvoller Beweis, wie sehr Kultur und Tradition sowie die Lipizzaner als die älteste Kulturpferderasse Europas in der Lipizzaner-Heimat Steiermark wertgeschätzt werden.

Station 3: Köflach

Nach der festlichen Pferdesegnung setzte sich der Zug weiter in Bewegung. Das nächste Ziel der „Reise“ war Köflach, wo es abermals einen feierlichen Empfang gab. Hier ging es allerdings wesentlich lauter zu als in Maria Lankowitz. Eine riesige Menschenmenge säumte die Straßen, als die Lipizzaner-Junghengste mit ihren Betreuern, gefolgt von zahlreichen Mitläufern, im Zentrum von Köflach einmarschierten. Durch die Lautsprecher ertönte Musik, dazwischen hörte man die laute Stimme der Moderatoren, es wurden Interviews geführt und Reden geschwungen.

Doch die Pferde schien das alles nur wenig zu beunruhigen. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig die Kinderstube und das Vertrauen zum Menschen für die Entwicklung der jungen Pferde ist. Nach einem kurzen Aufenthalt in Köflach folgte die letzte Etappe bis zum Bundesgestüt Piber.

Station 4: Piber

Nach einer weiteren Strecke von etwa zwei Kilometern trafen die Lipizzaner-Junghengste im Bundesgestüt Piber ein. In diesem Jahr wurden die jungen Pferde nach dem Almabtrieb erstmals in die Arena des Bundesgestüts Piber geführt, wo sie – sehr zur Freude der zahlreichen Zuschauer – ausgelassen wurden und frei herumlaufen durften. Die Pferde schienen den Auslauf so richtig zu genießen; nun durften sie sich endlich austoben und sich nach Belieben im Sand der Arena wälzen! Ab und zu gab’s auch mal kleinere Raufereien, wie das in einer Herde von Junghengsten nun einmal so üblich ist.

In den Interviews (unter anderem mit der Geschäftsleitung der Spanischen Hofreitschule und den Betreuern der Lipizzaner-Junghengste) erfuhr das Publikum auch wissenswerte Details zur Aufzucht der Lipizzaner.

Station 5: Außenstation Wilhelm – das Winterquartier der Lipizzaner-Junghengste

Mit dem Auftritt der „jungen Wilden“ in der Arena von Piber war die „Reise“ für die Lipizzaner-Junghengste noch nicht ganz zu Ende, denn die letzte Etappe ihres langen Weges von der Alm hatten die Tiere noch vor sich. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden sie von ihren Betreuern in ihr Winterquartier, die Außenstation Wilhelm, geleitet, wo sie alljährlich den Herbst und Winter verbringen – bevor es dann im Frühjahr wieder auf die Stubalm geht.

Der Lipizzaner-Almabtrieb – ein sehenswertes Ereignis

Ein ereignisreicher Spätsommertag, welcher schon bei Kaiserwetter begonnen hatte, ging bei ebenso herrlichem Wetter zu Ende. Die Reise von Wien in die Lipizzaner-Heimat Steiermark und das Wandeln auf den Spuren der ältesten Kulturpferderasse Europas haben sich wirklich gelohnt! Ich bin noch immer ganz erfüllt von diesem eindrucksvollen Erlebnis, das so ganz im Zeichen der edlen Pferde steht und von Tradition, bodenständiger Kultur und Trachten geprägt ist.

Ich beabsichtige, im nächsten Jahr wieder am Almabtrieb teilzunehmen. Doch beim nächsten Mal (das habe ich mir zumindest vorgenommen) werde ich nicht nur vom Gasthof Wiendl, sondern direkt von der 1.500 m hoch gelegenen Stubalm mit den Pferden ins Tal marschieren! Doch dafür muss ich wohl noch ein wenig trainieren! Ich freue mich schon auf den nächsten Lipizzaner-Almabtrieb und möchte dieses Ereignis allen Pferdefreunden wärmstens ans Herz legen. Am besten gleich im Terminkalender für September 2017 vormerken! – Und noch etwas Wichtiges: Dirndl bzw. Lederhose und feste Schuhe nicht vergessen! Beim Almabtrieb geht’s nämlich recht zünftig und trachtig zu!
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