29.08.2016, 21:28 Uhr

Apfelernte: großteils leere Kisten

GF Wolfgang Ilzer vom Obstlager Puch. Die Äpfel werden von dort nach ganz Europa exportiert, auch nach Ägypten.

Im Durchschnitt um 80 Prozent weniger Ertrag bei der Apfelernte.

Spricht man in Puch bei Weiz, dem Herzen des Apfellandes, über die heurige Apfelernte, fehlen vielen die Worte oder es wird emotional. Frost, Schneebruch und Hagelschläge haben in Einzelfällen die Ernte bis zu 90 Prozent ausfallen lassen. "Das tut weh und treibt einen beinahe in den Ruin. Wir brauchen dringend Hilfe. Für uns heißt es abwarten, was das nächste Jahr an Ernte bringt und was wir letztendlich an Entschädigung bekommen", sagt der Elzer Obstbauer Werner Pangerl, die Stimme gefüllt mit Resignation, aber doch nach Hoffnung suchend. Hilfe in Form von finanzieller Unterstützung sei zugesagt, betont Bürgermeisterin Gerlinde Schneider, die sich von der ersten Stunde an einsetzte, um für die Apfelregion ein Hilfspaket zu schnüren: "Die Unterstützung soll auch noch im heurigen Jahr ausbezahlt werden." Die Gesamtsumme, die den Apfelbauern zufließen wird, steht derzeit noch nicht exakt fest. Mittel kommen von Land, Bund und EU.
Eine schwierige Zeit steht auch der Obstlagerhalle Puch, wo 63 Mitarbeiter beschäftigt sind, ins Haus. Dazu GF Wolfgang Ilzer: "Wir werden aus Südtirol und Deutschland zukaufen müssen. Die Situation ist schwierig, weil wir warten müssen, bis die Aufträge von unseren Kunden geordert sind. Würden wir vorher einlagern, könnte es sein, dass die Menge zu viel ist. Das ist schwer abzuschätzen. Wir hoffen, dass die Großunternehmen, die wir seit Jahren beliefern, trotz des regionalen Ernteausfalles guten Willen zeigen und bei uns buchen. Ansonsten müssten wir im nächsten Jahr wieder neue Kunden akquirieren." Mit der heurigen Ernte wird man etwa bis Ende dieses Jahres die Kunden bedienen können. Ilzer sieht die Herausforderung in den Obstbetrieben, weil es teils ums Überleben geht.

Josefa Wilhelm, Seniorchefin Obstbau Wilhelm, Lingstätten: "Es ist ein schwieriges Jahr. Das Steinobst ist bei uns zu 100, die Äpfel zu 90 Prozent ausgefallen. Wir können Gott sei Dank von der Anlage unseres Schwiegersohnes, der in Harl und somit höher gelegen ist, Obst zukaufen, damit wir den Ab-Hof-Verkauf abdecken können. Ich sehe die Situation als Lernphase, dass nicht immer alles da ist, was man gewohnt ist. Wir sind unseren Kunden dankbar, wenn sie heuer mit der reduzierten Auswahl zufrieden sind."

Tatsachen

Den Frost am besten überstanden hat die Sorte Golden Delicius. Bei Jona Gold und Idared ist der Ertrag gleich null. Bei Elster und Kronprinz gibt es etwas Ertrag. Der Apfel-Kilopreis, den die Bauern bezahlt bekommen, liegt derzeit bei Rotsorten etwa bei 30 Cent/Kilogramm und bei Grün/Gelbsorten bei 21 Cent/Kilogramm sehr niedrig, und das seit Jahren.
Rund 80 Obstbauern aus der Pucher Gegend liefern ihre Ernte in die Obstlagerhalle.
Insgesamt gibt es in Europa trotzdem Vollernte und somit Überproduktion.
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