15.01.2018, 17:57 Uhr

BERUFUNG ABGELEHNT - BIBEL BLEIBT IN RUSSLAND VERBOTEN

Das Gebäude des Regionalgerichts Leningrad, wo die Verhandlung stattfand.
Ein Berufungsgericht bestätigte einen früheren Gerichtsentscheid, wonach die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in der russischen Sprache als eine „extremistische“ Publikation zu bezeichnen ist. Die Entscheidung ist jetzt rechtskräftig und bestätigt, dass diese Bibel verboten ist und bald in die Föderale Liste extremistischen Materials aufgenommen wird. Es ist jetzt strafbar, die Neue-Welt-Übersetzung an andere weiterzugeben. Schon der Besitz eines persönlichen Exemplars kann eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen oder Schlimmeres.

Gericht ignoriert Beweismangel auf Seiten der „Sachverständigen“
Als die vorsitzende Richterin, Larissa Gorwatowa, Frau Krjukowa, die Leiterin der Sachverständigengruppe, fragte, ob die Neue-Welt-Übersetzung eine Bibel sei, erwiderte sie, die Übersetzung sei keine Bibel im „traditionellen Sinne des orthodoxen Christentums“. Als ein Verteidiger nach nur einem Zitat fragte, in dem die Wiedergabe eines Verses Zeichen von Extremismus aufweise, blieb Frau Krjukowa die Antwort schuldig.

Als die Verteidigung der Zeugen Jehovas danach fragte, welche Kriterien bestimmten, ob die Neue-Welt-Übersetzung eine Bibel ist, erwiderte Frau Krjukowa, die Bibel müsse mit dem „Segen des Patriarchen“ versehen oder mit einer solchen Übersetzung wortgleich sein. Frau Krjukowa wurde dann gefragt, warum die Sachverständigen zu dem Schluss gekommen seien, dass die Neue-Welt-Übersetzung keine „adäquate Übersetzung“ ist. Als weder sie noch die anderen „Sachverständigen“ objektive Kriterien nennen konnten, beendete das Gericht die Befragung der „Sachverständigen“.

Im Schlussplädoyer fragte der Anwalt der Zeugen das Gericht: „Welches rechtmäßige Ziel verfolgt die Staatsanwaltschaft? Was versucht sie zu erreichen? Dass Hunderttausende russischsprechender Bürger, die diese Bibel lesen, sie verbrennen? Oder dass sie sich, sofern sie sie nicht verbrennen möchten, einer Straftat schuldig machen?“

Viele Zeugen Jehovas in Russland sind besorgt wegen der unangemessenen Reaktion der Behörden, die die früheren Entscheidungen durchsetzen, wonach die Schriften der Zeugen als „extremistisch“ gelten. Die russischen Anti-Extremismusgesetze verbieten die Verbreitung von Schriften sowie die vorherige Lagerhaltung, aber bei der Durchsetzung werden die Grenzen jenes Gesetzes weit überschritten.

Es bleibt abzuwarten, wie man in Russland diese Entscheidung als weiteres Mittel benutzt, um die Religionsfreiheit der Zeugen zu unterdrücken.
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