Hightech aus Berndorf
Geschützt ins Weltall mit Beyond Gravity

Betriebsbesuch bei Beyond Gravity. | Foto: Preineder
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Bei Beyond Gravity in Berndorf wird passgenauer Thermalschutz für Satelliten und Raketen produziert und dann exportiert und vor Ort "angezogen". Von der Modeschule ins Weltall mit Beyond Gravity.

BEZIRK BADEN/BERNDORF. Für jede Mission wird der Hitze- und Kälteschutz am Firmensitz in Wien entworfen und von Schneiderinnen - Absolventinnen von Modeschulen - genau gefertigt. Diese werden in einem Reinraum, damit keine Verschmutzungen den Erfolg zunichte machen, zugeschnitten und genäht.

Gestern, am 29.4., besucht Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) gemeinsam mit Jochen Danninger, Klubobmann ÖVP Niederösterreich, und Wirtschaftsstadtrat Franz Haigl (ÖVP) Österreichs größtes Weltraumunternehmen an dessen Thermalproduktionsstandort in Berndorf, wo rund 25 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt sind. Begrüßt wurden die Gäste von Geschäftsführer Wolfgang Pawlinetz.  Beyond Gravity Austria ist mit einer Exportquote von rund 100 Prozent ein Vorzeigebeispiel für die erfolgreiche Exportindustrie im Hochtechnologiebereich.

Jochen Danninger, Klubobmann ÖVP Niederösterreich, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit Raketen des Typs Ariane. | Foto: Preineder
  • Jochen Danninger, Klubobmann ÖVP Niederösterreich, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit Raketen des Typs Ariane.
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Auch gestern erfolgte der erfolgreiche Start eines europäischen Waldsatelliten vom europäische Weltraumbahnhof in Südamerika. Der Satellit wird mit Thermalschutz aus Berndorf vor der extremen Hitze und Kälte im All geschützt.

Hightech-Unternehmen als Export-Vorbild

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer freut sich: "Ihr steht dafür, was wir brauchen. Wir brauchen das Exzellenzbekenntnis, wenn wir uns in der Wirtschaft durchsetzen wollen." Er berichtet, dass österreichs Hightech-Anteil beim Export bei nur 7,7 Prozent liegt, das möchte er ändern. "Ihr seid ein Best Practice Beispiel, da müssen wir hin. Der Fokus auf Schlüsseltechnologie ist notwendig." Er möchte die Förderung zuspitzen, um gezielt Unternehmen zu unterstützen exzellent zu werden.

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Wolfgang Pawlinetz betont die Wichtigkeit von der Förderung der Europäische Weltraumorganisation ESA, die Österreich im Verhältnis wenig fördert, denn es kommt "über die ESA bei uns an." Auch Jochen Danninger freut sich einen Weltmarktführer in Niederösterreich zu haben. 

Pawlinetz bestätigt, dass 60 - 70 Prozent ihrer Materialien von lokalen Lieferanten bezogen werden, also aus Niederösterreich und dem Wiener Raum. Beyond Gravity kann sich bei Preis und Qualität abheben.
 

Thermalschutz aus Berndorf für Europas Waldsatelliten

Am Dienstag, dem 29. April 2025, ist ein europäischer Satellit zur Messung der Wälder in den Weltraum gestartet. Thermalschutz aus Niederösterreich von Österreichs größtem Raumfahrtzulieferer, Beyond Gravity Austria, schützt den Satelliten vor der extremen Kälte und Hitze im Weltraum.

Rund 30 Prozent der Landfläche der Erde sind von Wald bedeckt. Als CO2-Speicher spielen Wälder eine entscheidende Rolle im Klimasystem. Der Waldsatellit „Biomass“ der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) wird den Zustand und die Entwicklung der Wälder beobachten. Der Satellit ist vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Südamerika, an Bord einer europäischen Vega-C-Rakete gestartet worden.

Die goldfärbige Thermalisolation aus Niederösterreich umhüllt den Waldsatelliten und schützt ihn vor der extremen Kälte und Hitze des Weltalls.  | Foto: ESA/ATG Medialab
  • Die goldfärbige Thermalisolation aus Niederösterreich umhüllt den Waldsatelliten und schützt ihn vor der extremen Kälte und Hitze des Weltalls.
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„Wälder sind die grünen Lungen unseres Planeten, sie versorgen uns mit Sauerstoff und speichern Kohlendioxid. Mit dem Umweltsatelliten erfahren wir mehr über die Bedeutung der Wälder für unser Klimasystem. Mit rot-weiß-roter Hochtechnologie wie unserem Thermalschutz tragen wir zum Funktionieren dieses Umweltsatelliten bei“, sagt Wolfgang Pawlinetz.

„Unsere Thermalhülle wird den Waldsatelliten trotz der extrem rauen Umgebung im Weltraum konstant auf Zimmertemperatur halten“, erklärt Pawlinetz, der das Thermal- und Mechanismengeschäft bei Beyond Gravity Austria leitet. Die Thermalisolation besteht aus mehreren Schichten ultradünner Spezial-Polyimidfolien. „Im Vakuum des Weltraums entfaltet unser Thermalschutz eine Isolationswirkung wie eine meterdicke Ziegelmauer.“ 

Wie wirkt sich die Entwaldung auf unser Klima aus?

Der Satellit wird die Erde in einer Höhe von 666 Kilometern umkreisen. Die voraussichtliche Dauer der Mission beträgt mindestens 5,5 Jahre.
 
Wälder beherbergen etwa 80 Prozent der Artenvielfalt an Land, und allein die tropischen Wälder produzieren über 40 Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen. Durch den Klimawandel oder Rodungen wird ein Großteil des in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Durch die Überwachung von Veränderungen der Biomasse können Wissenschaftler die Wirksamkeit von Maßnahmen zum Schutz der Wälder bewerten und die Auswirkungen der Entwaldung auf unser Klima besser verstehen.

Thermalschutz für Satelliten: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit goldenfarbener Thermalisolation für Satelliten bei Beyond Gravity in Berndorf.
 | Foto: Anna Rauchenberger, Beyond Gravity
  • Thermalschutz für Satelliten: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit goldenfarbener Thermalisolation für Satelliten bei Beyond Gravity in Berndorf.
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Die Messung der Masse eines Baumes aus dem Weltraum ist nicht einfach. Seine Masse kann nur indirekt aus strukturellen Parametern abgeleitet werden, z. B. durch Messung des Stammdurchmessers und anschließende Berechnung der Masse. Der Waldsatellit „Biomass“ sendet dazu ein Radarsignal aus. Diese durchdringe nicht nur Wolken, sondern auch das Kronendach des Waldes. Das Signal wird von den Hauptstrukturelementen des Waldes (Stämme, Äste usw.) zurückgestreut. Das gemessene Signal enthält Informationen über die Waldstruktur und kann zur Ableitung von Parametern wie Waldbiomasse und Waldhöhe verwendet werden. Zur Waldbiomasse gehören nicht nur der Baumstamm, sondern auch Rinde, Äste und Blätter.

Beyond Gravity ist Österreichs größter Weltraumzulieferer

Beyond Gravity Austria (vormals RUAG Space Austria) mit Sitz in Wien-Meidling ist mit rund 64 Millionen Euro Umsatz (2024) und rund 240 Mitarbeitenden das größte österreichische Weltraumtechnikunternehmen. Das Hochtechnologieunternehmen rüstet weltweit Satelliten und Trägerraketen mit Elektronik, Mechanik und Thermalisolation aus und hat eine Exportquote von rund 100 Prozent.

Die Firma ist in Europa Marktführer bei Navigationsempfängern, Thermalisolation und Triebwerkssteuerungsmechanismen für Satelliten sowie in den USA für Spezialtransportsysteme für Satelliten. Als Spin-off der Weltraumaktivitäten produziert das Unternehmen auch Thermalisolation für Anwendungen auf der Erde, zum Beispiel für Magnetresonanztomographen in der Medizintechnik. 

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit Thermalschutz. | Foto: Preineder
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Beyond Gravity mit Hauptsitz in Zürich, Schweiz, beschäftigt rund 1800 Mitarbeitende an 12 Standorten in sechs Ländern (Schweiz, Schweden, Österreich, Portugal, USA und Finnland). Beyond Gravity ist der bevorzugte Lieferant von Strukturen für alle Arten von Trägerraketen und führend bei ausgewählten Satellitenprodukten. 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 359 Millionen Schweizer Franken.

Österreichische Navigationsempfänger im Weltraum 

Spitzentechnologie der österreichischen Weltraumfirma Beyond Gravity Austria ist vielfach im Weltraum im Einsatz. So bestimmen beispielsweise Navigationsempfänger aus Wien präzise die Position der Klima- und Umweltschutz-Satelliten „Sentinel“ des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Die Satelliten tragen wesentlich zu einer besseren Klimaforschung bei. Je genauer die Positionsbestimmung der Satelliten durch die Technik aus Wien, desto präziser die gelieferten Klimadaten der Satelliten.

Einsatzorte für Thermalschutz aus Berndorf. | Foto: Preineder
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Fast alle Satelliten der ESA (European Space Agency) sind mit Thermalisolation aus Österreich ausgestattet, darunter Wissenschaftsmissionen wie das Weltraumteleskop Euclid zur Erforschung dunkler Materie und die europäische Mission zu Jupitermonden (beide 2023 gestartet). Ebenso von Austro-Thermalschutz umhüllt, ist die Merkursonde BepiColombo, die 2026 den Planeten Merkur erreichen wird oder die 2020 gestartete US-europäische Sonnenmission „Solar Orbiter“. Auch die derzeit mehr als 30 Galileo-Satelliten, dem „europäischen GPS“, schützt Thermalisolation aus Österreich.

Triebwerksmechanismen für boomenden New Space Markt

Für den stark wachsenden New Space Bereich, mit Konstellationen von hunderten kleinen Telekomsatelliten, entwickelt das Unternehmen hochpräzise Mechanismen für die Ausrichtung der elektrischen Satellitentriebwerke. Auch für Missionen zu fernen Planeten sind solarstrombetriebene Triebwerke Voraussetzung.

Das Thermalschutzproduktionswerk von Beyond Gravity in Berndorf im Triestingtal.  | Foto: Beyond Gravity
  • Das Thermalschutzproduktionswerk von Beyond Gravity in Berndorf im Triestingtal.
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Beispielsweise steuert ein mechanisches Lenksystem von Beyond Gravity die BepiColombo-Sonde während ihrer achtjährigen Reise zum Merkur. Das Unternehmen entwickelt und baut zudem den weltgrößten Mechanismus für elektrische Satellitentriebwerke für die NASA-Weltraumstation Gateway nahe beim Mond.

Container, Transport- und Montagewägen für Satelliten

Beim Transport von Satelliten und bei Satelliten-Fertigungsarbeiten auf der Erde ist ebenfalls Technik von Beyond Gravity Austria gefragt. Mehr als 80 sogenannte „Multipurpose Trolleys“, also Montagewägen, mit denen Satelliten bewegt, gedreht und gekippt werden können, hat Beyond Gravity Austria an Satellitenbauer in Europa und in den USA geliefert. Ein solches Spezialgerät drehte und kippte etwa das rund zehn Milliarden Dollar (8,84 Milliarden Euro) teure James-Webb-Teleskop der NASA.

Der europäische Waldsatellit „Biomass“ untersucht den Zustand der globalen Wälder. | Foto: ESA/ATG Medialab
  • Der europäische Waldsatellit „Biomass“ untersucht den Zustand der globalen Wälder.
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Beim Transport der Satelliten von der Fertigungsstätte zum jeweiligen Weltraumbahnhof schützen spezielle High-Tech-Satellitencontainer aus Wien die wertvolle Fracht vor Erschütterungen und Verunreinigungen. Die Container funktionieren wie mobile Reinräume, eine integrierte Klimaanlage sorgt für stabile Temperaturverhältnisse. 

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit einer kleinen Ariane 6. | Foto: Preineder
  • Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wolfgang Pawlinetz, Geschäftsführer Beyond Gravity Austria mit einer kleinen Ariane 6.
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Für den wachsenden kommerziellen Raumfahrtmarkt − abseits von institutionellen Kunden wie ESA − liefert Beyond Gravity Austria die gesamte Produktpalette von Elektronik, Thermalisolation, Mechanik und Bodenausrüstung. Kunden sind private Unternehmen, die beispielsweise im Telekommunikationsbereich tätig sind und mittels Satellitentechnik das Internet in entlegene Regionen der Welt bringen möchten.

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