09.10.2017, 17:44 Uhr

"Smombies" sollen umdenken

Im Rahmen einer neuen Verkehrssicherheitsaktion verwandelt das KFV Österreichs Straßen in „Safer Streets“. Österreichweit werden an von Fußgängern stark frequentierten Straßenabschnitten Laternenmasten mit weichen Airbags gepolstert. Der provokante Slogan „Ob das nächste Auto auch so gut gepolstert ist? Schau auf dich und nicht aufs Handy!“, der auf allen „Laternenairbags“ abgedruckt ist, soll vor allem Fußgänger – aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer – daran erinnern, wie wichtig volle Aufmerksamkeit (Foto: RMA Archiv)
BEZIRK BADEN. Ja, auch Ihrer Redakteurin ist es schon passiert: "Während eines Urlaubs in Italien war ich damit beschäftigt, auf Google-Earth meinen Weg zu einer Aussichtsplattform zu finden. Plötzlich machte es Krach und ich sah Sternderln. Ich war gegen einen Laternenmast geprallt. Ich hatte Glück, war kurz benommen und konnte dann weitergehen", erzählt Gabi Stockmann, die auch heute noch erstaunt ist, welche Wucht ein ungebremster Aufprall aus Schrittgeschwindigkeit entwickeln kann.

Unachtsamkeit nimmt zu
Unachtsamkeit und Ablenkung sind seit Jahren Unfallursache Nummer 1. Immerhin ereigneten sich im Vorjahr in Niederösterreich 200 Unfälle mit abgelenkten Fußgängern, zwei davon endeten tödlich. "Es hat den Anschein, dass fast jede zweite Person beim Queren einer Straße etwas ins Handy tippt, diese Unaufmerksamkeit hat stark zugenommen", so der Verkehrsreferent der Polizeiinspektion Baden, Karl Stix, über seine Beobachtungen. Diese Entwicklung rief nun das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) auf den Plan: Österreichweit werden im Rahmen der Aktion "Schau auf dich und nicht aufs Handy" Laternenmasten mit weichen Airbags gepolstert.
Die Airbags tragen die Aufschrift "Ob das nächste Auto auch so gut gepolstert ist?" Ein zusätzliches Highlight der Aktion sind Gstanzlsänger, die abgelenkte Fußgänger mit spontanen, an die Situation angepassten Gstanzln zu mehr Achtsamkeit aufrufen.
Joelle Kussnow aus Bad Vöslau kann dazu nur sagen: "Ich hoffe, diese Laternen-Airbag-Aktion ist nur ein schlechter vorgezogener Aprilscherz!" Und Sissy Rosenbichler aus Baden ergänzt: "Wird von den Handy-Dauertippslern nun eine Gebühr eingehoben?"
Es gibt aber auch Befürworter, wie etwa den St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler, in dessen Stadt die Airbags erstmals montiert wurden. "Ich hoffe, wir können die Smombies zu mehr Achtsamkeit animieren." Sie wissen nicht, was ein Smombie ist, hier ist des Rätsels Lösung: ein Smartphone-Zombie. In Vor-Smartphone-Zeiten nannte man solche Art Zeitgenossen übrigens "Hans-Guck-In-Die-Luft".

Strafen gibt es keine
Gestraft werden können Smombies übrigens nicht. "Da hat schon jeder eine Eigenverantwortung!" betont der Badener Verkehrsreferent.
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