Gelebte Nächstenliebe
- hochgeladen von Barbara Ebner
Der „Florian“ ging heuer an Siegrid Pammer aus Friedburg, Obfrau der „Zeitbank für Alt und Jung“.
BEZIRK (ebba). Die Zeitbank ist ein gemeinnützig, sozial agierender Verein, der zur Sicherung der Lebensqualität im Alter beiträgt. Das System basiert auf dem Prinzip Geben und Nehmen. Die Mitglieder verfügen über ein Zeitkonto. Für geleistete Nachbarschaftshilfe bekommen sie auf dieses Konto Zeit gutgeschreiben oder abgezogen, wobei man nie ins Minus geraten kann. Wer selber keine Leistungen mehr erbringen kann, oder keine Gutstunden hat, kann Stunden zu je 3,50 Euro erwerben. Das Geld wird schließlich für Verwaltungsaufgaben und soziale Sonderprojekte in der Gemeinde verwendet.
Pro Monat werden durchschnittlich 50 Stunden geholfen. In den Bereichen Gartenarbeit, Transportdienst, Besuchsdienst, Arbeiten im Haus und kleine Reperaturen wird am meisten Hilfe benötigt.
„Unsere Mitglieder sind schon sehr familiär zusammengewachsen und haben ein starkes Netzwerk aufgebaut. Ich bin stolz auf unsere fleißigen Helfer“, sagt Pammer. Bisher hat sie ehrenamtlich sechs neuen Zeitbankvereinen beim Aufbau geholfen. Zum Florian-Bezirkssieg sagt sie: „Ich bin total hin und weg. Ich wusste überhaupt nichts von einer Nominierung. Umso schöner ist es, gewonnen zu haben, da ich keinerlei Erwartungen hatte. Da fällt man wirklich aus allen Wolken.“
Die Obfrau investiert viele Stunden in die Betreuung der Vereins-Homepage. Außerdem bereitet sie für das allmonatliche „Z‘sam sitzn“ stets eine Powerpoint-Präsentation vor, in der sie über Ereignisse und Erfahrungen berichtet. „Es ist schön, wenn sich die Mitglieder auf den Fotos wiedererkennen. Auf diesem Weg wird auch ihre Arbeit gewürdigt“, weiß Pammer.
Geburtstagsgratulationen, Besuche bei älteren Menschen und Anrufe gehören ebenso zu ihrer Obfrau-Tätigkeit. „Ich mache das, weil ich große Freude daran habe und weil ich irgendwann selbst in die Lage kommen werde, wo ich Hilfe benötige. Zudem ist es eine sinnvolle Beschäftigung in meiner Pension.“
Die Zeitbank gibt es nun seit sieben Jahren in der Gemeinde Lengau. „Vor vier Jahren haben wir uns vom Dachverein Zeitbank 55+ abgekoppelt und unter dem neuen Namen weitergemacht. Wir sind glücklich darüber, selbstständig zu sein. Dadurch konnten wir auch unsere Statuten vereinfachen“, so die Florian-Bezirkssiegerin. Besonders stolz ist sie auf die Eintragung der Zeitbank-Idee als „Good practice“-Beispiel in die Homepage „European Observatory Cities and Towns for All“ (Europäische Beobachtungsstelle für Städte und Gemeinden für alle). „Dort scheinen wir als einziges österreichisches Projekt auf. Das ist schon etwas Besonderes.“
Pammer will sich in Zukunft vor allem darauf konzentrieren, die nächste Generation ins Boot zu holen. Die Erfahrung zeige, dass vor allem die 60- bis 69-Jährigen besonders viel Hilfe leisten. Bei den Jüngeren geht die Kurve steil bergab. „Für Lebensqualität muss man selber sorgen. Wenn sich immer wieder genügend Helfer finden, ist alles gut. Für mich ist es das Schönste, wenn jemand uns beitritt und sagt, er weiß was er geben kann – anstatt, ich weiß was ich brauchen kann.“ Derzeit sind 115 Mitglieder bei der „Zeitbank für Alt und Jung“.
Nähere Infos zum Verein unter: www.zeitbank-altjung.at
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