Wunschzettel: Eine Wohnung

30 Männer und Frauen haben 2016 im Notquartier Innviertel eine vorübergehende Bleibe gefunden.
  • 30 Männer und Frauen haben 2016 im Notquartier Innviertel eine vorübergehende Bleibe gefunden.
  • Foto: panthermedia-net_olly18
  • hochgeladen von Petra Höllbacher

BRAUNAU (höll). Eine Wohnung. Das wünschen sich Wohnungslose zu Weihnachten. Zumindest jene, die in einer der beiden Braunauer Notunterkünfte ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

"Es geht oft schleichend: Man verliert die Arbeit, kann die Miete nicht mehr zahlen, dann kommt vielleicht noch eine psychische Erkrankung dazu. Die Gründe, warum Menschen obdachlos werden sind vielfältig", weiß Quirin Stimpfl-Abele. Er ist Sozialbetreuer bei der Wohnungslosenhilfe der Caritas und betreut die Obdachlosen im Innviertel.

Sechs Plätze bieten die beiden Notwohnungen. Zwei für Frauen, vier für Männer. 2016 haben 30 Menschen dort eine Schlafmöglichkeit gefunden. Doch wer sind diese Menschen? Sozialarbeiter Wolfgang Wimmer-Berg räumt mit klassischen Vorurteilen auf: "Es sind zu 95 Prozent Österreicher. Doppelt so viele Frauen wie Männer - alle zwischen 18 und 70 Jahre alt. Es sind Menschen ohne Ausbildung, teilweise aber auch Akademiker und immer wieder auch Pensionisten." Jedes Schicksal ist anders." Viele Klienten der Wohnungslosenhilfe kommen über andere soziale Einrichtungen in die Notwohnung: "Manche kommen direkt aus der Haft. Viele auch direkt aus dem Krankenhaus. Manche sind einfach aus dem System ausgestiegen. Wir helfen ihnen dann, wieder zurückzufinden.", erklärt Wimmer-Berg.

"Unser erstes Ziel: Etwas besseres finden, als die aktuelle Situation."

Drei Monate dürfen die Wohnungslosen in der Notunterkunft bleiben: "In dieser Zeit ist unser erstes Ziel: Etwas besseres finden, als die aktuelle Situation", so Stimpfl-Abele. Für Obdachlose ist eines ganz essentiell: Eine Anschrift. "Sie können bei uns einen Wohnsitz anmelden. Dann schauen wir, dass sie sich beim AMS melden, Mindestsicherung beantragen und sich bei den Wohnungsgenossenschaften melden." Die Unterstützung durch die Sozialbetreuer zeigt Wirkung. Von den 30 Nächtigern im Jahr 2016 fanden vier eine eigene Wohnung, fünf sind in eine - von der Caritas finanzierte - Übergangswohnung gezogen, zwei kamen in ein Wohnheim und 15 nahmen die Hilfe von Verwandten und Bekannten in Anspruch. "Manche kommen aber auch wieder", weiß Wimmer-Berg.

In der Notunterkunft herrschen strenge Regeln. Drogen, Alkohol und Waffen sind verboten. "Süchte sind immer wieder, aber nicht zwingend, ein Thema", so Stimpfl-Abele. Auch müssen die Bewohner einen Kostenbeitrag leisten, selbst einkaufen, kochen und putzen. Die sechs Schlafplätze sind fast immer belegt. "Die nächste Notschlafstätten sind in Vöcklabruck oder Wels.

Die Weihnachtszeit macht einigen der Bewohner zu schaffen: "Manchen Betroffenen ist Weihnachten nicht wichtig - das ist aber wohl auch ein Selbstschutz. Andere werden zu den Feiertagen von der Familie eingeladen. Die Situation der Betroffenen bleibt ja meistens der Verwandtschaft nicht verborgen", so Stimpfl-Abele. Gemeinsam mit den Bewohnern veranstalten die Sozialarbeiter ein kleines Weihnachtsfest. Auch ein Geschenk wird es geben. Doch der größte Wunsch der Bewohner ist nur einer: "Eine eigene Wohnung".

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