10.04.2017, 15:00 Uhr

Proof: Der Elektrobaukasten für Entwicklungsingenieure

Was genau geschieht eigentlich im Prüflabor „Proof“ im Techno-Z Braunau? Wir haben uns die Einrichtung von Techno-Z-Geschäftsführer Herbert Ibinger erklären lassen.

BRAUNAU (ebba). Firmen, die elektronische Komponenten entwickeln, müssen, bevor sie mit ihren Produkten in den Markt gehen, nach verschiedenen Normen nachweisen, dass diese Produkte nicht andere Geräte in deren Funktion stören. So darf beispielsweise ein Handy einen Herzschrittmacher nicht beeinträchtigen.„Dahinter steckt die sogenannte Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Jedes Gerät hat eine Strahlung in einer gewissen Frequenz“, erklärt Techno-Z-Geschäftsführer Herbert Ibinger.

Im Prüflabor können Störfestigkeit und Störaussendung der Produkte gemessen und die elektrostatische Entladung simuliert werden. „Wir ermitteln und simulieren Störfrequenzen, schauen, welche Signale elektrische oder elektronische Geräte stören.“ Wenn zum Beispiel ein Notstromaggregat von einem Funk-gesteuerten Autoschlüssel in Gang gesetzt wird, weil beide im selben Frequenzbereich arbeiten.

Je nachdem, in welchen Markt man sein Produkt einführen möchte, gibt es dafür unterschiedliche Normen: Von Ö-Norm, DIN, über CSA bis hin zur ISO-Zertifizierung nach internationalen Standards. Die jeweilige Norm gibt vor, wie der Prüfaufbau aussehen muss und welche Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen.

„Es macht auf jeden Fall Sinn, wenn Ingenieure noch in der Phase der Entwicklung eines Produktes zu uns kommen. So können Probleme rechtzeitig ausgemerzt werden. Wir verfügen auch über eine kleine Werkstätte mit verschiedensten elektronischen Bauteilen, die die Entwicklungsingenieure für ihre Tests verwenden können. Damit lässt sich viel Entwicklungszeit sparen“, so Ibinger.

Das Prüflabor wurde 2004 eröffnet, um diese Dienstleistung in der Region anbieten zu können. „Es gibt viele Elektrotechnikfirmen bei uns. Von Delvotec bis Audio Mobil. Wir sprechen aber auch Firmen über die Grenze hinweg an, haben Kunden aus dem Kfz- und Industriebereich in ganz Österreich, und auch in Deutschland.“

Ibinger ist es wichtig zu betonen, dass es sich bei „Proof“ nicht um ein akkreditiertes Labor handelt. „Bei uns können die Produkte während der Entwicklungsphase geprüft werden. Ist das Produkt dann so weit, in den Markt zu gehen, braucht es ein akkreditiertes Labor, das einen normkonformen Prüfbericht ausstellen kann. So wie unser Partnerlabor, das EMV Testhaus in Straubing. Bei uns im Proof erhalten Ingenieure lediglich einen Prüfbericht in Anlehnung an die Norm.“

Eine Besonderheit im Prüflabor ist die Absorberhalle, die für Messungen komplett mit Ferriten und Absorbern verkleidet wurde, um Störsignale von außen zu vermeiden. „Da reflektiert nichts mehr, es ist keine externe Strahlung mehr möglich“, erklärt Ibinger. Des weiteren gibt es eine Blechhalle mit umfangreichem Mess- und Prüfequipment, das Störaussendung und Störfestigkeit ermittelt. „Man sollte erst mit etwas in den Markt gehen, wenn man sicher ist, dass das Produkt auch funktioniert“, rät Ibinger.
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