MeinBezirk Award
Glaskünstlerin Lisa Lehner schafft einzigartige Trophäen aus Altglas
Im Jahr 2024 gewann die diplomierte Glaskünstlerin Lisa Lehner den Raiffeisen Nachhaltigkeitspreis nun kreiert die Siegendorferin die neun MeinBezirk-Award-Trophäen. In ihrer Glasmanufaktur "Kuglerei" gab sie Einblicke in ihr nachhaltiges Kunsthandwerk.
SIEGENDORF. Es riecht nach Glasstaub und Werkstatt. Sägen summen, Schleifmaschinen surren, im Hintergrund kühlt ein Brennofen langsam aus. Auf einer Werkbank liegen grüne, braune und transparente Glasringe. Aus ihnen werden später jene neun Trophäen, die beim MeinBezirk Award an Menschen verliehen werden, die ihre Region mit besonderem Engagement prägen. Gefertigt werden sie von der Siegendorfer Glaskünstlerin Lisa Lehner. In ihrer Glasmanufaktur „Kuglerei“ entstehen aus ausgedienten Weinflaschen einzigartige Kunstwerke.
Der Weg zur Trophäe
Als die Anfrage kam, die MeinBezirk-Award-Trophäen zu gestalten, musste Lehner nicht lange überlegen. Sie freue sich besonders darüber, ihre Handschrift in eine Auszeichnung einbringen zu können, die Menschen für ihr Engagement vor den Vorhang holt. Bis eine Trophäe fertig ist, sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig. Zunächst werden die Weinflaschen gereinigt und in Ringe gesägt. Anschließend wählt Lehner passende Farben und Größen aus und arrangiert sie im Brennofen, wo das Glas rund 20 Stunden lang schmilzt und wieder abkühlt. Danach werden die einzelnen Elemente gereinigt, geschliffen und mit speziellem UV-Kleber auf einem handgefertigten Glassockel befestigt. Trifft Licht auf die verschiedenen Glasfarben, entstehen immer neue Farbspiele – ein Effekt, den Lehner bewusst in ihre Arbeiten integriert. Den Abschluss bilden sorgfältiges Polieren und Feinarbeiten, damit das Licht später die Farben und Strukturen des Glases optimal zur Geltung bringt.
„Jedes Stück entwickelt sich anders“, sagt Lehner und blickt auf den Brennofen. Das Resultat nach der Schmelz- und Abkühlphase, lasse sich nie vollständig vorhersagen. „Das Glas entscheidet am Ende selbst.“ Gerade dieses Spannungsfeld zwischen handwerklicher Präzision und dem Eigenleben des Materials fasziniert die Künstlerin. Wenn sich der Brennofen wieder öffnet, sei das ein ganz besonderer Moment. „Ich bin immer gespannt, was entstanden ist.“
Die Faszination des Kreises
Die Trophäen bestehen aus geschichteten Glasringen, die aus regionalen Weinflaschen geschnitten werden. „Ich mag es, wenn im Leben alles rund läuft“, schmunzelt die Siegendorferin. Glas komme diesem Gedanken auf natürliche Weise entgegen. Sobald das Material schmilzt, verliere es seine Kanten und finde zu runden Formen. Diese Vorliebe spiegelt sich auch in den MeinBezirk-Award-Trophäen wider. Die übereinander geschichteten Glasringe stehen nicht nur für handwerkliche Präzision, sondern auch für Verbindung, Zusammenhalt und den Gedanken, dass aus vielen einzelnen Elementen etwas Neues entstehen kann.
Ein seltenes Handwerk
Dass Lisa Lehner heute die einzige Glasmanufaktur im Burgenland betreibt, war nicht von Anfang an geplant. Nach der Matura suchte sie nach einem kreativen Werkstoff und fand ihn an der Glasfachschule in Kramsach in Tirol, der einzigen Bildungseinrichtung Österreichs mit einer derart spezialisierten Ausbildung. 2022 erfüllte sie sich schließlich den Traum einer eigenen Werkstatt in ihrer Heimatgemeinde Siegendorf. Seither verbindet sie traditionelle Glasbearbeitung –von Sandstrahlen und Gravieren über das Schleifen bis zum Glasschmelzen – mit zeitgemäßem Design und nachhaltigem Denken. Die manuelle Glasbearbeitung zählt heute zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.
Aus Altglas wird Wertvolles
Neben ihrer Ausbildung in Tirol hat die Siegendorferin auch Forstwirtschaft studiert. "Für mich ist Nachhaltigkeit sehr wichtig. Daher war für mich klar, dass ich, wenn ich ein Unternehmen gründe, meine Expertise aus beiden Bereichen zusammenbringe, um ein nachhaltiges Produkt zu erschaffen", sagt Lehner.
Speziellen Wert legt sie dabei auf regionale Ressourcen und erneuerbare Energie. Lehner repariert beschädigte Glasobjekte, verarbeitet Erinnerungsstücke zu neuen Alltagsgegenständen und zeigt, wie aus vermeintlichem Abfall wieder etwas Wertvolles entstehen kann. Leere Flaschen aus der Region werden zu Trinkgläsern, Karaffen, Schalen oder Lichtobjekten und nun auch zu Auszeichnungen. „Im Grunde ist meine Arbeit gelebte Kreislaufwirtschaft“, so Lehner. Die meisten Flaschen stammen von regionalen Winzern oder werden ihr von Menschen gebracht, die ihnen eine zweite Bestimmung geben möchten. Selbst die Energie für den Brennofen stammt großteils aus der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach.
Workshops
Der Kreativität sind in ihrem Job keine Grenzen gesetzt, was auch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Workshops zu schätzen wissen. "Am meisten Spaß machen mir die Glasworkshops, bei denen die Teilnehmenden ihre individuellen Vorstellungen beim Sägen, Schleifen, Sandstrahlen, Malen oder Schmelzen selbst umsetzen können. Die große Begeisterung über die Ergebnisse und die gemeinsame produktive Zeit mit Familie, Freundinnen und Freunden oder Arbeitskolleginnen und -kollegen freut mich besonders", erzählt die Glaskünstlerin.
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