Eugen Freund: „Die EU verzettelt sich“

Eugen Freund (SPÖ)

WOCHE: Was hat sie bewogen, für das EU-Parlament zu kandidieren?

FREUND: Ich habe 40 Jahre lang immer nur Fragen gestellt, warum Entscheidungen zustande kommen. Jetzt habe ich die Chance bekommen, selbst an der Lösung von Problemen mitzuwirken. Das ist eine einmalige Sache. Wenn man sich Europa anschaut und sieht, wie viele Probleme es hier gibt, hat man große Lust.

Was können Sie beitragen, wenn es etwas um Jugendarbeitslosigkeit geht?

Europapolitik kann viel mehr beitragen, als viele glauben. Große internationale Konzerne führen 1.000 Milliarden Euro an Steuern nicht in den Ländern ab, in denen das Geschäft gemacht wird. Das Geld wird in Steueroasen geparkt. Wenn man hier strengere Regeln einführen würde und man zumindest zehn Prozent bekommen würde, wären das 100 Milliarden Euro. Verglichen mit den sechs bis acht, die jetzt für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung gestellt wurden, wäre das ein großer Brocken.

Welche Themen sehen sie derzeit als große Herausforderung für die EU?

Ganz sicher die Ukraine. Wir stehen am Rande eines Krieges – das meine ich nicht nur geographisch. Dass wir uns gerade heuer – hundert Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkrieges – wieder mit Nationalismus beschäftigen müssen, wo wir wissen, wohin er uns geführt hat, ist besonders traurig. Wir sind der Meinung, dass man nicht Öl ins Feuer gießen, sondern auf diplomatischer Ebene eine Lösung finden sollte.

Sie treten klar gegen rechtspopulistische Politiker in der EU auf...

Die Blauen erzählen uns das Blaue vom Himmel. In vielen Bereichen gibt es keine Lösungsvorschläge von ihnen, sondern nur Geschwafel. Wenn man sich die Politik in der Eu ansieht, weiß man, dass sie nicht einen einzigen Antrag eingebracht haben. Sie haben Null bewegt im Parlament. Und jetzt sagen sie, in Zukunft wird das anders werden, weil wir eine große rechte Bewegung bilden, alle nationalistischen Parteien vereinen sich zu einer großen nationalistischen Bewegung. Das ist ein Widerspruch in sich. Weil jede nationalistische Partei nur an ihrem eigenen Staat interessiert ist.

Die rechten Parteien kritisieren auch die EU.

Man muss die EU-Kritiker auch ernst nehmen. Wir sind auch der Meinung, dass sich die EU verzettelt, dass zu viel klein-klein diskutiert wird. Aber die wirklich großen Fragen, wie die Finanztransaktionssteuern oder eine gemeinsame Energie-Politik, bleiben ungelöst oder werden verwässert.

Die Wahlbeteiligung in Kärnten lag 2009 bei 36 Prozent.

Sie war hier extrem schlecht, deshalb hoffe ich, dass sie gerade in Kärnten ansteigt.

Warum sollten die Kärntner zur EU-Wahl gehen?

Weil Kärnten viel von der EU profitiert hat, ein Netto-Empfänger ist. Und weil wir die offenen Grenzen gar nicht hoch genug schätzen können. Die Vorteile kommen Kärnten als Land an der doppelten Grenze besonders zugute.

Hat die EU ein Marketingproblem?

Das besteht insofern, weil so viele tolle Projekte und Unternehmen von der EU gefördert werden, es aber nirgends steht. Ich möchte, dass ein Europa-Zeichen auf solche Projekte ist.

Haben Sie mit Anfeindungen gerechnet?

Ich habe schon gewusst, dass die Hakeln tief fliegen werden. Aber, dass man mich einer Spionage-Tätigkeit beschuldigt und am dritten Tag herauskommt, dass ich nicht spioniert habe, sondern ausspioniert wurde ... und ich muss drei Tage lang dagegen ankämpfen. Dass ich mich damit auseinandersetzen muss ist der Gipfel der Frechheit.

Ihr persönliches Ziel für die Wahl?

Erster zu werden. Das würde mich sehr freuen. Und, dass sich mehr Menschen an dieser Wahl beteiligen.

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