Ein Mann für jede Uhrzeit

Pfleger Jozef Kopor hält neben aller Pflegetätigkeiten auch den Haushalt perfekt in Schuss und ist dabei noch gut gelaunt.
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PEUERBACH (bic). Jozef Kopor wuchs auf in Lučenec, einer Stadt mit etwa 28.500 Einwohnern in der südlichen Mittelslowakei. Die Arbeitslosigkeit in Lučenec ist hoch. Nach der Matura wollte Jozef in der Heimat bleiben, während die meisten seiner Freunde ihr Glück im 245 km entfernten Bratislava versuchten oder ins Ausland zogen, bevorzugt nach England. Jozef fand eine Stelle als Zolldeklarant, doch die Bezahlung war niedrig. „Außerdem habe ich immer schon lieber mit Menschen gearbeitet, als im Büro“, sagt er. Seine Mutter erzählte ihm damals oft von ihren Freundinnen, die als Pflegerinnen nach Österreich gingen, wo sie allerdings im Rahmen einer illegalen Tätigkeit, ohne Rechtsschutz und sozialversicherungsrechtliche Absicherung tätig waren.

Muskeln und Vorurteile

Als 2009 die Pflege durch ausländische Betreuungskräfte in Österreich legalisiert wurde, entschied auch Jozef sich für diesen Weg. Als männlicher Pfleger ist er Teil einer Minderheit, denn etwa 95% der slowakischen Pflegekräfte sind Frauen. Wenn es geht, wird ein Mann eher für die Pflege eines Mannes eingeteilt. Schon allein, weil das Heben viel Muskelkraft erfordert. Bei seinen älteren Geschlechtsgenossen hat Jozef immer wieder mit dem Vorurteil zu kämpfen, Männer könnten nicht kochen oder einen Haushalt ordentlich führen. Primär ist ein Pfleger für die Unterstützung bei der Körperpflege und bei der Bewältigung des Alltags zuständig. „In Wirklichkeit bin ich aber Mädchen für alles“, schmunzelt der 28-Jährige, der derzeit einen querschnittgelähmten Mann in dessen barrierefreien Wohnung betreut.
Für die Arbeit sind Kraft und Humor von Vorteil. Alle zwei Wochen wird gewechselt - ein zweiter Betreuer übernimmt das Ruder, und Jozef tritt die siebenstündige Reise in die Heimat an. „Es ist fast wie ein Doppelleben“, meint er. Solange er noch jung und ledig ist, kann er gut damit umgehen. Seinen Kolleginnen fällt es aber oft sehr schwer, ihre Kinder immer wieder verlassen zu müssen, besonders wenn diese noch klein oder krank sind.

Erholungspflicht

Jeder Betreuungskraft steht pro Tag eine Freizeit von zwei Stunden zu. In dieser Zeit treffen sich die Pflegerinnen auch oft untereinander, um ihre Erfahrungen auszutauschen, die sehr unterschiedlich sind. Manche der älteren Menschen leben gefühlsmäßig noch in der k.u.k. Monarchie, wo sich wohlhabende Österreicher eine böhmische Köchin oder eine slowakische Putzfrau geleistet haben. Andere Klienten haben in der Kindheit große Armut erlebt. So sitzen sie auch heute noch lieber im Finsteren, um Strom zu sparen, oder gestehen ihrer Pflegerin nur jeden zweiten Tag eine Dusche zu. „Wir 24-Stunden-Pfleger ermöglichen Menschen, ein weitgehend eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu führen“, so Kopor. Das Engagement der Pfleger sollte aber nicht ausgenutzt werden. Manche gelangen bei der Betreuungsarbeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wenn sie zusätzlich noch um eine weitere Arbeit ersucht werden, trauen sie sich diese oft nicht abzulehnen, aus Angst die Stelle zu verlieren. Von Rasen mähen, Brennholz hacken, Obst klauben, Hecke schneiden, Kühe melken oder Heu rechen steht nichts im Betreuungsvertrag. Hier sind die Angehörigen gefragt. Es könnte ja auch ein Enkelsohn auf Besuch kommen und für den Opa den Rasen mähen.

Obwohl er in der Stadt aufgewachsen ist, fühlt er sich in Peuerbach ganz zuhause. Schade ist nur, dass so viele Bars und Cafés nicht rollstuhlgerecht sind. Da ist es gut, dass er die Natur liebt und gerne wandert. „Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue und es ist ein schöner Tag, sehe ich die Alpen in der Ferne, das ist wunderschön!“

Pfleger Jozef Kopor hält neben aller Pflegetätigkeiten auch den Haushalt perfekt in Schuss und ist dabei noch gut gelaunt.
Dank seinem 24-Stunden-Pfleger kann der seit seinem 16. Lebensjahr querschnittgelähmte Alex Koller zum ersten Mal in einer eigenen Wohnung leben.
Autor:

Birgit Chalcraft aus Grieskirchen & Eferding

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