Pater Ferdinand Karer
"Der Glaube hat mit Vertrauen zu tun"

Pater Ferdinand Karer im Gespräch
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PRAMBACHKIRCHEN. Pater Ferdinand Karer wollte ursprünglich Architekt werden – wie ihn sein Weg zum Orden der Oblaten des heiligen Franz von Sales führte und wie er anfing, am Gymnasium Dachsberg zu unterrichten, verrät er im Interview.

Wie haben Sie zur römisch-katholischen Kirche gefunden?

Das war eher durch mein Elternhaus bedingt. Ich hab' in einem relativ christlichen Elternhaus gelebt. In meiner Kindheit, die ja doch schon etwas länger zurückliegt, war das gang und gäbe. Ich bin im Innviertel in Höhnhart aufgewachsen, in einer landwirtschaftlichen Familie. Meine Eltern hatten eine Landwirtschaft. Ich hab' vier Geschwister, und wir sind in einem religiösen Umfeld groß geworden.

Wie erlebten Sie das als Kind?
Für meine Eltern war der Glaube schon etwas sehr wesentliches. Für mich als Kind war es immer eine Abwechslung am Sonntag. Das war ein besonderer Tag, da hat es etwas besseres Essen gegeben. Ich hab einmal mehr und einmal weniger mit dem Glaube anfangen können aber prinzipiell kann man sagen, dass ich dadurch gelernt habe, dem Leben zu vertrauen. Das hat ganz stark mit Urvertrauen zu tun. So ist das langsam gewachsen.

Hatten Sie noch andere Ziele?
In meiner Kindheit war ich in einem Internat, das waren sehr gute Jahre. Da wurde mir auch viel in Richtung Glaube vermittelt. Ich wollte eigentlich nie in den Orden eintreten. Mein Traumberuf wäre immer Architekt gewesen. Ein zweiter hat mit Theater zu tun. Ich wollte immer was mit Regie machen, das waren so meine Hobbies. Ich hab meinen ersten Freundinnen immer Pläne von unseren gemeinsamen Häusern geschickt. Ich war in Schlierbach im Internat und da kamen dann wöchentlich neue Bungalow-Pläne von mir.

Wie kamen Sie zum Orden der Oblaten des heiligen Franz von Sales?
Es kam dann anders und nach der Matura 1980 trat ich in den Orden ein. Das waren für mich sehr intensive Jahre, vor allem das erste Jahr. Da hat man eigentlich wenige Aufgaben und hat irrsinnig viel Zeit für sich selbst und die Auseinandersetzung mit dem Glaubensleben. Dieses Jahr hat mich in einer besondern Weise geprägt. Das war 1980 und seither bin ich Ordensmann, mit Höhepunkten und auch Tiefpunkten. Aber im Wesentlichen blicke ich auf ein Leben zurück, das ich immer wieder vom Glaube getragen weiß. Für mich geht es weniger um die Normen der katholischen Kirche als um die Freiheit, die mir ein Gott schenkt. Man kann dadurch auch mutiger durchs Leben gehen. Ich kann sagen: Ich bemühe mich, aber ob es gelingt, hängt letztendlich nicht von mir ab. Das ist bis jetzt etwas, was ganz gut funktioniert.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Glaube und Religion?
Der Glaube hat mit Vertrauen zu tun. Die Religion ist sozusagen das Bekenntnis, dass dieser Gott auch einen bestimmten Namen hat. Die Religion ist der Weg, der mir da letztendlich eine Gottesbeziehung ermöglicht und eine Glaubensdimension verleiht. Aber die Religion ist eher das Handwerk, die Form und der Inhalt sind das Göttliche. Zu jedem Inhalt braucht es eine Form.
Religion kommt vom Begriff „Religio“ und das heißt, sich zurückgebunden wissen. Das bedeutet für mich, sich in einem Gott eingebunden zu wissen, was auch immer dieser Gott ist. Die Vorstellung von Gott ist für mich das größere Du. Es ist auf alle Fälle etwas, was vielleicht als Spiegelbild in mir grundgelegt ist, aber es ist das höhere Du. Es ist auf alle Fälle nicht „Ich“. Das würde unserer Zeit recht gut tun, die Idee von einem Gott zu stärken. Mein Gottesbild ist nicht durch einen strafenden Gott gerichtet und auch nicht durch einen Gott, der unmittelbar in mein Geschehen eingreift. Wenn etwas passiert ist, sagt mir der Gott nicht, was ich tun soll. Für mich ist er eher eine unsichtbare, schützende Hand. Geprägt durch die Attribute Liebe, Vergebung, Toleranz, Redlichkeit,… das ist alles, was ich mit einem Gott verbinde.

Sie haben Theologie studiert – erzählen Sie ein bisschen darüber.
Ich hab schnell gemerkt: Theologie alleine ist mir zu trocken. Dann hab ich noch mit Germanistik begonnen. Ich hab Theologie zunächst in Bayern studiert, dort war damals unser Ausbildungshaus. Dann begann ich mit Germanistik, da bin ich nach Wien gegangen. Dort hab ich dann beides gemacht. Fachtheologie und kombinierte Religionspädagogik und Germanistik hab ich dann gekoppelt. Das ist eine sehr schöne Kombination. Ich hab in meiner Zeit aber viel mehr Deutsch als Religion unterrichtet. Ich hab jetzt noch eine Klasse, die ich in Deutsch unterrichte. Zurzeit pausiert das aber. Das hat zu tun mit der Baustelle und einer Kollegin, die noch Stunden gebraucht hat. Jetzt hab ich ihr die Klasse bis zum Schulschluss sozusagen geliehen. Ich werde aber nächstes Jahr die Klasse wieder übernehmen und mit der dann maturieren. Das sind Siebtklässler. Das ist jetzt auch gegangen ohne gröberer Auswirkungen für die Klasse selbst, das wurde gut kommuniziert.

Woher kam Ihr Interesse zu unterrichten?
Ich hab das immer schon gerne gemacht. Ich hab als Schüler schon immer bei so Ferienaktionen von der Caritas mitgemacht, das war in Ried im Innkreis. Da bekam man für drei Wochen eine Gruppe von Kindern zugeteilt und für die war man verantwortlich. Da hab ich gemerkt: Das ist etwas, was mir Freude bereitet. Ich hab das auch nie bereut, ich bin sehr gerne Lehrer. Es ist schön, die Entwicklung von jungen Menschen miterleben zu können und da auch immer in Auseinandersetzung mit ihnen zu sein.

Wie haben Sie den Schülern einen Zugang zur Religion vermittelt?
Beim Religionsunterricht ist es überhaupt so, dass immer mehr Kinder und Jugendliche kommen, die in der Kirche in keiner Weise sozialisiert sind. Ein Großteil der Kinder kennt den Ablauf des Gottesdienstes nicht mehr. Ich hab' sogar das Gefühl, dass die Kinder gegenwärtig viel konzentrierter bei der Sache sind und sich durchaus ansprechen lassen.

Was können Sie zu Ihrem Buch "Gehen und staunen" sagen?
Das Feedback der Leser ist durch die Bank recht schön. In meinem Buch steckt viel Herzblut drin. Es geht darum, was ich denke und wonach ich zu leben versuche. Es ist durch Barmherzigkeit geprägt. Das ist für mich ein Begriff, der eher altmodisch ist, aber aktueller ist denn je.

Pater Ferdinand Karer im Gespräch
Autor:

Gwendolin Zelenka aus Grieskirchen & Eferding

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