10.03.2017, 11:25 Uhr

Wenns in Hals und Nase beißt und kratzt

Dr. Thomasx Keintzel, Leiter der Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen: „HNO-Ärzte sind oft die erste Anlaufstelle für Patienten mit Allergiesymptomen.“ (Foto: Klinikum Wels-Grieskirchen)

Heuschnupfen und Co. – In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Allergiker verdopptelt.

GRIESKIRCHEN. Insgesamt gibt es rund 1,6 Millionen Betroffene in Österreich – und damit etwa doppelt so viele wie noch im Jahr 1986. „HNO-Ärzte sind oft die erste Anlaufstelle für Patienten mit Allergiesymptomen", unterstreicht Thomas Keintzel die Frequenz der Patienten mit allergischen Beschwerden im HNO-Bereich.

Die bekannteste Form ist die allergische Rhinitis, der sogenannte Heuschnupfen, und damit verbunden das orale Allergiesyndrom. Diese allergischen Erkrankungen beruhen auf einer IgE*-vermittelten Reaktion vom Soforttyp auf Proteine in Pollen und Nahrungsmitteln. Diese bewirkt eine vermehrte Schwellung und Sekretion an den Schleimhäuten des Nasenrachens bis hin zum Kehlkopf. „Zu unterscheiden sind die ganzjährigen Allergien, vor allem jene auf Tierhaare und Hausstaubmilbenkot, von den saisonalen Pollenallergien“, gibt Keintzel zu bedenken.

Unangenehme Symptomatik

Heuschnupfen-Betroffene leiden häufig unter starkem Niesreiz sowie unter einer rinnenden und verstopften Nase, oft auch an einer Bindehautentzündung. Bis zu 40 Prozent der Pollenallergiker sind zudem durch allergisches Asthma bronchiale eingeschränkt. Das orale Allergiesyndrom kommt regelmäßig bei Pollenallergikern im Sinne einer allergischen Kreuzreaktion des Mund- und Rachenraums vor: Auf Nüsse, Gemüse oder Gewürze reagiert die Schleimhaut dann mit Juckreiz, Zungenbrennen, Halskratzen und Nesselsucht. Etwa 60 Prozent der Birkenpollenallergiker leiden auch an einer Unverträglichkeit von Nüssen und Äpfeln.

Wichtige Diagnostik

„Für die Diagnose ist die ausführliche Anamnese des Patienten wegweisend, um Auslöser für die Beschwerden dingfest zu machen“, erklärt Keintzel. „Ein Allergietagebuch kann dabei helfen.“ Ein Pricktest ermöglicht ein schnelles Screening des Patienten auf gängige Allergene. Eine weitere Testmöglichkeit ist der RAST (Radio Allergo Sorbent Test): Nach Blutabnahme werden hier spezifische IgE-Antikörpertiter für Allergene bestimmt, zusätzlich kann man auch das gesamte IgE bestimmen.

Wenn Patienten in herkömmlichen Sensibilisierungstests auf alle möglichen Pollenallergene positiv reagieren, könnte es sein, dass nicht Kreuzreaktionen die Ursache sind, sondern sogenannte Panallergene. Warum, weiß Keintzel: „Das liegt daran, dass Panallergene Proteine sind, die in sämtlichen Pollenarten vorkommen können – egal ob in Baum-, Gräser oder Kräuterpollen.“ Mit der Komponentendiagnostik ist es möglich, das Allergen genauer zu bestimmen, als dies mit der traditionellen Allergiediagnostik möglich ist.

Ist aus vorangegangenen Testungen nicht einwandfrei ersichtlich, wodurch die Allergie beim Patienten ausgelöst wird, verweist der Experte auf die Möglichkeit des nasalen Provokationstests mit Rhinomanometrie: „Hierbei wird nach nasaler Allergenapplikation die Änderung der Druckverhältnisse anhand des intranasalen Flows gemessen und auch ob allergische Symptome ausgelöst werden können.“

Beste Therapien

Allergenkarenz durch Meiden des Auslösers ist nach wie vor die beste Therapie. Bei ganzjährigen Allergien, wie jener auf Milbenkot, Tierhaare oder Pilzsporen, müssen die Auslöser beseitigt werden. Im Falle der Hausstaubmilbe funktioniert dies durch spezielle Überzüge für die Matratze und im regelmäßigen Waschen der Bettwäsche, sowie auch durch Trocknung im Trockner, da hierbei die Milbeneier platzen. Bei Pilzbefall im Wohnraum muss eine Wohnraumsanierung oder ein Wohnungswechsel erfolgen. Eine Oberflächenbehandlung der Schimmelflecken reicht hier nicht aus.

Für die allergischen Symptome kann im Akutfall ein abschwellendes Nasenspray für maximal zehn Tage verordnet werden. Als längerfristige Therapie stehen Nasensprays mit lokalen Antihistaminika und Kortikosteroiden zur Verfügung. Orale Antihistaminika können die Beschwerden deutlich lindern, die neueren Präparate zeigen keine sedierenden Nebenwirkungen mehr. In ausgeprägten Fällen können auch orale Kortikosteroide gegeben werden, insbesondere bei akuter, massiver Symptomatik, ohne Besserung auf die vorhergehende lokale Therapie. Bei saisonalen Allergien besteht die Möglichkeit der Hyposensibilisierung mittels subkutaner Injektionen (SCIT) oder sublingualer Tabletten (SLIT).

Allergieexperten im Klinikum

Am Klinikum Wels-Grieskirchen werden zahlreiche Diagnose- und Therapieverfahren für Allergiker angeboten – nicht nur im HNO-Bereich, sondern auch zur Behandlung allergischer Reaktionen von Lunge, Haut und Augen sowie von Nahrungsmittelallergien. Der erste Ansprechpartner sind der Haus- oder Facharzt, welcher seine Patienten im Bedarfsfall an die Experten für die notwendigen Untersuchungen ins Klinikum überweist. Dies sind zum Beispiel die Allergologen der verschiedenen Disziplinen und Gastroenterologen, die Spezialisten für den Magen-Darm-Bereich.
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