28.09.2017, 08:40 Uhr

Theater: „Der Nachwuchs rennt uns die Türen nicht ein“

Auch die Theatergruppe Weibern ist seit 2016 wieder fleißig am spielen. (Foto: Beate Wieländer)

Viele Theatervereine in der Region haben Probleme, neue und junge Mitglieder zu finden.

BEZIRKE (jmi). „Der 50-jährige ‚jugendliche Liebhaber‘ – wie sieht denn das aus?“, entrüstet sich Johann Auer vom Theaterkistl Eferding. Dieses Bild fasst das Problem vieler Theatervereine zusammen: fehlender Nachwuchs. Das Gegenteil zu den Anfangstagen des Theaterkistls vor 25 Jahren: „Als junge Gruppe hatten wir damals das Problem, ‚alte‘ Rollen zu besetzen. Ein 25-jähriger ‚Opa‘ geht nicht. Heutzutage ist es durchaus eine Herausforderung, junge und neue Leute zu finden. Der Nachwuchs rennt uns die Türen nicht ein.“


Für Burschen "uncool"

Am ehesten seien noch die Mädchen bereit, auf die Bühne zu gehen. Keine Chance beim anderen Geschlecht: „Burschen fragen nie an, ob sie mitspielen dürfen. Das hängt wahrscheinlich mit vielen Sachen zusammen, wie Zeitproblemen oder, dass Schauspielern nicht ‚cool‘ ist“, so der Regisseur. Das Theaterkistl Eferding ist eine von rund 250 Gruppen des Amateurtheaters OÖ. In den Bezirken Eferding und Grieskirchen finden sich 13 weitere Theatervereine – und viele von ihnen kennen die Situation mit der nächsten Generation.

Das Schlosstheater Peuerbach etwa: Im Oktober lädt es zum „Totentanz“, an Silvester zur „Wunderübung“. „In erster Linie wollen wir Spaß am Theaterspielen haben“, erklärt Obmann-Stellvertreterin Manuela Schlagintweit. „Darum müssen unsere Stücke nicht um jeden Preis immer und jedem gefallen. In der Region kommen zwar Komödien und Schwänke gut an, wir aber bleiben unserer Linie treu.“ Heißt: Boulevardkomödien, aber auch „ernstere Geschichten“. Der Verein zählt rund 40 Mitglieder, wobei zehn bis fünfzehn Spieler sehr aktiv sind. Mehr wären willkommen, besonders jüngere: „Wir versuchen alle, die interessiert sind, einzubinden. Aber besonders die jungen Leute fehlen uns im Moment. Jugendarbeit im direkten Sinn machen wir nicht, wählen aber immer wieder bewusst Stücke aus, in denen auch Junge mitspielen können.“ 


Mitgliederfang durch Aufruf

Wie die Sicherung der nächsten Generation funktionieren kann, zeigt die Volksbühne Pollham. Sie startete 2016 einen erfolgreichen Aufruf: „Fünf Interessierte haben sich gemeldet. Der Aufruf hat auch jene Mitglieder wieder motiviert, die seit Längerem pausierten. Gut so, denn früher waren wir schon immer knapp besetzt“, meint Obmann Josef Hummer. Die Neulinge dürfen ihr Schauspieltalent ab 20. Oktober beim Stück „Dreck am Stecken“ im Pollhamerhof unter Beweis stellen.

Einem Mitgliederaufruf ist auch Beate Wieländer nicht abgeneigt. Ihr Verein, die Theatergruppe Weibern, besteht zwar seit rund 20 Jahren, spielte sechs Jahre lang aber gar nicht. Erst 2016 organisierte sich die Truppe neu: „Wir haben nun auch ein neues Mitglied, das hat für uns gepasst. Aber es ist wirklich nicht so leicht. Jeder ist in seiner Freizeit eingedeckt. Vielleicht ist es auch eine Hemmschwelle. Fürs Theater muss man ein offener Mensch sein, sonst gehört man nicht auf die Bühne.“ Dass sich neue Mitglieder melden, hofft die Obfrau: „Für uns ist es wichtig, dass auch der Nachwuchs mitspielt. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Leuten, die sich gerne bei uns melden können.“ Weitere Infos im Internet:
theaterweibern.jimdo.com

Zur Sache: Laientheater in der Region

Das Amateurtheater OÖ verzeichnet rund 250 Laientheater im Bundesland.

Fünf bestehen im Bezirk Eferding: Die älteste Gruppe ist das Eferdinger Theaterkistl. Die Theatergruppe Samarein, Kraud & Ruam Theater, Theater.Bewusst.Sein und die Theatergruppe Stroheim wurden in den vergangenen
17 Jahren gegründet.

Im Bezirk Grieskirchen kommt man auf neun Theatergruppen. Relativ jung ist die Kleine Bühne Wallern, die es seit 2007 gibt. Mehrere Jahrzehnte spielen die Laiendarsteller von Volksbühne Pollham, Peuerbacher Schlosstheater, Spielraum Gaspoltshofen, Theatergruppe Geboltskirchen, Theatergruppe Haag, Stefan-Fadinger-Bauerngruppe und Theatergruppe Weibern. Mit mehr als 50 Bestandsjahren ist die Laienspielgemeinschaft Wendling die älteste Formation im Bezirk.

Theater statt "Mäusekino"

Kommentar von Julia Mittermayr

Was ein Theaterverein mit der BezirksRundschau gemein hat? Das Interesse an spannenden Geschichten. Aber anders als im Journalismus mangelt es vielen Theatervereinen in der Region an Nachwuchs. Kein Wunder, denn: Die liebste Freizeitbeschäftigung der Österreicher ist das Fernsehen. Rund zwei Stunden verbringen wir täglich vor dem „Mäusekino“, am Wochenende kommen nochmals zwei Stunden dazu. Zudem sind viele Vereine auf Mitgliederfang – in erster Linie Landjugend, Rotes Kreuz und Feuerwehr. Auf der Suche nach einem Zeitvertreib kommen die 14 Theatervereine in der Region wie gelegen. Dafür sprechen die Lust, sich zu präsentieren, zu schauspielern und Geschichten zu erzählen. Und wer sich nicht auf die Bühne traut, kann die Theatervereine auch anders unterstützen: als Zuschauer.
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