Pinkatal-Bus: Güssing steigt aus

Die Bus-Schieflage im Burgenland kritisieren die ÖVP-Vertreter Bernhard Deutsch, Werner Laky, Walter Temmel, Peter Vadasz und Johann Weber (v.li.)
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Vom einstigen Linienverkehr des „roten Busses“, der im Zwei-Stunden-Takt zwischen Bildein und Güssing verkehrte, war ohnehin nicht mehr viel übriggeblieben. Vier zusätzliche Kurspaare pro Tag hatten die Gemeinden Güssing, Eberau, Strem, Moschendorf und Bildein im Jahr 2012 noch finanziert.

Mit Jahresbeginn sind auch diese Busverbindungen gefallen. Die Stadt Güssing hat ihre Beiträge an den gemeinsamen Verkehrsverband der fünf Gemeinden eingestellt.
Statt bisher sechs Verbindungen sind an einem schulfreien Tag nun nur noch zwei Buspaare zwischen Bildein und Güssing unterwegs. Mehr sind von den vier übrigen, kleineren Gemeinden nicht zu finanzieren.

"Eine ohnehin von Abwanderung getroffene Region wird so noch weiter geschwächt", kritisiert der Güssinger Altbürgermeister Peter Vadasz (ÖVP), der den Verkehrsverband leitet. Dem öffentlichen Nahverkehr müsse mehr Augenmerk geschenkt werden statt weniger.

"Gemessen an den geringen Fahrgastzahlen sind die rund 32.000 Euro, die Güssing geleistet hat, zu viel", begründet Bürgermeister Vinzenz Knor (SPÖ) seine Entscheidung. Pro Tag seien im Schnitt nur 6,5 Fahrgäste auf der Linie gezählt worden.

"Im Nordburgenland werden 200 Millionen Euro in Bahn und Bus investiert. Bei uns hingegen wird die Verantwortung für den Nahverkehr auf die Gemeinden übergewälzt", vergleicht der Bildeiner Bürgermeister BR Walter Temmel (ÖVP).

Ins selbe Horn stößt sein Stremer Kollege Bernhard Deutsch. „Vinzenz Knor und die SPÖ-Fraktionen in den Pinkatal-Gemeinden fordern statt dem Linienbus ein neues Verkehrskonzept für die Region. Dabei liegt dieses Konzept schon seit 2003 im Detail vor.“

Besser Dorfbusse oder Buslinien?

Der Eberauer Bürgermeister Johann Weber (ÖVP) zweifelt, ob das von der SPÖ favorisierte Konzept der dorfeigenen Busse auf Dauer finanzierbar ist. „Die Förderung aus dem LEADER-Programm steht und fällt mit den EU-Mitteln für die ländliche Entwicklung. Und die sind noch lange nicht fixiert.“

Für den Moschendorfer Bürgermeister Werner Laky (ÖVP) hat das Dorfbus-Konzept große Schwächen. „Nur Vereinsmitglieder dürfen mitfahren, man braucht Freiwillige als Chauffeure, und es gibt keine konstante Versorgung.“

Aus Güssinger Sicht soll aber genau dieses Dorfbus-Konzept, wie es im Raum Großmürbisch angewandt wird, auch auf das Pinkatal ausgeweitet werden. „Man kann kleinere Busse verwenden und das gemeindeübergreifende Konzept erweitern“, betont Stadtchef Knor. Jedenfalls sollten sowohl die Güssinger Einkaufszentren als auch die Dörfer im Umland angefahren werden.

Für den Bildeiner Ortschef Temmel bleibt nach dem plötzlichen Güssinger Rückzug ein bitterer Nachgeschmack „Jetzt fahren wir wieder so wie vor 40 Jahren.“

"Geisterbus" und Unverständnis

"Die ÖVP beschwört einen Geisterbus", kritisiert SPÖ-Bezirkschefin Verena Dunst. "In den Pinkatal-Gemeinden hat die SPÖ Anträge auf Einführung eines Dorfbusses eingebracht, die aber alle von der ÖVP abgelehnt wurden", bedauert sie.

Für NR-Abg. Franz Glaser (ÖVP) ist der Rückzug von Bürgermeister Knor unverständlich. "Güssing verzichtet auf einen Zubringerverkehr, der die Menschen aus den Nachbardörfern umweltfreundlich und bequem in die Stadt bringt. Davon profitiert Güssing auch wirtschaftlich."

Die Bus-Schieflage im Burgenland kritisieren die ÖVP-Vertreter Bernhard Deutsch, Werner Laky, Walter Temmel, Peter Vadasz und Johann Weber (v.li.)
Güssings Bürgermeister Vinzenz Knor ist für kleinräumige Verkehrs-Alternativen.
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Martin Wurglits aus Güssing

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