Produktion in Sulz ruht, Mitarbeiter-Exodus beginnt
Güssinger Mineralwasser in existenzieller Krise

Der Mineralwasserproduzent Güssinger aus Sulz steckt in der größten Krise seiner 204 Jahre währenden Geschichte.
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Der Lebensmittel-Diskonter Hofer, mit Abstand größter Kunde des Traditionsunternehmens, hat die Geschäftsbeziehung endgültig beendet.

Bildlich gesprochen steht dem Sulzer Unternehmen das Wasser bis zum Hals, in der Realität ist das Gegenteil der Fall. Bei der Firma Güssinger ist die Mineralwasserproduktion praktisch zum Erliegen gekommen. Wegen ausstehender Gehaltszahlungen haben außerdem die ersten Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Abfüllung zurückgefahren

Güssinger steckt in der Bredouille, seit der mit Abstand größte Kunde, der Lebensmitteldiskonter Hofer, die Geschäftsbeziehungen im Sommer wegen ungeklärter Eigentümerverhältnisse auf Eis gelegt hat. Seitdem musste die Abfüllung radikal zurückgefahren werden, seit Mitte September steht sie praktisch auf Null. "Wir produzieren nur noch selten", räumt Anatoli Boikiw ein, der von den Eigentümergesellschaft im Juli als neuer Geschäftsführer eingesetzt wurde.

Lieferanten warten aufs Geld

Zum einen gibt es derzeit kaum Kunden, zum anderen fehlen die für die Produktion notwendigen Betriebsmittel, weil Güssinger die Rechnungen seiner Lieferanten kaum oder gar nicht bezahlen kann. Von "verzögerten Zahlungen" spricht Boikiw.

"Vitaquelle" exklusiv für Hofer

Güssinger hängt entscheidend von Hofer ab. Rund 80 % des Abfüllvolumens geht als "Vitaquelle" an den Diskonter, der das Exklusiv-Verkaufsrecht für die Marke hat. Die 695 Paletten Vitaquelle, die derzeit in Sulz auf Lager liegen, darf Güssinger daher an keinen anderen Kunden verkaufen.

Hoffnung lebt

"Ich bin mit Hofer in ständigem Kontakt", betont Boikiw. Seine Hoffnungen auf einen Weiterbestand der Geschäftsbeziehung knüpft er daran, dass es bei Hofer interne "Umstrukturierungen" und neue Ansprechpartner gebe. "Wenn aber die Bedingungen, sprich die Preise, nicht passen, kann man nicht weiter zusammenarbeiten", hält Boikiw fest. Eine neuerliche Belieferung ab dem Jahr 2020 ist in seinen Augen aber denkbar.

Hofer zieht Schlussstrich

Allerdings nicht mehr für Hofer. "Güssinger kam den Forderungen, sämtliche Vorwürfe zweifelsfrei aufzuklären und die veränderten Eigentumsverhältnisse offenzulegen, nicht vollständig nach. Deshalb sahen wir uns gezwungen, die Zusammenarbeit zu beenden und keine Waren mehr von Güssinger zu beziehen", schreibt Hofer in einer Stellungnahme gegenüber dem Bezirksblatt.

Offene Gehälter

Seinen rund 20 Mitarbeitern ist Güssinger jedenfalls seit September die Gehälter schuldig. "In solchen Fällen dürfen die Mitarbeiter dem Arbeitgeber eine Frist stellen, bis zu der die Auszahlung zu erfolgen hat. Erfolgt diese nicht, sind die Mitarbeiter berechtigt, einseitig aus dem Arbeitsverhältnis auszutreten", erläutert Erich Debellak von der Arbeiterkammer Güssing die Rechtslage.

Erste Austritte

Bei Güssinger sind diese Fristsetzungen jedenfalls zeitgerecht eingebracht worden. Und die ersten Angestellten haben das Unternehmen auch bereits verlassen. "Die offenen Gehälter werden am 21. Oktober überwiesen", sicherte Boikiw am 18. Oktober gegenüber dem Bezirksblatt zu.

Autor:

Martin Wurglits aus Güssing

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