Theater Szenario
Tschick nimmt dich mit auf eine unvergessliche Jugendreise
- Magdalena Brandner als Maik und Lilith Pointner als Tschick – zwei Außenseiter auf großer Fahrt ins Blaue.
- Foto: Theater Szenario
- hochgeladen von Michael Kendlbacher
Leidenschaftlich, witzig, poetisch und tiefgründig beeindruckende Inszenierung und Aufführung von TSCHICK des Theaters Szenario Hall.
Warum fiel mir in dieser Vorstellung Hermann Hesses Diktum vom „Zauber, der allen Anfängen innewohnt" ein? Weil sich im Geschehen des berühmten Romans des schon mit 48 Jahren verstorbenen Autors Wolfgang Herrndorf so vieles davon handelt: von Sommern, die man nur in der Jugend erlebt – mit brennendem Herzen und schmerzenden Abschieden. Wolfgang Klingler setzt die Erzählung als Spielleiter und Produzent (Regieass. Andrea Frenademetz, Dorothea Hartmann) mit den sechs jungen Damen und dem „mittelalten" Elternpaar in zwei Akten und unzähligen Einzelszenen, die lückenlos ineinander fließen, witzig und poetisch um – von Musikstücken Neil Youngs, Richard Clydermans bis Beatles etc. begleitet, Musikstücke, welche Schülerinnen der Musikschule Hall ausgesucht hatten.
Zur Erinnerung oder Einführung in die Story: Mutter ist in Entzugsklinik, Vater auf Geschäftsreise oder „ähnlichem", so soll Sohn Maik die langen Sommerferien am häuslichen Villenpool verbummeln. Aber sein russisch-deutscher Mitschüler und Außenseiter in der Schule, Andrej, Tschick genannt, verführt ihn dazu, mit einem geklauten Lada abzuhauen, wobei in der Folge diese Abenteuerreise als gefühltes Roadmovie beider Leben verändert.
Mittels choreographischer, räumlicher und requisitendeutender Zitate entwickeln sich die Stationen einer Fahrt ins Blaue mit allen Freuden, Überraschungen und Schrecken einer Flucht ins Unbekannte, definiert durch eine Jugendsprache mit oftmaligem „Scheiße" und pubertärer Kraftmeierei. Magdalena Brandner überzeugt durchgehend als sich wandelnder Maik, ein starkes Pendant dazu liefert die namensgebende Figur Tschick, kräftig und sympathisch umgesetzt von Lilith Pointner.
Ida Peintner taucht tief und klar in ihren Part als Isa Friedemann ein, Linda Prazeller vermag als Figur „Maiks kontrollierendes Alter Ego" genau so wie Anna Reimair als „Maiks kommentierendes Ich" Bewegung und Spielleidenschaft vermitteln, Lara Mayr brilliert tanzend und kommentierend als „Maiks emotionaler Persönlichkeitsanteil", Claudia Kasebacher beeindruckt überraschend flexibel in ihrer Mehrfachrolle als zeitweise stockbesoffene, aber liebesdurstige Mutter Maiks, als Isas Mutter, als Sprechtherapeutin und Stimme am Telefon. Auf Augenhöhe dazu agiert teilweise nachvollziehbar grantig Timo Heimerdinger als Maiks Vater, als Lehrer Wagenbach, als resignierend dozierender Schütze Fricke und als Krankenpfleger.
Was bleibt zurück? Ein wehmütiger Blick in die eigene Vergangenheit, ein Bedauern über verspielte Chancen und ein heimliches Grinsen darüber, dass man auch ein paar Geheimnisse im Lebensrucksack hütet. Eine tiefgründige und szenereiche Vorstellung mit jugendlicher Kraft und erstaunlichem Selbstbewusstsein der jungen Damen, also quasi Pflichtprogramm – Vorstellungen bis zum 9. Mai möglich.
Eine Theaterkritik von Peter Teyml
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