18.09.2014, 14:30 Uhr

Bodenseer reicht's: Bürokratie bringt Resignation

Fordert Taten von der Politik: WKO Tirol-Präsident Jürgen Bodenseer. (Foto: WK/Löscher)

Trotz guter Stimmung der TOP-Betriebe in Tirol gibt es Gefahren

TIROL. "Die Stimmung ist eigentlich recht gut, die Tiroler Wirtschaft entwickelt sich stabil und positiv, obwohl die Erträge hinter den Erwartungen liegen", sagt WKO Präsident Jürgen Bodenseer bei der Präsentation des TOP-Tirol-Konjunkturbarometers für das laufende Jahr. Aber Bodenseer warnt trotz dieser Zahlen vor Gefahren für die heimischen Betriebe. Die Resignation, die in vielen Unternehmen zu spüren ist, ist brandgefährlich", sagt Bodenseer, denn diese wirke sich auf die Investitionsbereitschaft der Betriebe und in weiterer Folge auch auf die nächsten Generationen aus. Woher kommt diese Resignation? Bodenseer: "Aufgrund der überbordender Bürokratie, Resignation wegen einem Mix aus Kontrollen und Strafen und Resignation angesichts der unzählbaren Auflagen."
Der Wechsel an der Bundes-ÖVP-Spitze und der neue Finanzminister wären durchaus positive Zeichen. "Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit, die Unternehmer brauchen klare Aussagen darüber, was sie wann zu erwarten haben. Im Moment gebe es viel zu viele Fragezeichen, etwa in Sachen Vermögenssteuer", sagt der Präsident. Darum hat Bodenseer eine ganz klare Botschaft an die Politik: "Es reicht! Es braucht wirtschaftsfördernde Maßnahmen, eine Entflechtung von bürokratischen Verordnungen, ein Auslichten bei Sondergenehmigungen und vor allem klare und messbare Botschaften."
Der Geschäftsklimawert ist von 23 auf 30 Prozentpunkte gestiegen. „Die aktuelle Lage und die Erwartungen stellen sich positiv und stabil dar – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen“, erklärt Wirtschaftskammerdirektorin Evelyn Geiger-Anker. Sorgen bereiten allerdings Roherträge, mangelnde Investitionsbereitschaft und Rückgänge beim Export. „2013 gingen die Warenexporte gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent zurück und das Exportvolumen sank auf 10,87 Milliarden Euro“, nennt die Direktorin Details. 2013 gab es ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent, für 2014 wird ein Prozent prognostiziert. „Das ist zwar stabil, aber kein hohes Niveau.“

Hier Fakten der Umfrage:

(235 Betriebe mit 40.000 Beschäftigten, August 2014)

Wirtschaftliche Lage aktuell
Im Vergleich zum Frühjahr hat sich die aktuelle Wirtschaftslage bei den befragten
Unternehmen leicht verbessert. 41 Prozent berichten von einer guten aktuellen Lage, nur 4 Prozent sind nicht zufrieden. Trotz schlechter Wetter- und angespannter Buchungslage im Sommer 2014 sind 41 Prozent der befragten Tourismus-Betriebe mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden.

Wirtschaftliche Lage der Betriebe bis zum Winter 2014/15
Auch die Erwartungen zur wirtschaftlichen Lage sind branchenübergreifend weitgehend positiv. Vor allem in der Industrie ist die Stimmung positiv. 42 Prozent der Industrieunternehmen erwarten eine gute Lage, nur 8 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

Auftragserwartung bis zum Winter 2014/15
Während im Verkehr und im Tourismus jeweils vermehrt von einer negativen Auftrags- /Buchungslage ausgegangen wird (Verkehr: 21 Prozent gehen von schlechteren Aufträgen aus, Tourismus: 27 Prozent), ist die Stimmung im Handel und in der Sparte Information & Consulting positiver: Im Handel erwarten 27 Prozent einen Anstieg der Aufträge, in der Sparte Information & Consulting 21 Prozent.

Umsatzlage aktuell
Weitgehend befriedigend ist derzeit die Umsatzlage bei den Tiroler Leitbetrieben: 60 Prozent bewerten die Umsatzlage als befriedigend/normal, immerhin fast jeder dritte Betrieb als gut. Besonders die Leitbetriebe in der Industrie und in der Sparte Information & Consulting berichten von durchaus guten Umsätzen.

Personalentwicklung bis zum Winter 2014/15
Das Jahr 2014 ist, wie prognostiziert, ein schwieriges für den Tiroler Arbeitsmarkt. Von den befragten Unternehmen melden jeweils 16 Prozent einen steigenden bzw. sinkenden Personalbedarf. Eine höhere Personalnachfrage gibt es im Dienstleistungsbereich, speziell im Handel und in der Sparte Information & Consulting. Der Tourismus muss hingegen - saisonbedingt - in den kommenden Monaten Personal abbauen.

Exporte
Das Jahr 2013 brachte einen überraschenden Exportrückgang für Tirols Wirtschaft: Die Warenexporte gingen um 2 Prozent gegenüber dem Jahr 2012 zurück und das Exportvolumen sank auf 10,87 Milliarden (2012: 11,08 Milliarden). Aktuell rechnen 26 Prozent der Gewerbeunternehmen mit einem Rückgang und nur 7 Prozent mit einer Zunahme. Anders sieht es in der Industrie aus: 26 Prozent gehen von steigenden Exporten aus, 5 Prozent von einem Rückgang und 69 Prozent von einer stabilen Entwicklung.

Erwartung Beschaffungskosten
Aktuell erwartet ein Drittel aller befragten Top-Unternehmen einen weiteren Anstieg bei den Beschaffungskosten, nur 3 Prozent sind in der Lage, ihre Kosten zu senken. Allen voran der Handel, dort ist der Kostendruck am stärksten. Leicht nachgelassen hat der Kostendruck im Tourismus. Im Frühjahr gingen noch 61 Prozent von steigenden Beschaffungskosten aus, aktuell sind es 40 Prozent.

Investitionen
Die leichte Verbesserung der Investitionsneigung im Frühjahr 2014 hat sich wieder revidiert: 30 Prozent der Leitbetriebe werden in den kommenden Monaten weniger investieren. Nur 16 Prozent der Leitbetriebe werden im kommenden Halbjahr mehr investieren als zuletzt, im Frühjahr waren es noch 26 Prozent. Besonders stark zurückgegangen ist die Investitionsneigung im Gewerbe, aber auch im Tiroler Tourismus.
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