22.11.2016, 08:36 Uhr

Radsportler Helmut Jost kämpft sich zurück

Mitte Dezember endet für Helmut die erste Reha-Phase in Tobelbad; sowohl seine Frau Christina als auch Eltern, Geschwister und Freunde freuen sich, dass er wieder nach Hause kommt

Ein schwerer Unfall hat im Sommer sein Leben völlig verändert; doch es geht schon wieder aufwärts.

KÜHWEG (jost). 20 Jahre WOCHE – 20 Projekte für Kärnten.
In diesem Zusammenhang startete die WOCHE eine Charity-Aktion für den jungen Radsportler Helmut Jost, der beim „Kärntner Radmarathon“ am 3.Juli schwer gestürzt war und sich derzeit auf sein weiteres Leben im Rollstuhl vorbereitet.
Doch Helmut ist ein Kämpfer-Typ und arbeitet derzeit hart daran, zukünftig seinen nunmehr durch die Querschnittlähmung total veränderten Alltag bestmöglich bewältigen zu können.
Die WOCHE besuchte Helmut erstmals in seiner stark veränderten häuslichen Umgebung.
WOCHE: Hast du konkrete Erinnerungen an den Hergang des tragischen Unfalles?
HELMUT JOST: Ja, ich lag zu diesem Zeitpunkt im Rennen etwa auf Platz zehn. Es war eine Bergab-Passage auf der Innerkremser Landesstraße, wo mir nach dem Durchfahren eines Schlagloches die Hände vom Lenker gerüttelt wurden. Da hat man dann nichts mehr unter Kontrolle. Fliehkraft und Schwerkraft erledigen den Rest. Gottlob hat ein hinter mir fahrender Kollege sofort die Rettungskette gestartet. Per Helikopter wurde ich in’s Klinikum Klagenfurt gebracht, wo man neben diversen anderen Verletzungen einen schweren Schaden am sechsten Brustwirbel diagnostizierte. Folge: Querschnittlähmung.
Wie verkraftet man eine solchen Diagnose und wie ging es dann weiter?
Ich war in Klagenfurt medizinisch bestens aufgehoben; man hat mir den stark verschobenen Wirbelknochen operativ wieder eingerichtet und mit beidseitigen Metallschienen entsprechend stabilisiert bzw. verschraubt. Das waren harte Tage, wo mir die täglichen Besuche durch meine Familie eine überaus wichtige Hilfe und Stütze waren. Aber es war mir bald klar geworden, dass ich mein weiteres Leben werde im Rollstuhl verbringen müssen.
Vier Wochen später wurde ich in’s Reha-Zentrum Tobelbad bei Graz überstellt, mit der ZIelsetzung, dort meine zukünftige Mobilität zu erlernen. Ich habe mir das alles viel rascher vorgestellt, doch die Realität hat mich täglich eingeholt.
Jetzt bin ich endlich so weit, dass ich mit meinem „Wagerl“ schon einigermaßen gut umgehen kann. Mitte Dezember geht der erste Teil der Rehabilitation in Tobelbad zu Ende, das heisst ich komme dann für einige Monate nach Hause, bevor der zweite Teil beginnt..
Wie wirst du nun zu Hause mit deiner Beeinträchtigung zurechtkommen?
Meine Familie hat in den letzten vier Monaten unvorstellbar viel für mich getan. Unsere Wohnung liegt im Dachgeschoss, daher musste ein Personenlift gebaut werden, mit dem ich barrierefrei vom Hof aus alle Ebenen erreiche. In diesem Zusammenhang musste in unserem Haus sogar die zentrale Heizanlage verlegt und umgebaut werden. Auch ein Fitnessraum ist gerade im Entstehen, damit ich wichtige Bereiche meiner künftigen Therapien in den eigenen vier Wänden erledigen kann. Und ein auf meine Erfordernisse angepasster PKW ist ebenfalls schon bestellt. An dieser Stelle möchte ich meiner Frau Christina, meiner Familie sowie allen Freunden und Kollegen ein herzliches „Danke“ sagen, denn ohne diesen großartigen Zusammenhalt wäre vieles überhaupt nicht möglich gewesen.
Welche beruflichen Überlegungen und Ziele gibt es?
Mein größter Wunsch ist es natürlich, so rasch wie möglich wieder an meinen Arbeitsplatz in der Kläranlage Görtschach zurückzukehren. Wann das sein kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.
Kannst du dir Sport für dein weiteres Leben vorstellen?

Natürlich. Ich bin längst schon in Verbindung mit dem Kärntner Behindertensportverband sowie mit Thomas Frühwirt, dem steirischen Silbermedaiilengewinner bei den heurigen Sommer-Paralympics in Rio. Als Alternative zu meinem bisherigen Radsport-Aktivitäten geht’s in Richtung Handbike.
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