02.09.2014, 00:00 Uhr

Red`n, wie uns der Schnobl g`wochsn ist

Dialekt ist Teil unserer Identität. In der Muttersprache sind sich Menschen näher, sie reden ausdrucksreicher und emotionaler miteinander.

Die ersten Worte, die wir lernen, sind Dialekt, denn Mundart ist eine Herzenssprache, sie kann Gefühle besser ausdrücken, gibt uns Heimatgefühl und Geborgenheit. Für die ORF-TV-Serie „Kärnterisch g`redt“ macht sich Carl Hannes Planton seit drei Jahren auf Spurensuche und wurde im Gailtal fündig.

Der schmucke Bauernhof von Familie Eder vlg. Orta am Hochwart war Schauplatz und Drehort für die nächsten Dialekt-Staffeln. Hausherrin Fini Eder begrüsste die ORF-Crew mit einem herzlichen „Griass eich“ und gab mit weiteren fünf Dialektpflegern aus dem Gail- und Gitschtal Einblicke in das Kulturgut des Dialektes.

Einblicke in die Gailtaler Volksseele
Fini trägt Heimat besonders authentisch auf der Zunge und erklärt ihre Redewendung „Viel Nussn, viel Biablan“ aussdrucksstark und lebendig: „In einem Jahr, wo die Nussernte besonders ertragreich ist, werden am Hof männliche Nachkommen geboren. Ich weiss, wovon ich rede, denn ich habe vier Söhne und unser jüngstes Enkelkind ist ein Bub“ erklärt die Bäuerin und wiegt den jüngsten Sprössling Leon im Arm, der gar nicht kamerascheu das mediale Geschehen unbeeindruckt über sich ergehen lässt.
Bewahrerin des Gailtaler Dialektes ist auch Anni Viertler und hat ihren gewählten Ausdruck „Der Tschoter“ beschrieben: „Das ist das fliessende Wasser, welches lautstark zu hören ist“. Die Stranigerin Anna Fillafer behauptete, dass sie keine „Gitsche“ mehr ist, denn damit ist ein junges Mädchen gemeint ist. Bettina Pressnig aus Waidegg erklärte dem ORF-Team eine Handkreissäge, die im Gailtal als „Zirkular“ bezeichnet wird und Helga Scheiber vom Bauernhof „Mola“ in Waidegg wusste, dass der „Quatember Sunntig“ der Sonntag ist, an dem die Kühe von der Alm in den heimischen Stall getrieben werden. Aus dem Gitschtal nach Hochwart angreist ist Franz Wastian und hatte mit dem typisch gerolltem „R“ und der Redewendung „Der Noat kan Rond loss`n“ die Lacher auf seiner Seite.
ORF-Moderater Carl Hannes Planton wurde wie immer von Professor Heinz-Dieter Pohl begleitet. Dem Sprachwissenschaftler und Namensforscher gelang es, in gewohnter und professioneller Manier, für das vokalreiche Gail- und Gitschtalerische eine Erklärung und Herkunftsbezeichnung zu finden.

„Wir hätten uns nie gedacht, wie aufwendig so ein Dreh ist“ waren sich die Hauptdarsteller einig, denn die Ausstrahlung im Fernsehen dauert ja nur ein paar Minuten und bis so ein Spot im „Kasten“ ist, haben Moderator, Übersetzer, Kameramann und Tontechniker alle Hände voll zu tun. Wiederholungen waren notwendig, weil z.B. die Hauskatze den Tonarm streifte, ein Flugzeug für störenden Lärm sorgte oder der Wind die Frisur zerstörte. Aber für alle Mitwirkenden war es ein spannender und lehrreicher Vormittag mit der Gewissheit, den ORF-Sehern mit ihrem urtümlichen Dialekt ein Stückchen Gailtaler Heimat näher gebracht zu haben. Gastgeberin Fini Eder überraschte alle Mitwirkenden mit einem köstlichen Mittagessen, das an diesem Tag nicht passender sein konnte, denn es gab g`schmackige Kärntner- und Kletznnudel. Das ORF-Team bedankte sich für die gelebte Gastfreundschaft und verabschiedete sich nicht mit „Tschüss“, sondern mit einem herzlichen „Pfiat eich“!

Ausgestrahlt werden die Aufzeichnungen ab Anfang September, immer montags im Anschluss an „Kärnten heute“.
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