27.03.2017, 14:17 Uhr

Auch in Niederösterreich feiert die gute alte Schallplatte fröhliche Urständ

Der Trend zu den guten alten Vinyl-Schallplatten ist auch in Österreich spürbar. Der Umsatz hat sich gegenüber dem Vorjahr im Jahr 2016 um 36 Prozent auf 7,1 Millionen Euro erhöht. Im vergangenen Jahr sind mehr als 300.000 Schallplatten verkauft worden, die höchste Zahl in Österreich seit dem Jahr 1993. Damit hat sich der Vinyl-Markt seit 2012 verdreifacht und erreicht nun einen Anteil von sieben Prozent am Gesamtmarkt.

„Es ist begrüßenswert, dass Konsumenten Musik als Gesamtkunstwerk ansehen und somit einen Qualitätsanspruch stellen. Dennoch handelt es sich bei der Schallplatte, die derzeit trendy ist, um ein Nischenprodukt“, erklärt Christian Wagner, Mitglied der Fachvertretung Film- und Musikwirtschaft in der NÖ Wirtschaftskammer sowie Vorstandsmitglied im Verband unabhängiger Tonträger, dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Positiv zu werten ist der Umstand, dass auch immer mehr heimische Musiker bei ihren Produktionen auf CDs und Vinyl gleichermaßen setzen und damit den Markt bereichern.“

Nach wie vor boomt der Umsatz mit Streaming-Abos. Diese legten um 56 Prozent auf 17,5 Millionen Euro zu. In Summe wurden im Jahr 2016 in Österreich bereits mehr als zwei Milliarden Songs gestreamt. Insgesamt hat der österreichische Musikmarkt im vergangenen Jahr 137 Millionen Euro erwirtschaftet. Die physischen Tonträger CD, DVD und Vinyl sind bei den heimischen Musikfans weiterhin sehr beliebt und bleiben mit 73,3 Millionen Euro die größten Umsatzbringer am Musikmarkt. Trotz reduzierter Verkaufsflächen hat die CD eine weiterhin treue Käuferschaft. Neben Schlager, Rock und Heavy Metal steht die CD vor allem bei Klassik-Käufern hoch im Kurs.

Die Musikwirtschaft in Niederösterreich besteht derzeit aus 182 Betrieben, wovon 90 Prozent Ein-Personen-Unternehmen sind. Was die Branche beklagt, ist die mangelnde Bekanntmachung unbekannter Musikacts. „Wir haben großartige Interpreten in unserem Land, die tolle Musik machen. Nur die Medien geben ihnen nicht die Plattform, die sie eigentlich benötigen, um bekannter zu werden“, so Christian Wagner.

„Radio Ö3 spielt 15 Prozent heimische Interpreten. Bei den meisten anderen Sendern ist es nicht viel anders, das sagt schon alles. Es ist wirklich schade, dass wir hierzulande es nicht schaffen, ein wenig patriotischer zu sein und der heimischen Musikszene eine echte Chance zu geben. Ich kenne kein anderes europäisches Land, das seine Künstler so im Regen stehen lässt wie Österreich“, sagt Wagner. International sei man von der Qualität her allemal konkurrenzfähig. (dsh)
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