Mit 14 Jahren einen Schlaganfall im Rücken
Ein junges Paar meistert den Alltag

Das junge Paar Ozan und Linda
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SAUTENS. Dass es berechtigt ist, nach einem Jahr Corona Pandemie auch mal über den Gesamtzustand zu jammern, sich über bestimmte Dinge zu ärgern und auch mal nachdenklich zu sein, steht wohl außer Frage. Jeder von uns wurde auf unterschiedlichste Weise auf eine harte Probe gestellt und es war vieles schwer zu ertragen und teilweise auch sehr erdrückend zu erleben. Wenn man dann den eigenen Blickwinkel in ein etwas anderes Licht rückt und sieht und erlebt wie ein junges Paar aus Sautens seinen Alltag erlebt wird einem schnell bewusst, dass dieses "Jammern in der Pandemie und über andere Dinge" ein "Jammern auf hohem Niveau" ist.

Durch eine zufällige Begegnung und ein darauf folgendes Gespräch wurde ich auf zwei junge Menschen aufmerksam die mich mit ihrer Geschichte sehr berührten.
Ozan und Linda sind beide 18 Jahre jung und stehen mitten im Leben. Beide wohnen in Sautens - ca. 5 Minuten voneinander entfernt und kennen sich schon aus Kindertagen. Sie wachsen beide behütet bei ihren Familien auf, besuchen zusammen die Grundschule und entwickeln sich zu Teenagern. Ozan wechselt dann mit 14 Jahren in den Polytechnischen Lehrgang nach Längenfeld und Linda in die HAK nach Imst. Ozan will dieses Schuljahr positiv beenden und möchte dann eine Lehre als Autospengler beginnen. Ein Tag vor der Schulnachricht zu Semesterschluss war noch ein Schulausflug zu den Kristallwelten Swarovski in Wattens geplant. Ozan fährt mit seiner Klasse zu dieser Exkursion, alles war in Ordnung. Am Heimweg im Zug spürte Ozan einen plötzlich auftretenden stechenden Schmerz in seinem Rücken. Er setzte sich hin und legte seine Beine hoch. Der Schmerz wurde dadurch nicht besser - im Gegenteil er wurde immer schlimmer. Er wollte aufstehen, doch er spürte seine Beine nicht mehr. Und an das was dann passierte erinnert sich der heute 18 Jährige nur noch in Bruchstücken. Eine Woche Intensivstation war die Folge und von den Hüften abwärts kein Gefühl mehr in den Beinen und Zehen - ausgelöst durch einen Schlaganfall im Rücken. Ein sehr selten auftretendes Krankheitsbild jedoch medizinisch möglich.
14 Jahre jung - und ab diesem Zeitpunkt war der Rollstuhl sein ständiger Begleiter. Das Leben der gesamten Familie - die Gott sei Dank zu diesem Zeitpunkt schon in einer sehr behindertengerechten Wohnanlage wohnte - änderte sich schlagartig. Lediglich das Bad musste umgebaut werden damit für Ozan ein Leben zu Hause möglich war. Durch Spendengelder - wofür er und seine gesamte Familie heute noch, 4 Jahre später, dankbar sind - wurden auch zwei Therapiegeräte für zu Hause ermöglicht.
Auch sonst war zu diesem Zeitpunkt viel Veränderung in Ozans Leben in dieser "neuen" Situation. Freunde gingen und Freunde blieben. So wie auch Linda. Sie besuchte ihn regelmäßig in seiner Reha in Bad Häring und ihre Gefühle zu Ozan wurden anfangs leider des öfteren auch als "Mitleid" eingestuft.
Heute sind die beiden seit 2 Jahren ein sehr glückliches Paar. Gebeutelt und doch so sehr gereift durch diesen Schicksalsschlag nehmen sie täglich ihren Alltag in die Hand auch wenn es nicht immer leicht ist. Sie haben Träume und Pläne für ihre gemeinsame Zukunft, so wie jedes andere Paar auch. Ozan möchte gerne eine Lehre im Bürobereich beginnen und auch seinen Führerschein machen. Ein nicht so leichtes Unterfangen. Doch er ist optimistisch und falls diese Zeilen ein Unternehmer liest der Ozan gerne bei seiner beruflichen Ausbildung unterstützen würde - bitte melden Sie sich hier bei mir und ich werde den Kontakt zu Ozan gerne herstellen.
Ozan möchte jetzt auch gerne seinen Führerschein machen. Leider gibt es in Tirol nur eine Fahrschule die sich dieser Herausforderung annimmt. Doch auch da ist Ozan optimistisch und wird diesen Weg zu mehr Bewegungsfreiheit schaffen.
Was für gesunde Menschen "normal" ist, ist für dieses junge Paar nicht immer leicht. Sie wünschen sich oft mehr "Barrierefreiheit" - denn dieses Wort hat im Allgemeinen ein sehr weites "Spektrum". So wurde ihnen leider auch der Weg zu einem nahe liegenden Erholungsgebiet verwehrt, das als "barrierefrei" bezeichnet wird. Die Anfrage ob sie dieses Gebiet teilweise mit dem Auto anfahren könnten um näher dort hin zu gelangen wurde leider abgelehnt. Vielleicht wäre es gerade in dieser Zeit mal ein kleiner Anstoß nicht immer nur nach Gesetzen und Paragraphen zu handeln sondern auch mal nach dem Herzen zu entscheiden und solchen Menschen ein kleines Stückchen "Normalität" zu schenken. (bako)

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