Michael Prachensky: "Tirol als Silicon Valley der Alpen"

Michael Prachensky setzt auf neue Technologien für den Energiebedarf in der Zukunft.
  • Michael Prachensky setzt auf neue Technologien für den Energiebedarf in der Zukunft.
  • hochgeladen von Sieghard Krabichler

In Tirol werden Grund und Boden knapp, wohnen ist teuer. Wohin geht die Entwicklung?
MICHAEL PRACHENSKY: "Der Trend geht weltweit zu den Städten, wir müssen aufpassen, damit der Landflucht entgegengetreten wird. Insgesamt ist der Wohnungsbau teuer geworden und auch die zunehmende Zersiedelung ist fragwürdig. Es müssen neue Bauformen mit neuen Technologien wie u.a. die schnelle Breitband Vernetzung bis zu den hintersten Höfen der Täler Priorität haben."

Wie sehen diese neuen Technologien aus?
"Diese sind im Bereich der neuen Nano-Fulleren-Komposit-Forschung bzw. in der Quantenforschung angesiedelt. Es lassen sich unzählige neue Produkte einer Soft- und Prozess- und Umsetzungstechnologie entwickeln, die nicht so schnell nachahmbar sind. Für mich wäre die grenzüberschreitende EU-Alpenregion das neue 'Silicon Valley' der Alpen."

Passen die Voraussetzungen dafür in Tirol?
"Noch schon, es braucht das Zentrum der Physik, das ich schon lange fordere und das endlich finanziert und gebaut werden muss. Denn sonst werden die guten Forscher aus Innsbruck abwandern, wie es ja schon Prof. Zeilinger getan hat. Und wir müssen uns in Europa vernetzen und schauen, dass wir unsere Forschung und Entwicklungen nicht nach Amerika, Taiwan oder China verscherbeln, sondern in Europa behalten. Wir müssen die Wirtschaftskraft im eigenen Land stärken."

Also sind Sie als glühender Europäer auch ein Befürworter der Europaregion Tirol?
"Ja, die brauchen wir dringend. Denn Europa sind wir alle. Und der Alpenraum ist der Erholungsraum der EU, wir müssen auf unsere Natur aufpassen und nicht alles erschließen. Es braucht hochtechnisierte, neue leistungsfähige Aufstiegshilfen, die bestehende ersetzen sollten, und keine zusätzliche. Wie etwa beim Patscherkofel. Es gehört auf den Gipfel ein Panoramarestaurant (UFO 2248 m) mit einer neuen föhnfesten Talpino-Coaster Bahn, von der heutigen Talstation mitten in Igls hinaufgebaut – der bestehende „Saustall“ der ungeordneten Bauten könnte damit endlich aufgeräumt werden. Aber hier ist die Politik zu feige, gute Ideen zuzulassen."

Sie lehnen den Brenner Basis Tunnel ab und verweisen auf Alternativen.
"Ich lehne nicht den Tunnel ab, aber die Eisenbahntechnik an sich ist überholt. Wir brauchen neue Hochleistungstrassen für Güter in Europa. Diese neuen Talpino-Technologien basieren auf Luftgleitfilm und Linearmotoren, die eine hundertfache Kapazität der Eisenbahn haben und sich daher wirtschaftlich rechnen. Aber da der BBT-Tunnel bereits gebaut wird, wäre jetzt die Möglichkeit, die prognostizierten Mineral- und warmen Quellen daraus im Rahmen des EU-Förderungsprojektes 'Sinfonia' nicht nur zum Heizen von Wohnungen in Innsbruck zu nutzen: eine wirtschaftliche Alternative und innovative Idee für den historischen „Luft-Kurort Igls“. Die kommenden leisen und umweltfreundlichen Elektrobusse werden die schnellen Verbindungen mit dem Herzen von Innsbruck gewährleisten. Eine Großtherme für die Bevölkerung und für den Tourismus im Bereich der heutigen Talstation ist auf großes Interesse gestoßen, da direkt darunter die Südumfahrung des BB-Tunnels in nur 300 m Tiefe führt. Diese Idee findet bei der Politik noch kein Gehör, aber ich verfolge das Projekt vehement weiter. Bekannte Investoren für die Therme haben bereits ihr Interesse bekundet."

Energie aus Staukraftwerken ist Ihrer Meinung nach überholt, trotzdem bemüht sich Land und TIWAG um den Ausbau von Sellrain-Silz oder Kaunertal. Sie werden nicht gehört?
"Wir sind mittlerweile beim Prototyp einer neuen Stromspeichertechnologie, der die sechs- bis zehnfache Kapazität der herkömmlichen Lithium-Ionen aufweist. Der zukünftige Akku ist auf Kohlenstoffbasis gebaut, der sehr schnell aufgeladen ist, keine Wärme erzeugt und nicht explodieren kann. Es laufen derzeit die Verhandlungen mit der Industrie, diese revolutionäre Technik umzusetzen. Auch durch neue Technik der Photovoltaik und der dazugehörigen neuen Oberflächentechnologie wird genügend Strom erzeugt. Zusätzliche Kraftwerke werden in Zukunft dadurch nicht benötigt. Die bestehenden Wasser-Ableitungskraftwerke werden durch die umweltfreundlichen Durchflusskraftwerke in Zukunft ersetzt werden – dazu werden die neuen, kommenden Stromspeicher benötigt"

Fehlt der Politik der Mut für einschneidende Veränderungen?
"Die Politik schwindelt sich mehr oder weniger durch, aber die großen Ideen, innovativen Projekte und zukunftsweisenden Investitionen werden nicht aufgegriffen. Große Chancen werden so vertan."
Interview: S. Krabichler

Autor:

Sieghard Krabichler aus Tirol

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