14.10.2014, 10:38 Uhr

I bin der Arthur! Sag nie Chef zu mir!

Landesrätin Dr. Christine Bauer mit den vier ZeitzeugInnen und Dr. Edith Hessenberger udn GV Güven Tekcan
Telfs: Noaflhaus |

In einem von der Telfer Integrationsbeauftragen Dr. Edith Hessenberger moderierten Erzähl-Cafè berichteten vier TelferInnen mit türkischen Wurzeln im Heimatmuseum Noaflhaus von ihrer Anfangzeit in Telfs. Anwesend war auch die Integrationslandesrätin Dr. Christine Baur und Gemeindevorstand Güven Tekcan.

„Seit 43 Jahr bin ich schon hier. Mir sein drei Madl gwesen und haben a schöne Kindheit ghabt“, erzählte Aysel Tekin mit ihrem breiten Telfer Dialekt. Sie saß mit ihrer Schwester Gülselin am Erzähl-Cafè-Tisch zwischen Hasan Kerpic und Siddik Tekcan. Die zwei Frauen erinnerten sich daran, wie sie als einzige türkische Kinder die Schule besuchten, während der Vater bei der Textilfirma Pischl arbeitete. „Die von der Türkei kommenden Arbeiter waren die Rettung für die Textilindustrie!“, stellte Rainer Pischl denn auch dankbar fest, der wie die dritte Schwester in der ersten Reihe im Publikum saß. Seine Tochter war mit den Mädels befreundet und er hatte üblicherweise bei Weihnachtsfeiern den Weihnachtsmann gespielt. Schöne Erinnerungen, die den Frauen die Tränen in die Augen trieben.

Gutes Arbeitsverhältnis

Auch Hasan Kerpic, der Älteste der Erzähler, berichtete über ein durchaus freundschaftliches Verhältnis zu seinem Chef: „I bin der Arthur, sag nie Chef zu mir!“, so hatte ihn der nunmehrige Industrielle Arthur Thöni in seinem Betrieb empfangen. „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihm und auch der Herr Kaufmann hat uns viel geholfen!“ Da Alfons Kaufmann selbst einer der im Rahmen der Ausstellung präsentierten Zugezogenen ist, war auch er in der ersten Reihe da, um die Erzählungen seiner langjährigen türkischen Weggefährten anzuhören. Neben diesen schönen Dingen, war da naturgemäß auch anderes zu hören - etwa von den oft sehr beengten Wohnverhältnissen.

15 in einer Wohnung

Während die zwei Frauen mit ihrer Familie in einer Zwei-Zimmer Betriebswohnung der Firma Pischl wohnten, waren bei den einzelnen Männern schon einmal 15 Leute in einer Wohnung untergebracht, mit einer Dusche – da konnte nicht jeder jeden Tag duschen. „Die heutigen Jungen sind da viel besser dran. Ich war mit drei Buben in zwei Zimmern und hab mir immer gewünscht, dass ich einmal eine Wohnung hab, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer hat“, erinnert sich Siddik Tekcan. Er war damals bei der Firma Schindler Metaller und konnte später das Haus erwerben, in dem sie wohnten. Nach dem schwierigen Umbau hat nun jeder Sohn mit seiner Familie eine eigene Wohnung: „Das hätte ich mir damals nie gedacht!“ Anschließen an die Gesprächsrunde gab es für das Publikum noch Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den Zeitzeugen zu plaudern.
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