Tiroler Bündnis gegen Depression
Welttag im Zeichen der psychischen Gesundheit von Jugendlichen
- hochgeladen von Josef Wolf
„Rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Nach diesen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 25.000 Tiroler Kinder und Jugendliche gefährdet, psychisch krank zu werden. Suizid ist in der Altersgruppe der 15 bis 24-jährigen die zweithäufigste Todesursache“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber, Sprecher des Tiroler Bündnisses gegen Depression anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit am 10. Oktober. Der Welttag für psychische Gesundheit steht heuer ganz im Zeichen der psychischen Gesundheit von Jugendlichen.
„Leider sind psychische Krisenstörungen und Erkrankungen noch immer ein Tabuthema. Die Einstellung der Tiroler Bevölkerung gegenüber psychisch erkrankten Menschen ist geprägt von überholten Vorstellungen und fehlenden Vorstellungen. Das führt zu Vorurteilen, Ausgrenzung und Stigmatisierung der Betroffenen und erschwert die Behandlung, die Genesung und die Wiedereingliederung. Manchmal maskieren körperliche Symptome bei Jugendlichen psychische Erkrankungen, aber häufig scheuen die Betroffenen den Weg zum Arzt oder anderen professionellen Hilfsangeboten, sei es aus Scham oder weil sie die Erkrankung als solche nicht erkennen. Dabei sind Behandlungen von psychische Erkrankungen gerade bei Jugendlichen sehr erfolgreich und auch schwerwiegende Krisen gut behandelbar“, so Hartmann Hinterhuber.
„Betroffene Jugendliche, aber auch deren Familien, Freunde und Kollegen, sollten unbedingt Hilfe suchen und diese auch erhalten. Die Tiroler Jugendlichen müssen zum einen besser über ihre Erkrankung, über die Ursachen und Konsequenzen, einschließlich des Suizidrisikos, informiert werden. Zum anderen müssen die Möglichkeiten der Prävention und Behandlung aufgezeigt werden“, sagt Hartmann Hinterhuber.
Schulaktion
Das „Tiroler Bündnisses gegen Depression“ bietet in diesem Zusammenhang eine Schulaktion an. Lehrerinnen und Lehrer aus verschiedenen Unterrichtsfächern (Psychologie, Deutsch, Geschichte, Biologie, Religion, etc.) sind eingeladen, mit ihren SchülerInnen (ab 15. Lebensjahr) zu dem Thema psychische Gesundheit ins Gespräch zu kommen und gemeinsam mit Fachleuten und Menschen, die eigene Erfahrungen mit einer psychischen Erkrankung gemacht haben, zu diskutieren. Das Angebot ist für die Schulen kostenlos.
Forschungsprojekt VILLAGE
Das vierjährige Forschungsprojekt „VILLAGE“ der Medizinischen Universität Innsbruck und der Ludwig Boltzmann Gesellschaft fördert die Wahrnehmung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Einerseits geht es darum, die betroffenen Kinder und ihre jeweilige Situation zu erkennen. Andererseits werden Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund – vom Kindergärtner bis zur Sporttrainerin – zu informellen Netzwerken zusammengeschlossen, um gemeinsam die bestmögliche Hilfe für diese Kinder zu entwickeln. An der Umsetzung wird in den nächsten vier Jahren in Tirol von der internationalen Forschungsgruppe, bestehend aus acht ForscherInnen aus sechs verschiedenen Ländern und einem lokalen Team in Innsbruck, gearbeitet.
„Der Aufklärung von Jugendlichen kommt in der Gesundheitsvorsorge als zukünftigen MeinungsbildnerInnen eine wichtige Bedeutung zu. Einerseits kann einer ungerechtfertigten Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen entgegengewirkt werden. Andererseits erfahren die Jugendlichen, wie sie in psychischen Krisen für sich oder andere Unterstützung erhalten können“, so die Tiroler Bündnis-Koordinatorin Mag.a Angela Ibelshäuser abschließend.
Information und Anmeldung zu Schulaktion
pro mente tirol, Bündnis gegen Depression, Mag.a Angela Ibelshäuser
Karl-Schönherr-Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512 - 58 51 29, Email: tirol@buendnis-depression.at
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