Noch lange nicht abgestempelt

Männer mit Markenbewusstsein
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„Willst du meine Briefmarkensammlung sehen?“, so begann früher manches Liebesabenteuer. Aber nicht nur die Liebe zum „Weib lockt ewig“, sondern auch zu den Kunstwerken im Kleinformat. Jeden 2. Dienstag im Monat versammeln sich Philatelisten rund um den Obmann Edwin Wilfing im Schwarzen Rössl. Doch was fasziniert die Briefmarkensammler an ihrem Hobby?

WINDISCHGARSTEN (mach): „Ich habe dadurch ein großes Allgemeinwissen bekommen“, sagt der Philatelist Herbert Kreuzhuber, „ ich interessiere mich für die Hintergründe und Geschichte von Briefen und Marken. Solche aus Brasilien und China hatten für mich als Bub etwas Exotisches“. Die bunten Bilder könnten wohl selbst spannende Geschichten erzählen: von ihren Reisen, von fernen Ländern, von Ausstellungen und Tauschbörsen, auf denen sie sich mit anderen gezackten Schönheiten präsentierten und so manch amüsante Anekdote über Sammler. Für seinen Vereinskollegen Rainer Lotter gibt es nichts Schöneres, als auf die Jagd nach Heimat-Ansichtskarten und Marken zu gehen – der passionierte Jäger und Imker hat sich auf Bienenmotive spezialisiert. Stolz öffnet er das Album, das vor ihm liegt, „ich habe einmal für eine Ausstellung mein Leben in Form von Marken und Karten dokumentiert“. Ist einmal der Jagdinstinkt geweckt, wird das Briefmarkensammeln zu einer abenteuerlichen Schatzsuche. Wenn Edwin Wilfing, der Vereinsvorsitzende, seine Schätze aus Papier vorzeigt, sprudeln Geschichten aus ihm heraus, die Nostalgie erwecken. „Rainer hat auf einem Flohmarkt eine alte Preisausschreiben-Karte meiner Eltern entdeckt“, wirft er schmunzelnd ein, „und mein Großvater, der Schuhmacher Heinrich Fahrnberger, teilte in einem schöngestalten Brief einem „wohlgeborenen Kunden“ den Preis von Schuhen mit“. Die Philatelie mag vielleicht ein angestaubtes Image haben, aber für Sammler wie den Installateurmeister Werner Fuchs scheint sie ein Jungbrunnen zu sein: „Der Reiz beim Sammeln liegt vor allem im Träumen von Stücken, die man noch nicht hat. Man will ständig seine Alben komplettieren, wird es aber nie schaffen können“. Seit ihm seine Tante Mizzi als kleiner Junge ein Album schenkte, ist auch nach Jahren systematischen Sammelns die Faszination ungebrochen. Jeder sammelt nach seinen Vorlieben, der eine Pferde, der andere gezackte Zeitdokumente aus Polen oder der DDR, Berglandschaften oder Weihnachtsmotive wie Wilfing: „Trotz E-Mail werden Weihnachtskarten nach wie vor per Post und mit Marke verschickt“. Zusammen mit seinen Kollegen hat er bereits 16 Ausstellungen organisiert: zum 1. Lederhosentreffen, zur 100 Jahr-Feier der Pyhrnbahn, den 8000er- Besteigungen von Gerlinde Kaltenbrunner uva. „Kaum ein Hobby ist so vielfältig wie das Sammeln von Briefmarken. Sie sind kleine Kunstwerke, die von historischen, geografischen und kulturellen Gegebenheiten zeugen“, betonen die Herren, wenn sie mit funkelnden Augen von ihrer Leidenschaft erzählen. Selten wie die Blaue Mauritius sind Frauen in Briefmarkenvereinen – der in Windischgarsten hat drei in seiner Sammlung: Eine von ihnen hat als Spezialgebiet das englische Königshaus gewählt - die erste Briefmarke der Welt von 1840, die „One Penny Black“, auf der die 17-jährige Queen Viktoria abgebildet ist, wird wohl leider keinen Platz in ihrer Kollektion finden. Neben dem regen Fachdiskurs über Marken kommt bei den Vereinstreffen die Geselligkeit nicht zu kurz, Edwin Wilfing: „Es ist ein Hobby für Jung und Alt. Neue Mitglieder sind erwünscht und willkommen. Bei uns wird keiner abgestempelt“.

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