Pyhrn-Priel
Vertikales Fieber - Faszination Klettersteig

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Klettersteige haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Mit einer gemütlichen Tour im Grünen haben diese wahrlich nichts zu tun.

WARTBERG, HINTERSTODER. Es geht über klapprige Brücken, während unter einem der Abgrund gähnt oder ein reißender Wildbach sich donnernd seinen Weg durch zerklüftete Schluchten sucht. Am 20. Juni 2019 wurde der längste Klettersteig Österreichs, der Priel-Klettersteig, eröffnet. Der gebürtige Wartberger Karl Kastner wagte Ende Juni den Tanz über den Abgrund.

„Während am letzten Juniwochenende im Tal die Leute aufgrund der Hitzewelle an den Badeplätzen im kühlen Nass nach Erfrischung suchten, kam auch ich ins Schwitzen“, gesteht der Klettermaxe. 2130 Meter an glänzenden Stahlseilen, auf überhängenden Leitern und an wackeligen Seilen gilt es zurückzulegen, bevor das knallrote Gipfelkreuz endlich auftaucht.

Vor drei Jahren entdeckte der 52-jährige Unternehmensberater und Bio-Likörerzeuger durch seine Tochter seine Liebe zur Felskraxlerei. „Im Leben ist alles so berechenbar geworden“, beschreibt Kastner seine Motivation. Am Berg warten Überraschungen: Wetterumschwünge, schwierige Kletterpassagen, ein Krampf oder eine Verletzung können zur echten Belastungsprobe werden.

Auf zum Gipfelsturm

Nach einer Übernachtung im Matratzenlager und einem ausgiebigen Frühstück im Prielschutzhaus geht es zeitig in der Morgensonne Richtung Klettersteig los. „Die reine Kletterzeit am Steig wird laut Bergführern mit 5,5 bis 6,5 Stunden ohne Pause angegeben. Mit dem Aufstieg zum Prielschutzhaus, von dort zum Klettersteig und dem Abstieg vom Gipfel zurück zum Prielschutzhaus und Parkplatz sind mit 12 Stunden zu rechnen“, gibt der sportlich ambitionierte Wartberger zu bedenken. Die Ausrüstung noch einmal überprüft, das Klettersteigset in das Stahlseil eingehängt und los geht es ins Abenteuer „längster Klettersteig Österreichs“.

„Der Berg gehört erst dir, wenn du wieder gesund unten bist“

zitiert der Kletterer mit Nerven wie Drahtseile. Die Passagen am Priel-Klettersteig sind zum Teil sehr ausgesetzt, für Anfänger absolut ungeeignet. „Das Klettersteigset, mit dem man am Stahlseil hängt, vermittelt zwar Sicherheit und fängt im Notfall einen Absturz ab. Verletzungen sind aber sehr wahrscheinlich, wenn man gegen den harten Fels prallt“, weiß Kastner. Bergschuhe mit einem guten Grip sind ein Muss. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und genug Spinat in den Oberarmen sind Voraussetzungen – und ein Helm, nicht immer kommt alles Gute von oben. Manchmal sind es aber weniger die Anforderungen an Kraft und Klettertechnik, die den Kletterer an seine Grenzen stoßen lassen. Sondern die Psyche, wenn es zu ausgesetzt und luftig wird. „Die Leiter klappert, die Seile wackeln, was ist, wenn das Seil reißt, wenn ich daneben steige“, beschreibt Kastner Gedanken während des Kletterns, „wenn der Kopf nicht mitspielt, geht beim Klettern meist gar nichts. Dann heißt es Ruhe bewahren, oft genügt ein einziger Schritt und es geht wieder vorwärts“.

Hochgefühl in der Senkrechten

„Für den Moment gibt es nur mich und die Wand. Finger und Füße tasten nach dem nächsten Felsabsatz“, beschreibt der Naturfreund die Faszination Klettersteig, „die Berge bringen dich weg von der Reizüberflutung, der man täglich ausgesetzt ist, alle belastenden Gedanken des Alltags sind längst aus dem Kopf gewichen“. Nach gut 6 Stunden stahlharten Kilometern, zwei Felsenfenstern, 14 Leitern und zwei Seilbrücken ist es geschafft! „Wenn man oben ist und in die schwindelerregende Tiefe blickt, lockert sich die Spannung und ein Hochgefühl macht sich breit“, beschreibt Kastner den Adrenalin-Kick. Der Himmel scheint zum Greifen nahe, der Blick auf die Bergkulisse des Stodertales mit seinen Labyrinthen aus schroffen Felstürmen und spektakulären Schluchten ist unschlagbar. Vom Gipfelkreuz eröffnet sich ein grandioser Aus- und Weitblick. Aufs Tote Gebirge, auf den Dachstein, im Nordosten das Sensengebirge und dem Warscheneckstock im Süden. Auf menschenleere Landschaften und riesige Schneefelder.

Der Berg lehrt, wie wenig man braucht

Mit einem Rucksack voll imposanter Eindrücke und ein paar neuen Ideen für seine Bio-Liköre, geht es Richtung Brotfallscharte zurück hinab ins Tal. Gämsen tanzen spielerisch über Steine und Abhänge. „Solch magische Momente gibt einem nur die Natur. Bei Touren in den Bergen kommt man mental runter“, sagt der Wartberger Bergsportler, „die absolute Stille, keine Autos, kein Radio, nur die Geräusche der Natur: Vogelgezwitscher, das Säuseln des Windes, Wasserfälle stürzen mit lautem Tosen ins Tal stürzen“. „Es ist ein gutes Gefühl, den inneren Schweinehund ausgebremst und auch diese Route geschafft zu haben“, resümmiert Kastner, „wichtig im Leben ist, in Bewegung zu bleiben und sich Ziele zu setzen“.

Autor:

Richard Josef Dipl. Päd. Macheiner aus Kirchdorf

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