Kampf gegen Atommüll-Endlager
Als der Bosruck "in Ketten" lag
- Die Menschenkette über den Arlingsattel setzte ein eindrucksvolles – und letztlich erfolgreiches – Zeichen gegen Atomkraft.
- Foto: Forum Bosruck
- hochgeladen von Martina Weymayer
7.000 Menschen setzten sich vor fast 34 Jahren gegen ein Atommüll-Endlager im Bosruck zur Wehr. Ernst Gösweiner, der Obmann des Heimat- und Museumsvereins Windischgarsten, hält einen Vortrag samt Filmdokumentation über die Menschenkette und den Abwehrkampf am Samstag, 15. Februar, um 19.30 Uhr, im Pfarrsaal Spital am Pyhrn.
SPITAL AM PYHRN. Der 27. Oktober 1991 ist vielen Landsleuten bis heute im Gedächtnis geblieben. "Wir legen unseren Berg in Ketten!" lautete damals die Aufforderung der Bürgerinitiative "Forum Bosruck". Mit einer sechs Kilometer langen Menschenkette von der Bosruckhütte bis zur Ardningalm protestierte man damals erfolgreich gegen ein geplantes Atommüll-Endlager. Ernst Gösweiner, der gemeinsam mit seiner Frau federführend an der Aktion mitwirkte, erinnert am 15. Februar in Spital am Pyhrn an diese bewegende Zeit. Neben dem Vortrag, der mit zahlreichen Bildern untermalt wird, zeigt Gösweiner auch eine eindrucksvolle filmische Dokumentation, die damals entstanden ist.
"Ich weiß es noch ganz genau, es war am 12. Jänner 1991", erzählt Gösweiner. "In der `Zeit im Bild´ ist den Zusehern einfach so mitgeteilt worden, dass Österreich ein Atommülllager für schwach- und mittelaktive Abfälle sucht – und dass nach den Voruntersuchungen der Bosruck am geeignetsten erscheint." Die Entrüstung darüber ist dem früheren Banker noch heute anzumerken. "Das hat wie eine Bombe eingeschlagen." Offiziell hätten es 300 Fässer mit überwiegend medizinischem Abfall sein sollen. Später sei man durch Zufall auf einen Zeitungsbericht gestoßen, in dem von 6.000 Fässern Atommüll die Rede war. "Von Anfang an war klar: Wir werden dagegen auftreten. Es darf auch zu keinen Probebohrungen kommen", sagt Gösweiner.
Bürgerinitiative gegründet
30 Aktivisten in Oberösterreich und ebenso viele auf der steirischen Seite schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen. Unterschriftenlisten wurden von 5.000 Menschen unterschrieben. Briefe gingen an die höchsten Politiker, 80 Transparente hingen in der ganzen Region, eine Demonstration mit mehr als 40 Traktoren wurde organisiert. Den Höhepunkt der Protestbewegung bildete schließlich, im Oktober 1991, die Menschenkette über den Arlingsattel. "Vielleicht haben wir Glück, dass 180 Leute kommen", dachte Gösweiner. Er sollte nicht recht behalten, es waren nämlich sage und schreibe 7.000 – zum damaligen Zeitpunkt eine der größten Demonstrationen in Österreich. Die vehemente Gegenwehr hatte tatsächlich Erfolg: Im Februar 1992 kam die Nachricht, das Endlager im Bosruck werde nicht weiterverfolgt.
Vortrag und Filmdokumentation über die Menschenkette und den Abwehrkampf am Samstag, 15. Februar, um 19.30 Uhr, im Pfarrsaal Spital am Pyhrn
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