Geplantes Campingresort Hinterstoder
"Lassen wir die Kirche im Dorf!"

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Campingurlaub ist zwar voll im Trend, aber ein geplantes Resort in Hinterstoder sorgt für Unmut.

HINTERSTODER. Auf einem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück beim ehemaligen Landeserholungsheim Pehamvilla soll um acht Millionen Euro ein Premium-Campingresort entstehen. Der Baubeginn ist für den Frühsommer 2021 geplant, und wenn es nach Projektbetreiber Christian Schrems geht, soll sich Ende des Jahres auch die Eröffnung noch ausgehen. "Zumindest wäre das der Wunschtermin. Wir müssen aber allein wegen Corona mit einem Zeitverzug rechnen", relativiert er.

Die Planungen laufen schon lange, "bereits vor 1,5 Jahren haben wir das Projekt im Bauausschuss vorgebracht. Der Gemeinderat war begeistert und hat die erforderlichen Beschlüsse bislang einstimmig gefasst." Bürgermeister Helmut Wallner fügt hinzu: "Wir haben seitens der Gemeinde alles, was zu machen war, ordnungsgemäß durchgeführt." Die gewerbe- und wasserrechtlichen Verhandlungen haben bereits stattgefunden, als nächstes geht es um die Bewilligung des Bebauungsplans seitens des Landes. "Dann schreiben wir die Bauverhandlung aus." Seriosität und Qualität, so Helmut Wallner, haben oberste Priorität.

Anrainer laufen Sturm

Gegen das Projekt regt sich jedoch Widerstand, viele Bürger laufen dagegen Sturm. "Die letzte Gemeinderatssitzung von Hinterstoder, wo es um mehrere große touristische Bauvorhaben an den schönsten und abgelegensten Plätzen ging, war ein Paradebeispiel einer `Demokratur´", heißt es in einem Leserbrief. Der Bürgermeister habe die Besucher aus dem Saal verwiesen, "die hochbrisanten Bauvorhaben werden hinter verschlossenen Türen beschlossen, die Informationspflicht bleibt auf der Strecke." In einem weiteren, allerdings anonymen Schreiben, sorgen sich die Bürger unter anderem um die Verkehrssituation. "Der Pkw-Verkehr ist bereits jetzt an vielen Tagen in und durch Hinterstoder sehr belastend", heißt es in der schriftlichen Erklärung. "Wildparker stören das Ortsbild und verärgern die Bewohner. Durch die Errichtung des Campingresorts werden die Bürger und auch Urlauber mit den Zu- und Abfahrten von Campern und Urlaubern `beglückt´. " Das zusätzlich erhöhte Verkehrsaufkommen zum Schiederweiher stehe in absolutem Kontrast zur sanften Mobilität, welche "gerne in der Hinterstoderer Werbung versprochen wird". Die Bürger sprechen auch von Problemen mit der Wasserversorgung, da die Ortswasserleitung offenbar nur bis zum Ortsende von Hinterstoder reicht. Es könne nicht sein, dass so ein Projekt ohne ausreichende Wasserversorgung genehmigt wird und die Bürger dies mitfinanzieren müssen.

Wallner entgegnet, dass die Straße zur ehemaligen Pehamvilla öffentlich sei und es vorher auch schon Verkehr dort gegeben habe. "An dem Standort waren auch schon einige andere Projekte im Gespräch", ergänzt Christian Schrems. "Es war absehbar, dass hier einmal wer baut – wenn nicht wir, dann jemand anderer." Er stellt ein Verkehrskonzept in Aussicht, das man in enger Abstimmung mit der Gemeinde entwickeln will.

"Kein Geheimprojekt"

Zum Vorwurf, es hätte im Vorfeld zu wenig Information gegeben, sagt der Bürgermeister: "Das Projekt ist seit mehr als einem Jahr öffentlich, es handelt sich um kein Geheimprojekt." Schrems bekräftigt: "Jederzeit hätte man zu mir kommen und mit mir reden können. Das hat aber niemand getan. Lassen wir bitte die Kirche im Dorf! Wir erweitern das touristische Angebot und bauen kein Atomkraftwerk." Und er fügt hinzu: "Es geht nicht nur um ca. 20 Arbeitsplätze bei diesem Projekt, sondern bei einem Investitionsvolumen von 8 Mio. Euro auch um einen Wertzuwachs für sämtliche Betriebe aus der Region, die – speziell in diesen schwierigen Zeiten – mit ins Boot geholt werden können, um deren Auftragslagen zu verbessern."

"Erwarten uns transparente Genehmigungsverfahren"

„Gerade die Corona-Pandemie mit den Lockdowns hat die Sehnsucht nach Erholung in der Natur massiv verstärkt. Camping als Urlaubserlebnis in der freien Natur liegt voll im Trend, Angebote in diesem Bereich werden für den Tourismus immer wichtiger. Deshalb würde aus touristischer Sicht auch das geplante Campingresort das Angebot im Stodertal weiter vergrößern und der gesamten Region wichtige Impulse geben“, heißt es dazu aus dem Büro von Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner.

Beim Tourismusverband Pyhrn-Priel steht man der geplanten Errichtung des Campingresorts Hinterstoder grundsätzlich positiv gegenüber. Geschäftsführerin Marie-Louise Schnurpfeil dazu: „Wir setzen auf Innovation, Vielfalt, Nachhaltigkeit und sanften Tourismus. Das gilt sowohl für Outdoor-Aktivitäten als auch für das Angebot an unterschiedlichsten Übernachtungsmöglichkeiten. Schon vor Corona hat sich gezeigt, dass sich der Campingtourismus im Wandel befindet und nach neuen Offerten im gehobenen bis luxuriösen Segment verlangt – ein Trend, der sich noch verstärken wird. Wir glauben, dass die lokale Gastronomie von den Synergien ebenso profitieren wird wie der Einzelhandel, bäuerliche Direktvermarkter oder die Anbieter touristischer Dienstleistungen. Es gilt aber auch die Interessen der Anrainer sowie infrastrukturelle und ökologische Belange zu beachten. Wir erwarten uns transparente Genehmigungsverfahren, bei denen sowohl Befürworter als auch Gegner zu Wort kommen und an deren Ende eine Entscheidung steht, die ein Großteil der Bevölkerung mitträgt.“

Zum geplanten Campingresort

Das ganzjährig geöffnete Campingresort soll auf einem 20.000 Quadratmeter großen Gelände am Standort des ehemaligen Landeserholungsheims Pehamvilla entstehen. Vorgesehen sind ein Zentralgebäude mit Gästezimmern, Restaurant und Shop. Außerdem: 24 Zeltplätze, 93 Stellplätze für Wohnwägen und -mobile sowie vier Campingfässer.

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