Waldmanagement
Der Wald wird sich verändern

Wo geschädigte Bäume sind, ist der Borkenkäfer nicht weit, weiß Forstmeister Johann Kammleitner vom Nationalpark-Forstbetrieb.
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  • hochgeladen von Martina Weymayer

Der vergangene Winter hat im Wald deutliche Spuren hinterlassen.

BEZIRKE KIRCHDORF, STEYR. "Windwürfe, Schneedruckschäden und das Lawinenholz werden uns im Frühling und Frühsommer beschäftigen", schildert Forstmeister Johann Kammleitner vom Nationalparkbetrieb der Bundesforste bei einem Lokalaugenschein gemeinsam mit der BezirksRundschau. "Wir rechnen damit, dass wir rund 7.000 Festmeter Holz entnehmen und rund 1.500 Festmeter entrinden müssen."

Entscheidend wird sein, die verstreut liegenden Windwürfe so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Wo abgebrochene oder umgestürzte Bäume liegen, ist nämlich einer nicht weit: der Borkenkäfer. "Es gibt rund 250 Borkenkäferarten. Wir reden meistens vom Kupferstecher und vom Buchdrucker", erklärt Kammleitner. "Der Kupferstecher wird bei uns nicht so virulent. Wir müssen vor allem beim Buchdrucker aufpassen: einerseits, weil er auch dickere Stämme befällt und andererseits, weil er sich explosionsartig vermehrt. Wenn wir nicht schnell genug arbeiten, kann er zur Gefahr werden."

"Hoffentlich kein Borkenkäferjahr"

Erreichen die Temperaturen um die 16 Grad, was etwa Mitte Mai der Fall ist, schwärmt der Borkenkäfer aus. Kurz danach machen sich auch die Mitarbeiter des Bundesforstbetriebs auf die Suche nach dem so genannten "Bohrmehl". Zu finden ist es am Fuß der Bäume und auf der umliegenden Vegetation. "Befallene Bäume zu erkennen, ist sehr schwierig. Wenn die Bäume einmal rot sind, ist es zu spät."Normalerweise, so Kammleitner, befällt der Borkenkäfer nur geschädigte Bäume. "Er sucht sich diejenigen aus, die sich am wenigsten wehren. Geschwächte Bäume senden Stresssignale aus. Auf diese reagiert der Käfer. Bäume, die zwar noch stehen, aber durch den Sturm gebeutelt wurden, sind jedoch ebenfalls gestresst. Unsere Priorität liegt heuer beim Hinausbringen oder Entrinden der gebrochenen Bäume. Nächstes Jahr werden wir uns auch die stehenden anschauen. Wir müssen sehr achtsam sein. Ich hoffe, dass heuer kein Borkenkäferjahr wird." Jedenfalls werde das Aufarbeiten "eine Challenge" werden, räumt Kammleitner ein.

Im Nationalpark Kalkalpen wolle man die freie Naturentwicklung und lasse Borkenkäferwellen zu, müsse jedoch auch darauf schauen, dass es keine negativen Auswirkungen nach außen gibt. Dafür gibt es so genannte Managementzonen. Problematisch ist es, so Kammleitner, wenn man von der Holzernte leben muss, da ein Borkenkäferjahr meist einen Preis- und Qualitätsverlust bedeutet.

Auf die Frage, welche Schlüsse man nach dem vergangenen Winter ziehen muss, sagt der Forstfachmann: "Das ist schwierig. Lawinen wird es immer geben, Schneedruck auch. Die Niederschläge werden in Summe gleich bleiben, sich in Zukunft jedoch anders verteilen, mehr in den Winter hinein. Wenn es wärmer wird, fällt im Winter mehr Regen, im Sommer wird es heißer und trockener. Das passt für Lärchen, Tannen und Buchen, aber nicht für Fichten. Da wird einiges passieren. Es wird auf die Baumartenwahl und auf die Pflege des Waldes ankommen. Das muss man in Zukunft sicher forcieren."

Waldkartierung belegt Baumartenwechsel

Dass sich der Wald verändert, belegen aktuelle Daten aus der so genannten Waldkartierung. Dabei handelt es sich um eine Zustandserhebung und -beschreibung der Wälder, die in einem mehrjährigen Projekt aktualisiert wurden. "Wir stellen einen Baumartenwechsel fest. Das konnten wir vorher nicht nachweisen – jetzt schon. Der Mensch hat den Wald immer geprägt und die Fichte bevorzugt. Die Buche hat allerdings eine starke Konkurrenzkraft, sie verdrängt andere Baumarten und setzt sich durch. Jetzt sieht man: Pflegt man die Fichte nicht, setzt sich die Buche durch. Das, was wir jetzt haben, nämlich weniger Fichten und mehr Buchen, ist eigentlich natürlich." Ob diese Veränderung mit dem Klimawandel zu tun hat, kann Hans Kammleitner nicht sicher sagen, "aber auch dann wird die Buche die Gewinnerin sein."

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