31.10.2016, 16:25 Uhr

20 Jahre OÖ. Weidegans: Qualität ist gefragt

Heuer feiert die Projektgruppe „Oberösterreichische Weidegans“ ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum. LKPräsident Franz Reisecker gratuliert dazu Obfrau Heidi Hebesberger. (Foto: LK OÖ/Graf)

Beim Start des Projekts „Oberösterreichische Weidegans“ im Jahr 1996 war nicht abschätzbar, welche Erfolgsgeschichte daraus im Laufe der nächsten 20 Jahre werden könnte: Mittlerweile verkaufen 244 Mitglieder in ganz Österreich jährlich rund 40.000 Gänse und die Marke „Oberösterreichische Weidegans“ ist mittlerweile eine der bekanntesten Gänsemarken Österreichs.

SCHLIERBACH. 1992 startete die Landwirtschaftskammer OÖ auf der „Mühlviertler Alm“ mit einem Landwirt und 100 Tieren einen ersten Versuch, die Gänsehaltung wieder auf die Bauernhöfe zu bringen. Mittlerweile werden auf 118 Betrieben in Oberösterreich rund 20.000 Gänse gehalten. Oberösterreich ist damit das Gänsebundesland Nummer eins. „Regionalität war dabei von Anfang an ein wichtiges Element im Projekt und das Ziel, den Eigenversorgungsgrad in Österreich zu steigern, wird weiter kontinuierlich verfolgt. Lag dieser 1995 bei nur sieben Prozent, so schwankt er in den letzten Jahren zwischen 15 und 25 Prozent“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Das Gansljahr 2016


„Die heimischen Gänsebauern gehen mit recht positiver Stimmung in die Ganslsaison 2016. Viele langjährige Stammkunden halten ihrem ,Ganslbauern‘ die Treue und wissen die Top-Qualität der inländischen Weidegans zu schätzen“, erklärt Reisecker. Aber auch, wenn in den vergangenen Jahren die Inlandsproduktion an Weidegänsen kontinuierlich gesteigert wurde, kommt die überwiegende Menge der von den Österreichern verzehrten Gänse nach wie vor zum Großteil aus Ungarn und Polen. Auch 2016 wird der Druck auf die heimischen Gänsehalter wieder hoch sein, da durch die Einfuhrsperre Russlands die Gänsehalter in Ungarn und Polen den russischen Markt nicht bedienen können. Die östlichen Nachbarländer Österreichs sind daher bestrebt, jene Mengen, die sie nun nicht mehr nach Russland verkaufen können, am westeuropäischen Markt und damit auch in Österreich abzusetzen. Dabei wird Importware teils zu „Kampfpreisen“, insbesondere über Gastro-Zulieferbetriebe, in den Markt gedrückt.

„Sorgen müssen sich die Weidegans-Betriebe dennoch nicht machen, da die heimischen Konsumenten die Qualität der Oberösterreichischen Weidegans, bedingt durch Weidehaltung, regionale Erzeugung und Frische zu schätzen wissen. Das wird von den Konsumenten mit deutlich höheren Preisen honoriert“, berichtet Reisecker.

Frische, konventionelle Weidegänse kosten ab Hof im Durchschnitt elf Euro pro Kilo und vergleichbare Bio-Ware 12,50 Euro pro Kilo. Die Weidegansbauern sehen der Vermarktungssaison optimistisch entgegen.

Der Markt ist noch aufnahmefähig

Mit der relativ geringen Inlandsversorgung ist in vielen Regionen ein Einstieg in die Weideganshaltung eine lohnende Möglichkeit zur Erwerbskombination. Ziel sollte es sein, die Weidegänse nach der Schlachtung im Herbst direkt an Konsumenten in der jeweiligen Region zu verkaufen.

„Besonders für Gebiete mit hohen Anteilen an Grünland ist die Gänsehaltung bestens geeignet, da die Gans nach der ersten Aufzuchtphase etwa ab Ende Mai bis in den Herbst hinein junges Weidegras hervorragend verwerten kann. Die Landwirtschaftskammer setzt besonders in Gebieten mit geringer Gänseerzeugung Beratungsschwerpunkte, um Betriebe zum Einstieg zu motivieren“, so Reisecker.

Besondere Art der Haltung bringt Gourmet-Fleischqualität

Die Gans ist die einzige Geflügelart, die auch Gras gut verdauen kann. Deshalb wird die Gans auch liebevoll „Geflügelkuh“ genannt. Gänse werden in Österreich besonders tiergerecht auf der Weide gehalten. Durch diese Haltung können die Gänse erst mit etwa 28 Wochen geschlachtet werden. Die importierten Gänse stehen dagegen in intensiver Maismast ohne Weidehaltung und werden bereits mit einem Alter von etwa zwölf Wochen geschlachtet. „Gerade die längere Haltungsdauer der österreichischen Weidegans, ihre Haltung auf den Weiden und die überwiegende Nahrungsgrundlage Gras ergeben am Ende der Mast ein im Geschmack überzeugendes, zartes Gänsefleisch. Die Qualität zeigt sich auch in der Küche: Nach dem Braten bleibt ,mehr Gans in der Pfanne‘ als bei der Schnellmastgans. Somit ist auch der höhere Preis für das heimische Produkt gerechtfertigt und wird von den Konsumenten in der Regel gerne bezahlt“, zeigt sich Reisecker von der heimischen Qualität überzeugt.

Partnerschaft mit regionaler Gastronomie stärken

Speziell in der Landgastronomie haben sich in den vergangenen Jahren wertvolle Partnerschaften entwickelt. Trotz – verglichen mit Tiefkühlgänsen aus Polen oder Ungarn – deutlich höherer Preise für frische Weidegänse aus Österreich wird österreichische Ware von den Verbrauchern stark nachgefragt. Die Weidegans hat sich zu einer wertvollen, bekannten Regionalmarke entwickelt. „In der Bewerbung der Ganslwochen wird immer häufiger auch darauf hingewiesen, wo das Fleisch herkommt. Besonders junge Wirte setzten auf regionale Rohstoffe für die Küche. Diese Partnerschaft soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Wirte können dabei auch im Werbeauftritt wie zum Beispiel durch eigene Tischständer und Folder unterstützt werden“, sagt Reisecker.

Positive Entwicklung durch Engagement

Seit 20 Jahren sind in den regionalen Organisationen der Gänsebauern viele ehrenamtliche Helfer tätig und diese bemühen sich, die Mitglieder optimal zu unterstützen. Nur durch dieses Engagement war es möglich, die Gänsehaltung in den letzten Jahren so stark auszubauen. „Auch der Landwirtschaftskammer OÖ ist der Ausbau der Gänsehaltung in Oberösterreich ein großes Anliegen“, betont Reisecker.

Projekt "Österreichische Weidegans"

Die Haltung von Weidegänsen hat sich ausgehend von Oberösterreich mittlerweile auch in den anderen Bundesländern etabliert. 244 Bauern in ganz Österreich sind in der Gruppe „Österreichische Weidegans“ organisiert. Etwa 60 Prozent davon sind konventionelle Betriebe, 40 Prozent Bio-Betriebe. In Summe verkaufen sie jedes Jahr rund 40.000 Gänse.
Der gesamte Inlandsverbrauch an Gänsefleisch liegt bei ungefähr 600.000 Gänsen beziehungsweise 2200 Tonnen. Die Inlandsversorgung variierte in den vergangenen Jahren zwischen zirka 15 und 25 Prozent. Insgesamt werden österreichweit etwa 110.000 Gänse produziert. Verglichen mit den 1990er-Jahren konnte die inländische Gänsehaltung in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt werden. „Da Weidegänse fast ausschließlich frisch vom Bauernhof an den Konsumenten oder die Gastronomie und nicht an den Großhandel abgegeben werden, entwickelt sich die Gänsehaltung langsam, aber sehr marktorientiert“, erläutert Heidi Hebesberger, Obfrau der Projektgruppe „Österreichische Weidegans“.

Die Gans ist ein klassisches, saisonales Geflügel und findet sich vor allem rund um den Martinitag beziehungsweise zu Weihnachten auf den Tellern. Mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 0,2 Kilogramm essen die Österreicher im statistischen Durchschnitt etwa einmal pro Jahr ein Gänsegericht.

Von 4650 Gössel, so werden die eintägigen Küken genannt, konnte die Weideganshaltung seit dem Jahr 2000 auf 40.000 Gössel 2016 gesteigert werden. Auch in Zukunft soll die Weideganshaltung in den Regionen Österreichs langsam, dem Marktaufbau entsprechend, ausgebaut werden.

Gefragt: Daunen der Weidegans

Neben Fleisch liefert die Weidegans auch Daunen, aus denen Füllungen für Decken, Polster und Outdoor-Bekleidung angefertigt werden. Die heimische Daune erfreut sich als reines Naturprodukt in den vergangenen Jahren immer größerer Beliebtheit. Durch die lange Haltedauer der Gänse auf der Weide können die Daunen und Federn deutlich besser ausreifen und haben sich dadurch international zu einem gefragten Spitzenprodukt entwickelt. Ein wesentlicher Unterschied zu importierter Daune ist auch, dass in Österreich die Daune durch Rupfen nach der Schlachtung gewonnen wird, während importierte Daune häufig von Tieren stammt, die lebend gerupft wurden. Gemeinsam mit der Firma Kaufmann aus Vorarlberg als Verarbeitungspartner ist es gelungen, die Spitzendaune aus Oberösterreich auch am japanischen Markt zu platzieren. In Japan zählen hohe Daunenqualitäten zur Kategorie Luxusgüter.

Daunenbetten sind ein reines Naturprodukt. Nur die Daune ist in der Lage, in der Nacht Feuchtigkeit aufzunehmen und tagsüber langsam wieder abzugeben. Pflegt man sein Daunenbett, hat man viele Jahre Freude daran. Heutige Daunenbetten können problemlos in der Waschmaschine gereinigt werden. Wird ein Bett nach vielen Jahren erneuert, muss das Daunenbett nicht teuer recycelt werden: Daunen können als wertvoller Dünger unter den Gartenkompost gemischt werden.

Neuer Internetauftritt

Wer in eine Suchmaschine den Begriff „Weidegans“ eingibt, kommt auf die Homepage der „Österreichischen Weidegans“ www.weidegans.at. Nicht nur Informationen über die Weideganshaltung sondern auch die regionalen Bezugsquellen stehen dem Konsumenten dort zur Verfügung. Um die Homepage noch kundenfreundlicher zu gestalten, wird sie aktuell neu erstellt und soll in Kürze online gehen.


Zentrale in der Landwirtschaftsschule Schlierbach

In der Zentrale der OÖ Weidegans in der landwirtschaftlichen Fachschule in Schlierbach befindet sich auch die Ausbildungsstelle der ARGE Huhn & Co, das ist die Aus- und Weiterbildungseinrichtung für die Geflügelwirtschaft. Huhn & Co. zeigt Vermarktungmodelle auf und bietet Informationen und Beratung für kleine Direktvermarkter und auch große Produktionsbetriebe. Ebenso werden von dort aus der gemeinsame Einkauf von Küken und Futter, Fachberatung der Mitglieder, Werbung für Gänsefleisch, die Federnvermarktung, die Schlachtung, der Verkauf, und Fachveranstaltungen organisiert.

Meilensteine von 20 Jahren OÖ. Weidegans

1992 Start des LK-Projektes im Mühlviertel
1996 Erweiterung auf die Region Traunviertel
1996 Start des gemeinsamen Projekts „OÖ. Weidegans“
1997 Erweiterung auf die Region Salzkammergut/Hausruckviertel
1998 Erweiterung auf die Region Innviertel
1999 Erweiterung zum Projekt „Österreichische Weidegans“
2007 Auszeichnung mit dem Agrarprojektpreis
2010 Start des Projektes „Österreichische Daune“
2016 Start der einzigen Gänsebrüterei Österreichs in OÖ
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