Kärntner Immobilienmarkt
„Der Markt ist selektiver geworden“
- Geschäftsführer Maximilian Lerchbaumer
- Foto: Solida Group
- hochgeladen von Sabine Hartlieb
Maximilian Lerchbaumer, Geschäftsführer der Solida Group, über Marktbewegung, Energieeffizienz und die neuen alten Grundsätze der Banken.
Wie präsentiert sich der Immobilienmarkt derzeit?
Für Verkäufer hat sich die Lage deutlich verbessert. Nach zwei schwächeren Jahren ist wieder mehr Bewegung im Markt: Die Kaufinteressenten sind zurück, gute Objekte finden wieder zügig ihre Käufer. Ein wichtiger Punkt kommt hinzu: Nachdem die EZB die Finanzierungen zwischenzeitlich mit mehreren Zinssenkungen verbilligt hatte, wurden die Leitzinsen zuletzt wieder angehoben, um der neuerlich gestiegenen Inflation entgegenzuwirken. Für Verkäufer bedeutet das, dass die aktuell noch gute Kaufkraft der Interessenten nicht selbstverständlich bleibt.
Welche Trends gibt es am Markt?
Der Markt ist selektiver geworden – das spielt gepflegten Objekten in die Hände. Der klarste Trend ist die Energieeffizienz: Sanierte, sparsame Immobilien erzielen Spitzenpreise und verkaufen sich rasch. Wer eine gut erhaltene oder energieeffiziente Immobilie in guter Lage anbietet, ist derzeit klar im Vorteil. Dazu kommt: In den Jahren 2024 und 2025 wurde deutlich weniger neu gebaut, das Angebot an attraktiven Objekten ist also knapper geworden. In Kombination mit der zurückgekehrten Nachfrage ergibt das ein Umfeld, in dem sich ein durchdachter Verkauf besonders auszahlt.
Welche Hürden und Neuerungen gibt es?
Die wichtigste Neuerung betrifft den Energieausweis. Seit 1. Juli 2026 gilt eine überarbeitete Fassung: Ein Energieausweis ist künftig nicht nur bei Verkauf oder Neuvermietung vorzulegen, sondern auch bei der Verlängerung eines Mietvertrags. Zusätzlich muss in jedem Inserat die Energieeffizienzklasse angegeben werden. Man sollte also darauf achten, dass die Unterlagen auf dem neuesten Stand sind. Bei den Kaufnebenkosten hat sich die Lage dagegen wieder verschärft: Die befristete Befreiung von den Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühren beim Kauf des Hauptwohnsitzes ist mit 30. Juni 2026 ausgelaufen. Wichtig bleibt die Wohnbauförderung des Landes – es lohnt sich ein genauer Blick, weil Zuschüsse und geförderte Darlehen je Bundesland verschieden sind.
Welche Tipps für Kauf oder Miete würden Sie Kunden geben?
Am Wörthersee und im Kärntner Zentralraum sind vor allem hochwertige, energieeffiziente Objekte in guter Lage gefragt. Meine wichtigsten Tipps:
• Den Energieausweis früh prüfen
• Bei älteren Häusern den Sanierungsbedarf realistisch einkalkulieren, gerade bei Objekten aus den 1960er- und 1970er-Jahren.
• Bei der Finanzierung nicht bei der eigenen Hausbank stehenbleiben, ein Vergleich mehrerer Angebote lohnt sich.
• An die Absicherung denken, etwa über eine Ablebensversicherung zur Kreditabsicherung oder eine passende Eigenheim- und Haushaltsversicherung.
Was gibt es zur KIM-Verordnung zu sagen?
Die KIM-Verordnung ist Geschichte – aber ihre Grundsätze wirken weiter. An ihre Stelle trat ein Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht, das die drei Kernkennzahlen als Richtwerte beibehält. Diese lauten weiterhin: Eigenmittel mitbringen (maximal 90 % Beleihung), die Kreditrate bei höchstens 40 % des Netto-Einkommens halten und höchstens 35 Jahre Laufzeit. Die eigentliche Hürde ist oft kein Gesetz mehr, sondern die Frage, ob die Bank das individuelle Risiko als tragbar einstuft. Gerade weil die Banken unterschiedlich streng bewerten, zahlt sich ein unabhängiger Kreditmakler aus.
Welche Neuerungen gibt es bei der Grundsteuer?
Die Grundsteuer basiert weiterhin auf Einheitswerten, die seit 1972 nicht aktualisiert wurden. Das Thema ist aber politisch in Bewegung.




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